Rutschpartie zum Wochenstart im Landkreis Celle

Foto: Oliver Knoblich

Der Montagmorgen ist bei Arbeitnehmern nie besonders beliebt. An diesem Montag erlebten viele Berufstätige aber eine böse Überraschung bereits vor Dienstbeginn: Viele waren noch gar nicht bei der Arbeit angekommen, als sie schon beim Verlassen des Hauses zwangsweise in den Stressmodus umschalten mussten. Eisglätte hatte über Nacht Straßen und Wege im Nordosten Niedersachsens in gefährliche Rutschbahnen verwandelt. Auch Celle blieb nicht verschont: Der Unterricht an allen Schulen in Stadt und Landkreis fiel gestern aufgrund der Wetterlage aus, die Notaufnahme im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Celle war gut besucht, Zeitungszustellung und Müllabfuhr gerieten ins Stocken.

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CELLE. Zwei Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei waren seit 3 Uhr im Einsatz, um die Lage auf den Celler Kreisstraßen zu überprüfen. Das sei bei diesem Wetter Routine, erklärt Holger Gralher, Leiter der Kreisstraßenmeisterei. "Bei Minusgraden in der Nacht und bei Feuchtigkeit rücken unsere beiden 'Glättemelder' aus." Zunächst war noch alles ruhig, eine Stunde später setzte dann der Regen ein – es wurde spiegelglatt. "Das Rest-Salz auf den Straßen hat nicht mehr ausgereicht", sagt Gralher. Von der Zentrale in Lachendorf und der Außenstelle in Hermannsburg aus waren seine Kollegen mit sieben Großfahrzeugen unterwegs, zusätzlich streuten zwei Fahrzeuge die Radwege ab. Gralher bittet um Verständnis, dass nicht sofort überall Fahrzeuge im Einsatz sind. "Wir können nicht an allen Stellen gleichzeitig sein." Außerdem ist auch die Straßenmeisterei selbst nicht vor Unfällen gefeit. So sind am Montagmorgen in Ahnsbeck beim Abbremsen an einem Fahrzeug Leitungen abgerissen – der Einsatz musste unterbrochen werden, der Wagen zurück ins Depot.

Apropos: Auch die Busfahrer der CeBus mussten eine unfreiwillige mehrstündige Pause einlegen. "Unsere Fahrer entscheiden, ob sie los- oder weiterfahren können", sagt Geschäftsführer Stefan Koschick. Mit Betriebsbeginn sei klar gewesen, dass ein normaler Verkehr nicht möglich ist. Ab 9 Uhr und mit steigenden Temperaturen sei der Betrieb langsam angelaufen, am Mittag habe wieder alles reibungslos funktioniert. Unterdessen hätten zehn Mitarbeiter am Telefon Fragen von Fahrgästen beantwortet, sagt CeBus-Sprecherin Birgit Peters. Darunter seien auch Busfahrer gewesen, die von der Zwangspause durch das Glatteis betroffen waren.

Vom Ausfall des Busverkehrs war auch die Schülerbeförderung betroffen. Nach der Bekanntgabe der CeBus, den Betrieb vorläufig einzustellen, hat der Landkreis entschieden, den Unterricht ausfallen zu lassen. Glatteis am Morgen – beinahe frühlingshafte Temperaturen am Mittag: Wäre also ein späterer Unterrichtsbeginn nicht möglich gewesen? Tore Harmening verneint: "Das wäre logistisch sehr schwierig", erklärt der Sprecher des Landkreises Celle. "Ab wann genau der Verkehr wieder ohne Probleme läuft, lässt sich so nicht vorhersagen." Zudem seien die Buskapazitäten genau aufeinander abgestimmt, weil die Schülerbeförderung fast ausschließlich im Linienverkehr erfolge. Diejenigen Kinder, die trotzdem zur Schule kommen, müssen von Lehrern betreut werden. "Die Lehrer haben Präsenzpflicht, sofern ihnen die Anfahrt bei den Wetterumständen möglich ist", sagt der Landkreis-Sprecher.

Trotz wärmerer Temperaturen ist die Glatteis-Gefahr noch nicht gebannt. Nach Angaben von CZ-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski müsse am Mittwoch und Donnerstag in den frühen Morgenstunden erneut mit glatten Straßen gerechnet werden.

Carsten Richter Autor: Carsten Richter, am 06.03.2018 um 11:01 Uhr
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Verkehrsunfälle

Die meisten Autofahrer im Landkreis Celle haben ihre Fahrweise offenbar den Wetterverhältnissen angepasst. "Bis 10 Uhr gab es im Kreis- und Stadtgebiet drei glättebedingte Unfälle", sagt der Celler Polizeisprecher Michael Stoll. Personen seien dabei nicht verletzt worden, lediglich leichte Sachschäden seien entstanden. Auch in den Kreisen Harburg, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Uelzen, wo gestern ebenfalls der Unterricht ausfiel, blieb es bei kleineren Unfällen mit Blechschaden. (car/lni) 


Knochenbrüche

Gut zu tun hatte die Zentrale Notaufnahme des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle. "Auf einen Schlag kamen 40 Patienten mit Brüchen, Prellungen und Verstauchungen", sagt Sprecher Robert Berrisch. Durch Wettervorhersagen sei das Team "auf die Situation sehr gut vorbereitet" gewesen. Ausreichend Material war ebenso vorhanden wie das Personal, das bereits am Vorabend aufgestockt worden sei. Am Mittag seien nur noch vereinzelt Patienten eingetroffen. Sie konnten gleich behandelt werden. (car)     


Müll-Ausfälle

Trotz Glatteis war die Müllabfuhr gestern unterwegs. „Selbstverständlich versuchen wir, alle Tonnen zu leeren“, so Konrad Heemskerk, Leiter Betriebe beim Zweckverband Abfallwirtschaft (ZA) Celle. „Abschüssige Straßen, Sackgassen und Wendehämmer können jedoch möglicherweise wegen der Unfallgefahr nicht befahren werden.“ Probleme gab es auch bei der Zustellung der CZ. "Bis Mittag waren alle Zeitungen zum größten Teil in den Briefkästen", sagt Tanja Weber vom Celler Zustellpartner TVG. (car) 


Auf dünnem Eis

Angesichts der morgendlichen Straßenglätte unterschätzten am Nachmittag drei Schüler die Tragfähigkeit der Eisdecke im Celler Schloßpark. Obwohl das Eis sichtbar angetaut war, wagten sich die Jugendlichen bis weit auf das zugefrorene Gewässer – wo eine Schülerin plötzlich durch das Eis brach. Glücklicherweise war das Wasser nicht besonders tief, sodass sie mit dem Schrecken und durchnässten Klamotten davonkam. Ein mutiger Begleiter zog sie sofort wieder aus dem kalten Nass heraus. (cli)

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