120 Gäste gedenken in Bergen-Belsen der Deportation der Sinti und Roma

Foto: Oliver Knoblich

Obwohl die Veranstalter ein Zelt aufgebaut hatten, war es am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz ziemlich kalt am Obelisk in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. "Die Menschen hatten damals weniger Kleidung als wir und keine festen Schuhe. Von einem Leichnam haben sie Kleidung genommen, um die Füße zu wärmen", sagte Samantha Rose vom Forum für Sinti und Roma. "Wir gedenken, was die Menschen durchmachen mussten." Etwa 120 Gäste waren in die Gedenkstätte gekommen, um an einen Teil der Nazi-Verbrechen zu erinnern, der im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent ist. 500.000 Sinti und Roma wurden im Dritten Reich von den Nazis ermordet.

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LOHHEIDE. "Bergen-Belsen hat einen besonderen Stellenwert, denn die Mehrheit der überlebenden Sinti und Roma wurde hier befreit", sagte der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten Jens-Christian Wagner. "Außerdem war die Gedenkstätte mit einer Kundgebung im Oktober 1979 ein Geburtsort der Sinti-und-Roma-Bewegung." Er betonte, dass Sinti und Roma in Deutschland und Europa auch heute noch diskriminiert und angegriffen würden. "Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen", so Wagner.

Claudia Schanz, die den erkrankten niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne vertrat, betonte, dass die Ausgrenzung und Diskriminierung lange vor 1933 begangen habe und nach 1945 nicht vorbei war. "Staat und Gesellschaft haben sich durch die Verweigerung von Entschädigungen eine zweite Schuld aufgeladen", sagte die Referatsleiterin im Kultusministerium. Die jetzige Generation habe die Verantwortung, für eine "wache und lebendige Erinnerungskultur" zu sorgen. "Wer das bekämpft, bekämpft die Demokratie", sagte Schanz in Richtung AfD.

Bevor die Gäste an der Inschriftenwand der Opfer gedachten, forderte Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung, in die Bildung der Roma-Kinder zu investieren. "Es ist Zeit für einen Bildungsaufbruch", sagte Franz. "Das wird ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft sein, denn wer die Unterschiede akzeptiert, kann friedvoll zusammenleben."

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung eröffnete Reinhold Baaske, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen, im Forum der Gedenkstätte die Ausstellung „Von Niedersachsen nach Auschwitz“. Sie zeichnet anhand von Dokumenten und Fotos die Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus nach und verdeutlicht, dass Sinti und Roma auch heute noch vielfach diskriminiert werden.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 04.03.2018 um 19:00 Uhr
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