„Wilhelm*ina“ – ein Dokumentar-Theaterstück auf dem Celler OHE-Gelände

Das Theater „Das Letzte Kleinod“ führte auf dem Gelände der OHE in der Celler Biermannstraße das Stück „WILHELM*INA“ auf.Alle Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Foto: Oliver Knoblich

Schon der Ansatz, in einem Zug ein Theaterstück zu spielen, in dem tatsächlich ein Reisezug eine inhaltliche Bedeutung hat und dann mit diesem Zug durch die Lande zu fahren, ist so originell, dass sie ungläubiges Staunen auslöst. Aber das Theater „Das letzte Kleinod“ praktiziert genau das sechs Wochen lang in acht Städten.

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celle. Jeweils 60 Theaterfreunde konnten in drei Aufführungen erleben, wie der 1918 in die Niederlande geflüchtete Kaiser Wilhelm II dort gelebt hat und welche Eigenarten er hatte. Kein Frage: Dieses Dokumentartheater geriet zu einer sehr einfallsreichen, interessanten und lehrreichen Sache, die zugleich bestens unterhaltend war. In einer solchen Umsetzung lebt sogar Dokumentartheater, das ja leider zumeist daran krankt, dass es zu viel Inhalt mit zu wenig Geist und Spaß verbindet.

Man spielte vor den Bahnwaggons und in diesen selbst. Zu diesem Zweck wurde das Publikum in Gruppen aufgeteilt, die nach anfänglichen Szenen im Freien, Detailszenen im Zug erlebte. Man konnte erleben, was sich Wilhelm II alles in 59 Waggons als Basis seines Exillebens hat kommen lassen. Man erlebte wie er sich beim Essen daneben benahm, welch seltsame Marotten er hatte und, dass er durchaus in seiner Art sehr nahe am Rande dessen war, was man heute als psychisch behandlungsbedürftig ansehen dürfte.

Und man konnte erahnen, warum es passieren konnte, dass das Deutsche Reich in einer heute kaum nachvollziehbaren Begeisterung in den ersten Weltkrieg hineingeschlittert ist. Dass man Parallelen in dieser Aufführung erkennen kann zwischen dem vermeintlichen psychischen Zustand Wilhelms II und dem des amerikanischen Präsidenten Trump, das vermittelte sich von selbst. Die Konkretisierung in einer Szene geriet allerdings zu oberflächlich und platt. Dass Wilhelm II in maßloser Selbstüberschätzung einen wesentlichen Teil zum Entstehen dieses Krieges beigetragen hat, das kam kaum herüber.

Von besonderer Bedeutung für die Aufführung waren die musikalischen Nummern, die auffallend gut gemacht wirkten. Da spielte eine Schauspielerin einmal nichts weniger als das c-moll-Präludium samt Fuge von Bach oder man sang den Beginn der Bach-Motette „Jesu meine Freude“ und kommentierte damit eine Szene. An diesem Abend wurde vermeintlich trockenes Dokumentartheater zu einem Reigen schöner Theaterideen, die leider allerdings nicht immer zündeten. Aber als Ganzes bot diese Aufführung jeder Menge Spiel-, Seh- und Hörlust und auch großen Erkenntnisgewinn. Regisseur Jens-Erwin Siemssen hat mit seinen fünf Schauspielern Überzeugendes geleistet. Allen voran der Darsteller Wilhelms II, Richard Gonlag, aber auch das gesamte Ensemble samt der technischen und organisatorischen Mannschaft, haben diesen Abend für das Publikum zu einem Erlebnis der besonderen Art gemacht auch wenn manche Szene schauspielerisch zu überzogen und platt wirkte. Man applaudiert sehr kräftig. Diese Truppe sollte unbedingt wiederkommen.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 06.07.2018 um 15:47 Uhr
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