Holt Landkreis Celle Känguru von Berger Familie weg?

Querflöte spielen kann Viggo nicht, aber im Garten knabbert das Känguru gerne an einem Stock. Foto: Oliver Knoblich

Als Sandra Arndt ihrer Tochter Angela das neueste Schreiben vom Landkreis Celle zeigt, wird die 13-Jährige ganz traurig. "Jede Familie ist doch unterschiedlich", sagt sie. "Wir sehen nicht aus wie Kängurus, aber wir sind doch Viggos Familie. Robin und ich sind doch wie Geschwister für ihn." Seit knapp drei Jahren lebt das Känguru bei der Berger Familie, doch jetzt droht der Landkreis endgültig mit der Wegnahme. "Sollten Sie die genannten Unterlagen/Informationen nicht fristgerecht bis zum 13. März darbringen, sehe ich mich gezwungen, die angedrohte Fortnahme und pflegliche Unterbringung des von Ihnen gehaltenen Bennett-Wallaby ab dem 14. März anzuordnen und zu vollziehen", heißt es in dem Schreiben.

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BERGEN. Viggo stammt aus einem Tierpark in Karlsruhe. Der heute Vierjährige fiel aus dem Beutel seiner Mutter, die einige Wochen später starb. Arndt, die seinerzeit als Tierpflegerin arbeitete, zog das Känguru mit der Flasche auf. "Der Tierpark wollte Viggo nicht zurück, weil er ein Männchen ist", erzählt die 40-Jährige. Sie nahm das Känguru daher in die Familie auf. Gemeinsam zogen sie nach Bergen an die Exiner Straße.

Dort spielt er mit dem siebenjährigen Robin im Garten fangen oder verstecken, verdrückt seine Rosmarinkekse oder macht es sich neuerdings gerne im Bett im Schlafzimmer gemütlich. Doch es gibt ein großes Problem: Der Gesetzgeber schreibt für die Haltung von bis zu fünf Säugetieren einen Raumbedarf von mindestens 200 Quadratmetern vor – an der Exiner Straße fehlen 50 Quadratmeter.

Daher fordert der Landkreis Celle einen Umzug. "Wir hatten ein Haus in Bergen mit riesigem Garten in Aussicht", berichtet Arndts Lebensgefährte Benjamin Müller. "Aber es war zu teuer für uns." So sei die Familie weiter auf der Suche. "Ein paar Besichtigungstermine in Bergen und Umgebung stehen noch an", sagt Müller. Aber: Die Forderung des Landkreises, bis Dienstag einen unterschriebenen Miet- oder Kaufvertrag vorzulegen oder zumindest das neue Zuhause konkret zu benennen, wird die Familie nicht erfüllen können.

Und das ist nicht alles: Nach Auffassung des Celler Kreisveterinäramtes braucht Viggo ein zweites Känguru in seiner Umgebung. "Wir sind mit einem Züchter aus Holland in Kontakt, von dem wir im Sommer ein zweites Känguru bekommen können", sagt Müller. Etwa 500 bis 600 Euro kostet ein männliches Tier, ein Weibchen um die 1000 Euro. "Die Kinder wünschen sich zwar Känguru-Babys, aber wir werden ein Männchen kaufen", sagt Müller. Ob sich Viggo mit dem anderen Känguru aber vertragen wird, stellen er und Arndt in Frage. "Er hat lange Zeit gegen sein Spiegelbild gekämpft und verjagt Katzen und Vögel sofort aus dem Garten", sagt Arndt. Zunächst gibt es aber ohnehin noch ein anderes Problem: Der Landkreis fordert die Umsetzung bis zum 31. Mai. "Der Züchter hält das aber nicht für sinnvoll", so Müller.

Bliebe noch der Sachkundenachweis, den der Landkreis beispielsweise in Form eines Arbeitszeugnisses, aus dem sich diverse fachliche Kenntnisse ergeben müssen, fordert. "Alternativ ist die Absolvierung eines amtstierärztlichen Sachkundegesprächs möglich", sagt Landkreis-Sprecher Tore Harmening. Für die Vergesellschaftung müsse aber ein Tierarzt, Zoologe oder ähnliches benannt werden.

Und was passiert in der nächsten Woche? Wird Viggo betäubt, wenn er sich nicht einfangen lässt? "Wie genau das Vorgehen aussehen wird, hängt von den Entwicklungen der kommenden Tage und der Rückmeldung der Familie ab", sagt Harmening wenig konkret.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 08.03.2018 um 16:08 Uhr
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