Der Soundtrack zur WM: Fußball-Hits damals und heute

Will Smith, Era Istrefi und Nicky Jam hat das Fußball-Fieber gepackt. Foto: Sony Music Foto: Sony Music

Berlin (dpa) - Inzwischen gehören sie zur Fußball-Weltmeisterschaft wie Panini-Bilder und Maskottchen: die WM-Songs. Viele geraten direkt in Vergessenheit. Manche haben das Potenzial zum Turnier-Hit. Und einige werden noch später am Ballermann oder auf dem Oktoberfest gegrölt.

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Zur letzten WM in Brasilien lieferten beispielsweise Mr. Santos, Stefan Raab sowie Pitbull und Jennifer Lopez potenzielle Hits ab. Für den Soundtrack der WM - und des gesamten Sommers 2014 - sorgte aber ein Lied, das gar nicht als Fußball-Song angedacht war: «Auf uns» von Andreas Bourani.

Auch dieses Jahr gibt es diverse Anwärter auf den Turnier-Hit. Die offizielle FIFA-Hymne kommt von Hollywoodstar Will Smith. Gemeinsam mit US-Musiker Nicky Jam und der kosovarischen Sängerin Era Istrefi hat der Rapper die Nummer «Live It Up» eingespielt. Hm, weder die USA noch der Kosovo sind für das Turnier qualifiziert. Ein Bezug zum Austragungsort Russland? Fehlanzeige. Und Sie haben Smith bislang nicht mit Fußball in Verbindung gebracht? All das scheint keine Rolle zu spielen. Ansonsten ist «Live It Up» ein überproduziertes Stück mit viel «Oh-oh, oh-oh-oh-oh», das international funktionieren soll.

Als Hit für den hiesigen WM-Sommer könnte wohl eher Jason Derulos Multi-Nationen-Hymne «Colors» taugen. Oder auch «Zusammen» von den Fantastischen Vier und Sänger Clueso. Das Stück beschwört die Freundschaft und kommt mit einem eingängigen Sound daher. Witzig ist das Video, in dem die vier Stuttgarter zur Rettung der Karriere gezwungenermaßen mit Clueso «Die Fantastischen Fünf» gründen.

Die ARD hat «Zusammen» bereits zu ihrem offiziellen Turnier-Lied gekürt, das die WM-Übertragungen begleiten wird. Das ZDF setzt dagegen auf «The Bravest» von Sir Rosevelt.

Bei «The Voice of Germany» ist Tobi Vorwerk 2015 im Halbfinale ausgeschieden, jetzt drückt er Jogis Jungs mit seinem Song «Ein fünfter Stern» die Daumen für ein siegreiches Finale. Die rockige Mitsing-Nummer («Elf Freunde, vier Sterne, ein Ziel») lässt die WM-Historie der Nationalmannschaft Revue passieren und appelliert gleichzeitig an das Gemeinschaftsgefühl. Beim Video erhielt der Sänger mit der Reibeisenstimme prominente Unterstützung durch Samuel Koch, Sarah Elena Timpe und den Fußball-Freestyler David Rau.

Mit Kitsch und Pathos kommt der Song «Flutlicht» von Adel Tawil daher. «Wenn ihr da rausgeht, Wenn der Puls steigt, Wenn wir bereit sind, Spür'n wir das Feuer, das uns mit euch verbindet», heißt es darin.

Was nicht verwundert: Den umstrittenen Austragungsort Russland macht in diesem Jahr kaum ein Künstler zum Thema. Eine Ausnahme ist Schlager-Urgestein Ralph Siegel (72): Der Songwriter ist sich nicht zu schade, seinen Gassenhauer «Moskau» von Dschingis Khan wieder aufleben zu lassen - und das in gleich vier Sprachen. «Russland ist ein schönes Land, wir spielen alle an die Wand», singt Popstar Jay Khan in der deutschen Neuauflage. Und: «Deutschland hey, Deutschland ho, Jogi go!», lautet die Botschaft an die Nationalmannschaft.

Apropos Nationalmannschaft. Das waren noch Zeiten, als die Spieler selbst zum Mikrofon griffen - erstmals übrigens 1974. «Fußball ist unser Leben» hieß das schmissige Lied, passend zum Heim-WM-Sieg. Vier Jahre später trällerten die Fußballer mit Udo Jürgens «Buenos dias Argentina» - eine Schlagerschnulze, die angesichts der blutigen Militärdiktatur in Argentinien etwas grotesk und makaber anmutet.

1982 hieß der Vorsänger von «Olé España» dann Michael Schanze. Und 1986 schmetterte die Mannschaft mit Peter Alexander «Mexico, mi amor». Toni Schumacher trompetete, Pierre Littbarski und Lothar Matthäus guckten gelangweilt unter den Sombreros hervor.

Vier Jahre später zur WM in Italien durfte erneut Udo Jürgens mit «Wir sind schon auf dem Brenner» ran. Die wahre Turnier-Hymne lieferten aber Gianna Nannini und Edoardo Bennato mit «Un' Estate Italiana», ein bis heute gerne gespielter Klassiker beim Italiener an der Ecke. Sofort sind wieder die Bilder zum WM-Sieg im Kopf: Der Elfmeter von Andi Brehme, Matthäus, der den Pokal in den römischen Abendhimmel streckt, oder ein einsam über den Platz streifender Franz Beckenbauer.

1994 betrat der damals doch recht konservative DFB dann musikalisches Neuland. Passend zu den USA sangen die Village People auf Englisch «Far Away in America». Umringt von der Schwulen-Band aus der Disco-Zeit der 70er, in Indianer- und Polizisten-Kostüm, sahen beispielsweise Mario Basler und Berti Vogts etwas deplatziert aus.

Danach hatte es sich ausmusiziert für die Nationalmannschaft. Die musikalische Begleitung wurde fortan ausschließlich jenen überlassen, die sich damit auskennen - mal mehr und mal weniger. Für die WM 1998 in Frankreich sang Latino-Popsänger Ricky Martin sein «La Copa de la Vida». 2002 in Japan und Südkorea durfte dann Anastacia («Boom») ran.

Für Deutschlands «Sommermärchen» 2006 hatte die FIFA eigentlich «The Time of Our Lives» vom Klassik-Pop-Quartett Il Divo ausgesucht. Kaum jemand dürfte sich jedoch daran erinnern. Viele Menschen haben eher die ebenfalls von der FIFA in Auftrag gegebene WM-Hymne «Zeit, dass sich was dreht» von Herbert Grönemeyer im Ohr. Das Nationalteam dagegen setzte vor jedem Spiel auf «Dieser Weg» von Xavier Naidoo.

Der ganz große Coup gelang jedoch den Sportfreunden Stiller: Die drei Münchner lieferten den Mitgröl-Renner «'54, '74, '90, 2006». Vier Jahre später zur WM in Südafrika gelang noch mal die Neuauflage «'54, '74, '90, 2010». Allerdings dauerte es noch weitere vier Jahre, bis Deutschland 2014 in Brasilien dann tatsächlich Weltmeister wurde.

Jenny Tobien, dpa Autor: Jenny Tobien, dpa, am 07.06.2018 um 08:38 Uhr
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