Weich wie Butter – hart wie Stein

Vernissage Norbert Diemert mit der Skulptur Narzis: „Die Form im Kopf“ Foto: David Borghoff

Das ist das Schöne an Skulpturen: Man kann sie umwandern, sie treten durch Form und Schattenspiele in Kontakt mit dem Raum und manchmal, wie in der Ausstellung „Die Form im Kopf. Skulpturen und Fotokunst“ im Kulturhaus Wienhausen, darf man sie gar berühren.

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WIENHAUSEN. Dazu laden die rund 30 Objekte von Norbert Diemert förmlich ein, wie Horst Brune einführend bemerkte, verführen zum Streicheln und Schmeicheln. „Seine steinharten und ebenmäßigen Skulpturen sind in Wirklichkeit weich wie Butter, sanft und zart wie eine Liebkosung und zartfühlend wie ein empfindsames Gedicht.“

Die Frage stelle sich nur, wie es der Künstler schaffe, aus einem Jahrmillionen Jahre alten rauen und schroffen Gestein so etwas Anmutiges zu schaffen. „Du musst die Seele des Steins erkennen“, so Diemert. Hier spielen die jeweiligen Steinformationen und Materialien eine Rolle, ob es Pakistanischer Sandstein, Diabas, Travertin oder Marmor ist. Alle haben eine Seele, von der Zeit geschaffen, um als Skulptur vollendet zu werden. Michelangelo hat es einst so formuliert: „Der David war immer schon da gewesen. Ich musste lediglich den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen.“ Wenn Diemert eine Skulptur beginnt, hat er vage bis konkret die Form im Kopf. Im Zwiegespräch mit dem Material, mit Linien, Strukturen, Umrissen und anderen Beschaffenheiten beginnt er sein Werk. Das Abtragen des Materials habe etwas mit Ehrfurcht zu tun. Der Schaffensprozess wechselt zwischen gezielt und intuitiv. Dem Stein verlangt es eine gewisse Gnade ab, sich so beherrschen zu lassen.

Am Ende nach dem Feinschliff treten Stein und Schöpfer in die Öffentlichkeit. Dabei ist es die Dialektik zwischen schroff und hochpoliert, die Diemerts grazilen bis opulent schwungvollen Gebilde so spannungsreich macht. Hier und da gibt der Künstler seinen „Kindern“ eine Gabe bei. Das Eigenleben der Steine aber bleibt. So trägt „Metamorpha 24“ die ihr eigenen Farbenspiele zur Schau, die stelenförmige „Empora 5“ wirkt wie eine fischschuppig verhüllte, madonnenhafte Meerjungfrau. Haptisch meint man, sich an den zig Schründen zu stören – aber sie ist verblüffend glatt. Mit ähnlichen Netzen, eher topographischen Höhenlinien überzogen, stellen sich die Fotoarbeiten dar.

Diemert, der mit Installationen, Landart-Projekten, Designmöbelbau und Fotografie begann und heute Vorsitzender des BBK Celle ist, lotet mit diesem medialen Gegenüber wohl Dimensionen wie 2D und 3D aus und stellt gesichtslosen Figuren körperlose Porträts gegenüber.

Wer leise eintaucht in die Aura des Raums merkt, man kann auf einer Welle damit sein. Für Schallwellen sorgte Peter Missler am Saxophon.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Mai im Kulturhaus Wienhausen, Mühlenstraße 5, zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr (ab April 9.30 bis 12 Uhr) und 14 bis 17 Uhr, sowie samstags und sonntags, 14 bis 17 Uhr.
Aneka Schult Autor: Aneka Schult, am 06.03.2018 um 09:31 Uhr
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