USA, Kanada und Mexiko erhalten Zuschlag für WM 2026

Die Trio-Bewerbung von USA, Mexiko und Kanada hat sich als Ausrichter für die WM 2026 durchgesetzt. Foto: Pavel Golovkin/Ap Foto: Pavel Golovkin

Moskau (dpa) - US-Präsident Donald Trump jubelte über den WM-Zuschlag an das Amerika-Trio, Kremlchef Wladimir Putin genoss seinen ersten großen Auftritt vor dem Weltturnier in Russland. Und Fußball-Boss Gianni Infantino nutzte die Bühne für eine Wahlkampf-Ansage.

Bei der Wahl der USA, Mexikos und Kanadas als gemeinsame Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 im XXL-Format wurde der FIFA-Kongress auch zur Bühne für die ganz große Politik. «Gratulation - ein großes Ergebnis harter Arbeit!» schrieb Trump auf Twitter.

Mit dem Versprechen milliardenschwerer Einnahmen entschied der amerikanische Dreierbund das Rennen um die erste WM mit 48 Teilnehmern gegen Außenseiter Marokko mit deren Botschafter Lothar Matthäus für sich. «Wir haben ohne jeden Zweifel eine sehr starke und solide Organisation gefunden», gratulierte FIFA-Präsident Infantino - und kündigte seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit an.

Nach dem hart geführten Ringen um die Gunst der 203 wahlberechtigten Mitglieder der FIFA, in das sich Trump kräftig eingemischt hatte, votierten 134 Verbände für den Dreierbund aus Amerika. Auch der Deutsche Fußball-Bund stand aufseiten der Sieger, hatte aber deutliche Kritik am US-Präsidenten für dessen Drohungen gegen Länder, die für Marokko stimmen, geübt.

Durch das Votum sieht sich der DFB in seiner Bewerbung für die EM 2024 bestätigt. «Das Votum für die Gemeinschaftsbewerbung USA, Kanada und Mexiko kann man als Zeichen werten, dass die große Mehrheit der Verbände auf Nachhaltigkeit großen Wert legt», sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei «auch Ermutigung für uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Auf Marokko entfielen lediglich 65 Stimmen. Das Königsreich scheiterte damit bereits zum fünften Mal mit einer WM-Bewerbung, vorerst bleibt Südafrika 2010 der einzige afrikanische WM-Ausrichter.

Erstmals seit 1994 steigt ein Weltturnier wieder in den USA, Mexiko ist nach 1970 und 1986 bereits das dritte Mal Gastgeber eines Weltturniers. Für Kanada ist das Turnier eine Premiere im Männer-Fußball. «Das ist ein emotionaler Moment für uns und eine unendliche Ehre», sagte US-Verbandspräsident Carlos Cordeiro. «Der Fußball überwindet alle Grenzen.»

Bei seiner Last-Minute-Präsentation setzte das Trio stark auf den Faktor Einwanderung und Weltoffenheit, der in Ghana geborene und aus Liberia geflohene Nationalspieler Alphonso Davies sprach emotional vor den Delegierten. Doch Cordeiro schwärmte auch vom «größten Sponsorenmarkt der Welt» und kündigte an: «Wir wollen die hervorragendste WM der Geschichte ausrichten.»

Dieses Prädikat proklamiert auch Staatspräsident Putin für die WM in Russland. Bei seinem Auftritt beim Kongress versprach der Kremlchef allen Fans eine «tolle, unvergessliche» WM. Dabei betrieb Putin unverhohlen auch Wahlwerbung für Infantino. Dieser habe die Organisation durch schwierige Zeiten geleitet. «Er blieb ruhig, er ist ein echter Kämpfer.»

Und in diesem Stile inszenierte sich auch der FIFA-Boss als großer Heilsbringer. «Bei meinem Amtsantritt war die FIFA eine Organisation, die klinisch tot war», sagte der 48-Jährige. «Heute zwei Jahre und vier Monate später lebt die FIFA, sie ist kerngesund, voller Leidenschaft, mit vielen Visionen für die Zukunft.» In seinem Schlussstatement verkündete er dann, dass er sich beim nächsten FIFA-Kongress am 5. Juni 2019 in Paris zur Wahl stellen wird.

Nach den neuen FIFA-Statuten kann Infantino noch zweimal für vier Jahre wiedergewählt werden. In seiner bisherigen Amtszeit stellte der Schweizer die Reform des skandalerschütterten Weltverbands in den Fokus. Und auch die Finanzen wertete er zu seinen Gunsten. Die FIFA machte im Jahr 2017 mit 189 Millionen Dollar weniger Verlust als erwartet. Da die WM die Haupteinnahmequelle des Weltverbandes ist, rechnet die FIFA in ihrem Finanzausblick mit einem Anstieg der Reserven in diesem Jahr auf 1,653 Milliarden Dollar. «Die finanzielle Zukunft sieht noch rosiger aus», sagte Infantino.

Kritiker werfen ihm allerdings vor, Grundsätze des Prozesses zur Demokratisierung zu missachten. So wurde unter anderem auf sein Betreiben die Spitze der Ethikkommission neu besetzt.

Nach den Skandalen um die Vergabe der WM 2018 an Russland und 2022 an Katar war auch der Wahlprozess für den Gastgeber 2026 geändert worden. Nicht mehr die FIFA-Exekutive, sondern die Versammlung aller Mitgliedsverbände stimmte ab. Das Amerika-Trio konnte bei den Delegierten vor allem mit finanziellen Versprechungen punkten. Demnach wird mit Einnahmen von 14,3 Milliarden US-Dollar gerechnet, fast doppelt so viel wie bei Marokko.

Zudem sind für die WM, die erstmals in drei Ländern stattfinden wird, bereits alle Stadion vorhanden. In dem nordafrikanischen Königreich hätten neun Arena komplett neu errichtet werden müssen. Deshalb hatte Marokko in einem FIFA-Prüfbericht die deutlich schlechteren Noten erhalten.

Bei der WM in acht Jahren stehen durch die erhöhte Teilnehmerzahl nun 80 statt derzeit 64 Spiele an. Die 48 Teams werden in 16 Vorrundengruppen eingeteilt, insgesamt 32 Mannschaften erreichen die erste K.o.-Runde. 60 Partien werden in den USA und jeweils zehn in Mexiko und Kanada stattfinden. Am Eröffnungstag steigen Spiele in allen drei Ländern. Das Finale soll in Dallas, Los Angeles oder New York/New Jersey stattfinden.

Florian Lütticke und Arne Richter, dpa Autor: Florian Lütticke und Arne Richter, dpa, am 13.06.2018 um 22:54 Uhr
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