Blühendes Celle – ganz ohne Glyphosat

Foto: Alex Sorokin

Glyphosat ist ein "Totalherbizid". Das klingt zunächst zwar ein wenig chemisch, aber beinahe noch harmlos. Dabei hat das laut Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO wahrscheinlich krebserregende Glyphosat ein Overkill-Potenzial: Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Während viele Landwirte auf ihren Äckern mit dieser chemischen Keule tabula rasa machen, lässt die Stadt Celle den Finger davon. "Wir kommen ohne Roundup und ähnliches gut zurecht", sagt Jens Hanssen, der als Fachdienstleiter Grün-, Straßen- und Friedhofsbetrieb im Rathaus für Celles grüne Inseln zuständig ist.

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CELLE. "Im Rahmen einer Selbstverpflichtung verzichten wir auf unseren Flächen generell auf den Einsatz von Fungiziden und Herbiziden", so Hanssen. Dort wo Wildkräuter in Beeten störten, würden sie mechanisch bekämpft. "Auf größeren städtischen Grünflächen, etwa bei Ausgleichsflächen für bestimmte Baumaßnahmen, darf außerdem sowieso keine Chemie eingesetzt werden, weil das Naturschutzgesetz dies verbietet."

Die Grünen im Celler Stadtrat loben den freiwilligen Glyphosat-Verzicht der Verwaltung. "Wir möchten sicherstellen, dass das so bleibt und auch Anwendung auf verpachteten Flächen findet", sagt Grünen-Ratsherr Stephan Ohl. Das Bienensterben sei vor allem auf die Industrialisierung der Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz von Glyphosat und Insektengiften zurückzuführen, meint Ohl und fordert die Stadt auf, auf ihrem Weg weiter zu gehen. "Private Unternehmen, die Aufträge von der Stadt Celle zur Pflege von Grün-, Sport- und Verkehrsflächen erhalten, sollen entsprechend auf einen Glyphosatverzicht vertraglich verpflichtet werden. Bei laufenden Verträgen soll auf eine freiwillige Einigung hingewirkt werden", so Ohl in einem aktuellen Rats-Antrag.

Beim Abschluss neuer Pachtverträge für gemeindliche landwirtschaftliche Flächen und bei der Verlängerung von Pachtverträgen solle eine Klausel eingefügt werden, mit der sich der Pächter zum vollständigen Verzicht auf den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln auf diesen Flächen verpflichteten, sagt Ohl. Sein Ziel sind herbizid- und pestizidfreie Haus- und Kleingärten. Killer-Chemikalien gehörten in die Sondermüll-Tonne: "Wir regen an, dass Privatpersonen Glyphosat gegen bienenfreundliches Saatgut tauschen können. Dazu müssen wir aber noch den Abfallzweckverband kontaktieren."

"Wir in Celle können unseren Beitrag dazu leisten, dass dem Artensterben Einhalt geboten wird", sagt Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU). Deshalb unterstützten und begleiteten er und seine Mitarbeiter die CZ-Aktion "Celle blüht auf" aus Überzeugung und hofften, dass sich neben Institutionen und Verbänden auch ganz viele Celler daran beteiligten: "Auch wir als Stadt werden künftig den bedrohten Insekten noch mehr Rechnung tragen."

Der Landkreis Celle engagiere sich seit Jahrzehnten in diversen Naturschutzprojekten, die zum Beispiel durch die Renaturierung der Heidebäche der Förderung der Insektenfauna dienten, sagt Landrat Klaus Wiswe (CDU): "Damit leistet der Landkreis einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Populationen von zum Beispiel Eintags-, Stein- und Köcherfliegen sowie von Fließgewässerlibellen." Die Menschen im Landkreis und auf der gesamten Welt hätten ein hohes Interesse am Artenschutz: "Wegen der hohen Spezialisierung bestimmter Arten und der perfekten Anpassung an ihren Lebensraum ist der Schutz der Artenvielfalt besonders wichtig, um Ökosysteme in ihrer Komplexität funktionsfähig zu halten. Diese Ökosysteme sind auch unsere Lebensgrundlagen."

Immer mehr Gemeinden schreiben sich Artenschutz auf die Agenda. In Nienhagen soll sich eine Arbeitsgruppe um neue Lebensräume für Insekten, Klein- und Wildtiere schaffen und das Nahrungsangebot insbesondere für Wildbienen sicherstellen. Damit unterstützt die Mitgliedsgemeinde eine Initiative der Samtgemeinde Wathlingen, die im Herbst beschlossen hatte, etwas gegen das massive Insektensterben zu tun. "Wir haben uns bereits erste Flächen, die in Frage kommen, angesehen",sagt Nienhagens Bürgermeister Jörg Makel (SPD).

Und auch der Celler Nordkreis soll aufblühen. Der Umweltausschuss der Gemeinde Faßberg berät in seiner öffentlichen Sitzung am morgigen Donnerstag über das Anlegen von Bienenwiesen im Gemeindegebiet. Beginn der Sitzung ist um 18.30 Uhr im Großen Sitzungssaal im Rathaus Faßberg.

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 15.03.2018 um 12:52 Uhr
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