Lebt ein viertes Wolfsrudel im Landkreis Celle?

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Immer mehr Spuren weisen darauf hin, dass im Landkreis Celle ein weiteres Wolfsrudel lebt. "Wir gehen davon aus, müssen es aber noch beweisen", sagt der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Raoul Reding. Fakt ist, dass es Hinweise darauf gibt, dass im Raum Walle mehr als ein residenter Einzelwolf unterwegs ist.

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CELLE. Das bestätigt Bettina S. Dörr, Pressesprecherin des Wolfsbüros, auf CZ-Nachfrage. Bisher ist nur eine standorttreue Fähe in Eschede nachgewiesen. Offiziell bestätigt sind im Landkreis Celle bisher das Berger Rudel, das auf dem Truppenübungsplatz lebt, das Unterlüßer Rudel vom Rheinmetall-Schießplatz und das Escheder Rudel.

Zudem sind weitere Wölfe im Celler Land unterwegs, die in den Nachbarlandkreisen ihr Territorium haben. Schließlich sind Landkreisgrenzen für die Tiere nicht relevant, die Rudel auf dem Truppenübungsplatz Bergen und im Ostenholzer Moor sind im Heidekreis und im Landkreis Celle unterwegs, ebenso die Rudel aus Wietzendorf und Munster, die wie das Rheinmetall-Rudel auch den Uelzener Raum bestreifen. Zu vermuten ist außerdem, dass auch das Escheder Rudel Ausflüge in die Nachbarschaft unternimmt.

Für dieses Rudel ist im vergangenen Jahr allerdings kein Nachwuchs – es gibt keine Fotos von Welpen – nachgewiesen worden, sodass es Vermutungen gibt, dass die Escheder Wölfe nach Walle umgezogen sind. "Das wird auch untersucht", sagt Reding. "Erste genetische Nachweise lassen aber auf ein neues Rudel in Walle schließen." Unbekannt ist zudem die Herkunft von drei Wölfen, die seit Januar den Raum Eldingen-Beedenbostel-Höfer-Eschede bestreifen.

"Es gibt ein Video, das drei Welpen im Bereich Walle zeigen soll", sagt Reding. "Die Qualität ist aber nicht ausreichend, um ein Wolfsrudel nachzuweisen." Daher laufen derzeit die Untersuchungen weiterer Genetikproben. Insbesondere sollen aus den gefundenen Losungen Erkenntnisse gezogen werden. "Ich denke, dass wir in einem Monat Ergebnisse haben", sagt der Wolfsbeauftragte. Ziel ist es, weitere Individuen in Walle nachzuweisen.

Am 17. Mai 2007 hatte Winfried Häsemeyer auf dem Schießplatz von Rheinmetall einen Wolf fotografiert und damit belegt, dass sich in Niedersachsen wieder ein Wolf aufhält. Zum ersten Mal seit rund 150 Jahren wurden im Sommer 2012 dann wieder wilde Wolfswelpen in Niedersachsen geboren. Das bewies ein kurzes Video, das drei Jungtiere auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord zeigte. Im August 2014 wurde das dritte Wolfsrudel im Landkreis Celle (Bergen, Unterlüß, Eschede) nachgewiesen. Seinerzeit war es das fünfte in Niedersachsen. Inzwischen sind 14 Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und drei residente Einzelwölfe nachgewiesen. Einer davon in Walle, wo sich aber anscheinend inzwischen ein weiteres Rudel angesiedelt hat.

Unterdessen hat der Deutsche Jagdverband (DJV) ein länderübergreifendes Wolfsmanagement gefordert, nachdem bekannt geworden war, dass die obersten Naturschutzbehörden der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und des Saarlands beim Herdenschutz und beim Wolfsmanagement enger zusammenarbeiten und dazu eine Kooperationsvereinbarung abschließen wollen. Wölfe kennen keine Landesgrenzen, deshalb ist eine länderübergreifende Vereinbarung zu einem effektiveren Wolfsmanagement durchaus sinnvoll, betont der DJV.

Eine Vereinbarung nur zwischen vier Bundesländern sei nicht zielführend, vor allem, wenn Betroffene überhaupt nicht eingebunden werden, kritisieren die Jäger. „Die letzten in Baden-Württemberg bestätigten Wölfe kamen aus Niedersachsen“, sagte DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke. Der Vorstoß sei blanker Aktionismus und ein unnötiger Vorgriff, weil der Bund – so sieht es der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vor – eine bundeseinheitliche Regelung schaffen will.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 08.03.2018 um 09:39 Uhr
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