Ex-FBI-Chef: Trump «moralisch ungeeignet» für Präsidentenamt

«Ich glaube nicht, dass er medizinisch nicht dazu in der Lage ist, Präsident zu sein. Ich denke, er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein», sagt James Comey über Trump. Foto: AP Foto: Uncredited

Washington (dpa) - Der im Mai von Donald Trump entlassene FBI-Chef James Comey hat in einem Fernsehinterview aufs Schärfste mit dem US-Präsidenten abgerechnet. Trump sei «moralisch ungeeignet», Präsident zu sein, sagte der 57-Jährige dem Sender ABC News in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Gespräch.

Seiner Ansicht nach könnte Russland im Besitz von kompromittierendem Material über Trump sein. Er halte es auch für möglich, dass der US-Präsident die Justiz behindert hat. Dafür gebe es «sicherlich einige Hinweise».

Am Montagmorgen (Ortszeit) reagierte Trump einmal mehr aufgebracht und warf Comey auf Twitter vor, aus Verärgerung im Amt viele Verbrechen begangen zu haben - Hintergrund ist die Affäre um Hillary Clintons E-Mails. Bereits nach Bekanntwerden erster Interviewauszüge hatte Trump Comey mit schweren Vorwürfen überzogen.

Comey sagte, wer Frauen wie «Fleischstücke» behandele und auch so über sie spreche, wer ständig lüge und dennoch darauf bestehe, dass das amerikanische Volk ihm glaube, sei aus moralischen Gründen nicht tragbar als Präsident. «Wahrheit, Rechtsstaatlichkeit und Integrität» sollten vor allen politischen Auseinandersetzungen stehen, wie etwa der Debatte um strengere Waffengesetze.

Der Ex-FBI Chef sagte weiter, es sei möglich und gebe sicherlich auch Hinweise darauf, dass Trump die Justiz behindert habe. Comey verwies aber darauf, dass er in dem Fall weder Ermittler noch Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.

In der Interviewpassage ging es um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem damaligen FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem hatte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch geäußert, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung. Trump bestreitet das.

In dem Interview sprach Comey auch über ein Dossier zu Trumps mutmaßlichen Verbindungen zu Russland. Er habe von Anfang an die Quelle des Geheimpapiers, den ehemaligen Geheimagenten Christopher Steele, für glaubwürdig gehalten.

Das Dossier enthält brisante Details über einen angeblichen Vorfall mit Trump und Prostituierten in Moskau im Jahr 2013. Comey hatte den US-Präsidenten in einem persönlichen Gespräch über die Möglichkeit informiert, dass Handlanger der russischen Regierung Trump dabei gefilmt haben und die Aufnahme dazu nutzen könnten, um ihn zu erpressen.

Trotz allem hofft Comey nach eigenen Worten nicht, dass Trump seines Amtes enthoben wird, denn dadurch wäre «das amerikanische Volk aus dem Schneider». Vielmehr seien die Amerikaner dazu verpflichtet, wählen zu gehen und im Sinne ihrer Werte zu stimmen.

2013 hatte der damalige Präsident Barack Obama Comey zum Direktor der Bundespolizei ernannt. Obamas Nachfolger Trump feuerte Comey im Mai 2017 und brachte diesen Schritt später mit den Russland-Ermittlungen des FBI in Zusammenhang.

Das nun geführte Interview war Comeys erstes Mediengespräch vor der Veröffentlichung seines Buches «A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership» (deutscher Titel: «Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an»), das am Dienstag erscheinen soll.

Auszüge aus dem Buch, die in der vergangenen Woche veröffentlicht worden waren, zeichnen ein verheerendes Porträt des Präsidenten als notorischen Lügner und unmoralische Führungsperson. Seit Tagen attackieren sich die beiden öffentlich. Trump hatte Comey zuletzt auf Twitter als «schlechtesten FBI-Direktor der Geschichte» und «Informanten und Lügner» bezeichnet. Er forderte, Comey wegen der Verbreitung geheimer Informationen strafrechtlich zu verfolgen.

Als Folge der Entlassung Comeys war Robert Mueller als Sonderermittler eingesetzt worden. Dieser untersucht seither, ob Russland sich in die Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt hat und ob das Trump-Lager darin verwickelt war.

dpa Autor: dpa, am 16.04.2018 um 16:39 Uhr
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