Intime Einblicke in Fotoausstellung in Hannover

Peter Bauzas einfühlsame Bilder erzählen die Geschichten von Menschen, die in Copacabana Palace, diesem Moloch von „Wohnungsskeletten“ leben. Foto: Peter Bauzas

„Copacabana Palace“ ist der Titel der laufenden Ausstellung in der „Galerie für Fotografie“: So heißt ein bekanntes Luxushotel in Rio de Janeiro, so wird sarkastischerweise aber auch ein etwa 60 Kilometer entferntes Gebiet genannt, das so gar nichts Majestätisches an sich hat. Und eben hier hat Peter Bauza seine sehr speziellen Aufnahmen gemacht.

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HANNOVER. Ursprünglich sollte an diesem Ort in den 80er Jahren ein Wohnbereich für den unteren Mittelstand entstehen, doch das Bauvorhaben versandete. Zunächst eigneten sich Drogendealer die Geisterstadt an, später Obdachlose – heute leben rund 300 Familien in sechs Häusern. Es sind vielleicht 1000 Menschen, die ohne fließendes Wasser und echtes Stromnetz ihr Dasein fristen; die genaue Zahl ist nicht bekannt. Und vielleicht will sie auch kaum jemand wirklich wissen, denn es gibt sicherlich angenehmere
Gesprächsthemen in Brasilien, einem Land, das unlängst Milliarden für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele ausgegeben hat.

Fotograf Bauza, mehrfach preisgekrönt, ist in Deutschland geboren, aber seit über 20 Jahren auf Achse, vor allem in Lateinamerika. Es gelang ihm, das anfängliche Misstrauen der Bewohner von „Copacabana Palace“ zu zerstreuen, und so
entstand eine Serie intimer, zum Teil höchst intimer Bilder.

Es ist sicherlich eine beeindruckende Serie mit mancherlei überraschenden Einblicken und einer eigenartigen Ästhetik. Auf einigen Fotos wirken die Bauruinen mit ihren vielen bunten Vorhängen in den Fensterhöhlen, ja wirkt sogar der allgegenwärtige Müll fast malerisch. An anderer Stelle scheint das Innenleben eines ramponierten Hauses sämtlichen Gesetzen der Architektur zu widersprechen, als sei das Gebäude die Schöpfung eines Piranesi oder M.C. Escher.

„Das Paradies ist hier, die Hölle ist hier, Wahnsinn ist hier, Leidenschaft ist hier“: Diese Aussage des brasilianischen Komponisten Francis Hime zu Rio de Janeiro steht als Motto über der Ausstellung, und vielleicht ist es nicht ganz glücklich gewählt. Denn gewiss gibt es Fotos, die von Solidarität unter den Bewohnern und von Zärtlichkeit zeugen oder, etwa im Tanz, Signale von Lebensfreude aussenden. Aber das Paradies scheint vor diesem Hintergrund doch sehr fern und die Hölle jedenfalls näher – sei diese nun symbolisiert durch das tote Pferd neben dem Autowrack, die zerbrochene Puppe oder die große Trostlosigkeit, die sich in manchem Gesicht malt.

Zimperlich sollte man jedenfalls als Besucher dieser Ausstellung nicht sein. Mag auch schon mal der Blick durch ein Fenster auf Berge und einen vorbeifliegenden Vogel – der Inbegriff der Freiheit – so etwas wie Hoffnung verheißen.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 09.03.2018 um 13:15 Uhr
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