Allerhand Lacher bei Gast-Auftritt des Ohnsorg-Theaters im Berger Stadthaus

Was ist typisch deutsch? Die Schauspieler des Ohnsorg-Theaters sind dieser Frage im Berger Stadthaus nachgegangen. Foto: Birgit Stephani (3)

"Tratsch im Treppenhaus" war gestern. Das Ohnsorg-Theater beschäftigt sich längst mit moderneren Themen. Im Stadthaus Bergen wurde am Samstag geklärt, was typisch deutsch ist. Naturgemäß kamen da Klischees nicht zu kurz, sorgten im voll besetzten Saal allerdings für allerhand Lacher.

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BERGEN. Fünf Studenten leben gemeinsam in einer Multi-Kulti-WG in Hamburg: der Deutsche Sören, der Syrer Tarik, die Französin Virginie, der Österreicher Rudi und der Italiener Enzo. Als durch einen bürokratischen Fehler die Studenten-WG als "Familie Sören Hansen" eingestuft wird, gerät das WG- Leben aus den Fugen. Ein pflichtbewusstes und beflissenes Prüforgan soll die Wohn- und Lebensverhältnisse der "Familie" vor Ort überprüfen und das ausgerechnet, während Sören im Urlaub beim Kitesurfen ist. Eine weitere Herausforderung für die zurückgebliebenen Mitglieder der WG: Das Amt erwartet, dass die Familie zwei Kinder hat. Ein Plan muss her, sonst verlieren die Studenten ihre Wohnung – und Tariks bevorstehende Einbürgerung gerät in Gefahr. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden.

Also entschließen sie sich entgegen aller Absurditäten, eine perfekte deutsche Familie zu spielen: Tarik und Virginie als Vater und Mutter, Enzo und Rudi als die beiden Söhne. Doch wie wird man innerhalb von wenigen Tagen zum Vorzeige-Deutschen? Ein Zehn-Punkte-Plan mit den wichtigsten Klischees über Deutsche und ein "Schnellkochkurs für Neo-Germanen" soll Abhilfe schaffen und als Vorbereitung dienen. Schließlich darf die "Familie" bei Prüfer Reize nicht durchfallen.

Doch wie beim Ohnsorg-Theater nicht anders zu erwarten, läuft das Spiel komplett aus dem Ruder, nicht zuletzt dadurch, dass Schröder, der "typisch deutsche" Wohnungsnachbar, immer wieder auftaucht. Und dem passt die lebhafte Multi-Kulti-WG schon lange nicht mehr in den Kram.

Das Stück "Allens Düütsch – oder wat? – Achtung deutsch" wurde von Stefan Vögel geschrieben und hatte bereits 2012 Premiere in der Berliner Komödie am Kurfürstendamm. Sechs Jahre nach der Erscheinung hat es mit der Bearbeitung für das Ohnsorg-Theater allerdings nochmal eine Fortsetzung bekommen. Dominierend ist die plattdeutsche Sprache, die, kombiniert mit weiteren Dialekten und Mundarten, dem Stück eine gewisse Internationalität verleiht. Der Sprachen-Mix sorgt dafür, dass jeder Besucher, ob er dem Plattdeutschen mächtig ist oder nicht, versteht, um was es geht.

Die Frage, was typisch deutsch ist, kann an diesem Abend allerdings nicht geklärt werden. Das liegt wohl in der Natur der Sache, dass kein Deutscher wie der andere ist. Im Ausland wird das Urteil hierzu anhand von Klischees gefällt, der Deutsche selbst hingegen entscheidet aufgrund seines eigenen Erfahrungsschatzes. Dass es "den typisch Deutschen" gar nicht geben kann, zeigt im dem Stück schon die Tatsache, dass der "Vorzeigedeutsche" von einem vermeintlichen Syrer gespielt wird, die Mutter Französin ist und die angeblichen Kinder aus Österreich und Italien stammen – und doch erfüllen gerade sie alle Voraussetzungen für einen typischen Deutschen.

Am Ende der Aufführung steht nur eins fest: Nicht die Nationalität entscheidet, sondern das Zusammenheitsgefühl. Und so wird aus der WG, letztlich im weitesten Sinne eine Familie.

Birgit Stephani Autor: Birgit Stephani, am 15.04.2018 um 16:32 Uhr
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