Sommerloch bei Blutreserven: DRK blutet langsam aus

Wie lange dauert es, Menschenleben zu retten? Etwa fünf Minuten. In dieser Zeit kann dem Körper ein Teil Blut entnommen werden, auf das der eigene Organismus eine kurze Dauer gut verzichten kann. Schon mit einer Spende kann gleich mehreren Menschen geholfen werden.

CELLE. Der 81-jährige Australier James Harrison – mit einer seltenen Blutgruppe – konnte nach Berechnungen des Roten Kreuzes mit seinen 1173 Spenden mehr als zwei Millionen Müttern helfen. Dank ihm brachten sie ihre Babys sicher auf die Welt und Fehlgeburten konnten verhindert werden. Auch Krebspatienten, Herzkranke oder Unfallopfer, die eine Menge Blut verloren haben, sind auf den kostbaren Lebenssaft angewiesen. Doch ähnlich wie bei den Organspendern ist auch das Aufkommen der Blutspender in Niedersachsen rückläufig.

Aktueller Engpass
wegen Hitzewelle

Gerade in den warmen Monaten kommt es in der Blutversorgung immer wieder zu Engpässen, das DRK stößt bisweilen fast an seine Grenzen. „Aktuell laufen wir auf eine Engpasssituation zu. Durch die Grippewelle und die sehr warmen Tage im Mai ist das Spendeaufkommen dramatisch zurückgegangen“, warnt Markus Baulke, Hauptabteilungsleiter der Blutspenderwerbung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Niedersachsen zum heutigen Weltblutspendetag. Allein im Mai fehlten 6000 Blutspender – der eigentliche Bedarf liegt bei 57.000 Spendern – um ausreichend versorgen zu können.

Dabei konnte das DRK eigentlich im vergangenen Jahr einen leichten Zuwachs in Niedersachsen verzeichnen. Von etwa 494.600 Spendern im Jahr 2016 war deren Zahl 2017 auf rund 523.700 gestiegen. Auch im Landkreis Celle ließen sich an die 1300 mehr Menschen Blut abzapfen. „Allerdings lag das an der erhöhten Terminanzahl. Die Zahl der Spender pro Termin hat sich leider von 83 auf 80 reduziert“, erklärt Baulke.

Dem Abwärtstrend
entgegen wirken

Besonders prekär: Auch die Vorräte sind mittlerweile aufgebraucht und können in nächster Zeit nicht wieder aufgefüllt werden. „Bei einigen Blutgruppen haben wir lediglich einen Vorrat für zwei Tage“, so Baulke. Ein Großteil der neuen Spenden muss aufgrund der Engpasssituation sofort verwendet werden, anstatt gelagert zu werden. „Erschwerend kommt hinzu, dass Blutkonserven nur bedingt lagerfähig sind und wegen ihrer begrenzten Haltbarkeit nicht auf Vorrat hergestellt werden können“, sagt Baulke. Die Thrombozytenpräparate (Blutplättchen) haben eine Lagerfähigkeit von lediglich vier Tagen. Erythrozytenpräparate halten nur maximal 49 Tage.

Doch warum nimmt die Zahl der Spender überhaupt ab? „Der Rückgang liegt im Wesentlichen an der demografischen Entwicklung“, erklärt Baulke. Während gerade die älteren Generationen insbesondere im ländlichen Raum die Blutspende als regelmäßige Aktivität wahrgenommen hätten, sei es bei der jungen Generation nicht fest in deren Wahrnehmung verankert. Durch eine zunehmende Bevölkerungsverlagerung der jungen Generation in den städtischen Bereich würden so die Blutspendetermine mit anderen städtischen Aktivitäten konkurrieren. „Der Aufwand, die jüngeren Generationen zum Blutspenden zu aktivieren, ist daher um ein Vielfaches höher“, sagt Baulke.

Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, verlagert das DRK sein Terminangebot zunehmend in den städtischen Bereich und passt die Zeiten an die jeweilige Region an. So finden aktuell immer mehr Termine in der Früh oder am Wochenende statt. „Um die Wahrnehmung der Angebote zu erhöhen, nutzen wir verstärkt die sozialen Medien und Onlinekanäle für die Terminbewerbung“, so Baulke.

Sollte das DRK nicht schaffen, wieder mehr Menschen zum Blutspenden zu animieren, wären die Folgen gravierend. „Nicht nur der Bedarf an Blutkonserven wird in den kommenden Jahren wieder steigen“, ist sich Baulke sicher. Im Fall einer Unterversorgung der Kliniken und medizinischen Versorgungszentren mit Blutkonserven kann es zur Beeinträchtigung der Patientenversorgung kommen. Insbesondere die Deutschen im Alter ab 40 seien wegen des Bevölkerungsrückgangs betroffen, die Engpasssituationen könnten sich in dieser Generation verschärfen. „Auch notwendige Therapien oder Operationen müssten verschoben oder gar abgesagt werden.“

Audrey-Lynn Struck Autor: Audrey-Lynn Struck, am 13.06.2018 um 19:33 Uhr
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Info-Box

Wann darf ich Blut spenden?

18 Jahre  72 Jahre nicht älter als 65 Jahre über 50 Kilogramm offizielles Ausweisdokument mit Lichtbild in Deutschland ausreichende Deutschkenntnisse,
um den Spenderbogen eigenständig auszufüllen
und das Arztgespräch vor der Blutspende
durchzuführen nicht kürzlich aus Ländern nach Deutschland eingereist, in denen gefährliche Infektionskrankheiten wie Malaria, Hepatitis-B, West-Nil-Virus oder ähnliche Erkrankungen kursieren. Der Arzt wird im Gespräch danach fragen. Männer bis zu sechs Mal, Frauen bis zu viermal jährlich  acht Wochen  von 15 bis 20 Uhr in der CD-Kaserne 
von 14 bis 18 Uhr bei Saturn
von 17 bis 20 Uhr im Fortbildungszentrum des AKH Celle
von 16 bis 19 Uhr in der Neuapostolischen Kirche in Celle Weitere Termine für den Landkreis Celle sind im Internet unter zu finden.

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