Wirbel um Kultur-Mäzene in den USA

David H. Koch und seine Frau Julia (M) weihen am 09.09.2014 die David H. Koch Plaza vor dem Metropolitan Museum in New York (USA) ein. Foto: Christina Horsten Foto: Christina Horsten

New York (dpa) - Jerry Saltz ist Kunstkritiker des «New York»-Magazins - und neuerdings auch Aktivist. Mehrmals hat er in den vergangenen Wochen den Namen von David H. Koch auf dem Vorplatz des Metropolitan Museums in Manhattan überklebt - und über die sozialen Medien dazu aufgerufen, es ihm nachzumachen.

Koch ist vor allem mit Öl, Gas und Baumaterialien Milliardär geworden, gilt als erzkonservativ und wissenschaftskritisch und hat den Vorplatz des Metropolitan Museums 2014 für 65 Millionen Dollar (etwa 53 Millionen Euro) renovieren und nach sich benennen lassen. Kunstkritiker Saltz machte aus dem «David H. Koch Plaza» den «Klimawandelleugner-Platz» - bis die Wächter des Museums das Klebeband wieder entfernten.

«Das ist der Platz des Metropolitan Museums. Nicht dein Platz», schrieb Saltz bei Twitter. «Lasst uns unsere Museen zurückerobern. Du kannst Geld spenden. Aber du kannst nicht unseren Namen kaufen.»

Der Vorplatz des Metropolitan-Museums mit seinen Wasserspielen, Linden und Platanen ist dabei nicht der einzige Ort im extrem liberalen New York, der nach dem extrem konservativen Koch benannt ist: Auch das Theater des New York City Ballet am Lincoln Center und die Dinosaurier-Abteilung des Naturkunde-Museums am Central Park tragen seinen Namen.

Gleichzeitig spendet der Milliardär und Vater von drei Kindern mit Luxuswohnung an der Park Avenue massenweise Geld für konservative republikanische Anliegen, beispielsweise gegen eine Ausweitung der Krankenversicherung, während die überwiegende Mehrheit der New Yorker demokratisch wählt.

Die Kulturinstitutionen in den USA sind auf reiche Spender angewiesen. Öffentliche Zuwendungen sind knapp - Spender gibt es dafür reichlich und das Mäzenatentum ist seit Gründung der Nation fest verankerter Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Insgesamt wurde in den USA im vergangenen Jahr für alle möglichen Zwecke die Rekordsumme von rund 390 Milliarden Dollar gespendet - in Deutschland, das rund ein Viertel so viel Einwohner hat, waren es 5,2 Milliarden Euro. Ohne reiche Mäzene müssten in den Vereinigten Staaten viele Museen sofort schließen oder könnten erst gar nicht öffnen. Trotzdem stellt sich immer wieder die Frage: Was tun, wenn der Spender sein Geld dubios verdient hat? Oder wenn er vollkommen anderer Meinung ist als die Betreiber des Museums?

Seit Amtsantritt des umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump sind solche Fragen brisanter und umkämpfter denn je. So werden derzeit beispielsweise immer mehr Stimmen von Wissenschaftlern und Kuratoren laut, die Rebekah Mercer nicht mehr im Beirat des American Museum of Natural History sehen wollen. Mercer leitet eine milliardenschwere Familienstiftung, die zu den einflussreichsten Spendern des Trump-Wahlkampfs gehörte, und hat sich schon öfter kritisch in Hinblick auf Naturwissenschaften und den Klimawandel gezeigt.

Andere Stimmen, an der Spitze die Künstlerin Nan Goldin, fordern den Boykott der reichen Spender-Familie Sackler, die unter anderem das Metropolitan und das Brooklyn Museum unterstützt. Der Familie gehört ein großes Pharma-Unternehmen, das das Schmerzmittel OxyContin herstellt, das mit zur Opioid-Krise in den USA mit Tausenden Toten beigetragen hat.

«Die Spender haben über die vergangenen Jahre immer mehr den Anspruch gestellt, dass ihre Beiträge auch deutlich gemacht werden - und alles von Gebäuden über Aufzüge bis hin zu Warteräumen oder Trinkbrunnen nach ihnen benannt wird», sagt der Soziologie-Professor Todd Gitlin von der New Yorker Columbia-Universität. «Die kulturellen Institutionen müssten da viel vorsichtiger sein und klare Grenzen setzen, sonst laufen sie Gefahr, dass ihr Ruf in Geiselhaft genommen wird.»

Selbstverständlich gebe es schwierige Fälle, sagt Gitlin. Aber es gebe auch ganz einfache - wie das Naturkundemuseum und die Milliardärin und Trump-Unterstützerin Mercer. «Ich finde nicht, dass Rebekah Mercer im Beirat einer Institution sein sollte, die sich einem Thema widmet, das sie hasst.» 

Warum spendet jemand, der etwas gegen Wissenschaft hat wie Mercer, überhaupt an ein Naturkundemuseum - oder jemand konservatives wie Koch an das offen liberale Metropolitan Museum? 

«Diese Menschen wollen Ruhm und Ehre», sagt Soziologe Gitlin. «Es geht um den guten Ruf innerhalb ihrer gesellschaftlichen Klasse - und in ihren Kreisen ist eine Spende an das New Yorker Naturkundemuseum eben deutlich angesehener als eine Spende beispielsweise an das Anti-Darwin-Museum in Kentucky.» 

Und so sieht das auch Milliardär Koch. Er wolle, dass die Menschen wissen, dass er sich hart anstrenge, um Gutes zu tun, sagte er 2014 bei der Einweihung seines neuen Platzes vor dem Metropolitan Museum. «Ich will, dass David H. Koch als ein Mann bekannt bleibt, der während seiner Lebenszeit versucht hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.»

Christina Horsten, dpa Autor: Christina Horsten, dpa, am 22.03.2018 um 09:08 Uhr
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