Cellesche Zeitung bringt Chronik des Zeitungshauses auf den Markt

Friederike Pfingsten und Ernst Andreas Pfingsten freuen sich, dass die Chronik der CZ nun vorliegt. Ihnen schauen die Vorväter Ernst (links) und Georg Pfingsten über die Schultern. Foto: Oliver Knoblich

Die CZ bringt mit dem Buch "200 Jahre Cellesche Zeitung" die Chronik ihres Hauses heraus. Ab Samstag, 28. April, ist dieses "Stück Zeit- und Kulturgeschichte", wie der Untertitel lautet, zum Preis von 29,90 Euro (für Abonnenten 24,90 Euro im CZ-Kundencenter) in den Celler Buchhandlungen Decius und Sternkopf & Hübel sowie im Bomann-Museum und in der Missionsbuchhandlung Hermannsburg erhältlich.

CELLE. Die CZ-Verlegerin Friederike Pfingsten ist stolz, dass ein besonderes Buch fertig ist: „200 Jahre Verlagsgeschichte – das ist für uns der Anlass gewesen, das Großprojekt Chronik anzugehen. Auch vor den schwierigen Kapiteln unserer Historie haben wir nicht Halt gemacht, und ich freue mich, dass zwei profunde Kenner der Materie alles erstmals umfassend aufgeschrieben haben.“ Während Florian Friedrich die Fakten in Archiven recherchierte, hat Volker Franke die Entwicklungen der jeweiligen Epoche kultur- und presse-historisch eingeordnet und vor allem die jüngste Verlagsgeschichte niedergeschrieben. Die beiden Autoren betrachten Verlags- und Verlegergeschichte, gegliedert in 18 Kapitel.

Die Historie der Celleschen ist auch die einer Familie. Sieben Generationen lotsten das Unternehmen durch bewegte Zeiten. CZ-Blattmacher Andreas Babel hat sich mit Florian Friedrich über die CZ-Chronik unterhalten.

Sie kennen eine Menge Chroniken, haben schon selbst einige verfasst. Was meinen Sie: Worin unterscheidet sich die Chronik der CZ von diesen und wer wird sich für die Geschichte unseres Hauses interessieren?

Das Besondere an der Geschichte einer Zeitung, die seit 200 Jahren erscheint, ist die Vielzahl an berührten Themen. Die Sammlung der alten CZ-Ausgaben ist ein einzigartiger Spiegel der Stadt- und Landkreisgeschichte sowie auch überregionaler Zusammenhänge. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen, technischer Fortschritt, Bedeutung der Pressefreiheit und Zwang zur Wirtschaftlichkeit sind nur einige Aspekte, die am Beispiel der „Celleschen“ im Buch betrachtet werden. Lokale Ereignisse sind dabei stets mit den großen Zusammenhängen in Bezug gesetzt. Da sollte für jeden Geschichtsinteressierten etwas Lesenswertes dabei sein. Celler erfahren manche Besonderheit ihrer Stadt.

Auf welche Entdeckungen, die Sie während der Recherche gemacht haben, sind Sie besonders stolz?

Mir war wichtig, die damals handelnden Personen genauer zu betrachten und ihre unterschiedlichen Lebenswege nachzuzeichnen. Die Geschichte um Adolph Schweiger, den liberal gesinnten Sohn des Verlagsgründers und seinen Sohn Ignaz möchte ich hier hervorheben. Die beiden blieben bislang bei Jubiläumsrückblicken unerwähnt. Beide konnten in Celle nicht wirklich Fuß fassen, weil sie der politischen Räson des Blattes nicht folgen wollten. Ignaz Schweiger machte mit den „Celleschen Nachrichten“ der eigenen Familie sogar zeitweise ernsthaft Konkurrenz. Im Buch verdeutlicht der Stammbaum der Verlegerfamilie erstmals diese Verbindungen. Auch die besondere Rolle des ersten Herausgebers, Georg Beneken, findet endlich Würdigung. Ebenso wie einige andere, die für den Erfolg wichtig waren, wie das „Multitalent“ Friedrich Christian Schmalz. Nicht zu vergessen Sophie Lohmann. Die alleinerziehende Mutter von fünf Kindern wohnte an der Blumlage und fing 1907 als Hilfsarbeiterin bei Schweiger & Pick an. In der Zeit des Ersten Weltkriegs sicherte sie mit den anderen Frauen des Betriebs das tägliche Erscheinen der CZ, indem sie Aufgaben der eingezogenen Männer übernahmen.

Niemand hat sich so intensiv mit der Geschichte der CZ beschäftigt wie Sie: Haben Sie Kontinuitäten (neben der Familientradition) festgestellt?

Die beiden Gründer mussten sich gegen die privilegierte Hofbuchdruckerei Schulze durchsetzen. Danach war es der Verlag Schweiger & Pick, der sich immer wieder gegen eine Vielzahl Mitbewerber behaupten musste. Eine Kontinuität in der CZ-Geschichte ist demnach das ständige Kommen und Gehen von Konkurrenten, die dem Celler Traditionsblatt den Rang ablaufen wollten, aber regelmäßig scheiterten.

Sie haben erstmals umfassend die NS-Zeit der CZ aufgearbeitet. Gab es da für Sie Überraschungen?

Eigentlich nicht, weil ich vieles bereits bei meinen Recherchen für die CZ-Weltkriegsserie gelesen hatte und die Art der damaligen propagandistischen Berichterstattung mit teils markigen Überschriften schon kannte. Neu war für mich die enge personelle Verbindung zwischen der CZ-Redaktion und der NSDAP-Kreisleitung in Person von Hans Nolte. Der war nicht nur politischer Schriftleiter der CZ, sondern auch Kreispresseamtsleiter der NSDAP. Überraschend fand ich, dass Nolte nach dem Krieg wieder als Redakteur bei der CZ einstieg und im Hause bei weitem nicht der einzige Journalist mit belasteter Vergangenheit war.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen der CZ des Jahres 1868 und dem heutigen Verlagshaus?

Ganz eindeutig die politische Unabhängigkeit. 1868 übernahm Georg Heinrich Pfingsten die Verantwortung. Er durfte mit seiner Berichterstattung bei den neuen Machthabern, den Preußen, nicht anecken. Bei missfälligen Beiträgen drohte der Verlust der hinterlegten Kaution in Höhe von 3000 Talern sowie Erscheinungsverbot. Zweimal wurde die CZ später tatsächlich auch von der Regierung abgestraft, mit dem vorübergehenden Verlust des Kreisblattstatus. Heute haben die Worte Unabhängigkeit und Pressefreiheit einen anderen Klang und einen größeren Wert als noch im 19. Jahrhundert – zumindest in unserem Teil der Welt. Die Redaktion der CZ ist heute wohl unabhängiger als jemals zuvor in ihrer 200-jährigen Geschichte.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 27.04.2018 um 15:23 Uhr
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