Ronaldo-Wechsel: Italien auf Wolke CR-sieben

Der Wechsel des Weltfußballers Ronaldo zu Juventus Turin weckt auch Unmut. Foto: Manuel Blondeau/Aop.Press/Zuma Press Foto: Manuel Blondeau/Aop.Press

Turin/Madrid (dpa) - Die Fußball-Sensation des Jahres war erst seit ein paar Minuten in der Welt, da warb Juventus Turin bereits stolz mit dem neuesten Fan-Artikel: dem Juve-Trikot von Cristiano Ronaldo, jetzt in «bianconero» (schwarz-weiß) - natürlich mit der Nummer 7 auf dem Rücken.

Auch in Neapels Krippenbauer-Distrikt hat der Weltfußballer als Weihnachtsfigürchen schon Einzug gehalten, in klassischer Pose, mit perfekt gestylten Haaren und dem Juve-Shirt. Italien hat sich gut auf die finanziellen Vorzüge der Marke Ronaldo vorbereitet.

Die Fußballfans in «Bella Italia» schweben sprichwörtlich auf Wolke sieben. Wolke CR7. «Unglaublich, aber wahr: Er kommt!», schwärmte das rosa Massenblatt «Gazzetta dello Sport» am Mittwoch euphorisch. Andere überschlugen sich mit Superlativen, sprachen vom «Geschäft des Jahrhunderts», von einem «Traum», einem «Meisterstück», der «Ankunft eines Außerirdischen» gar.

Gleichzeitig geistert bei aller Freude die Frage durch die Fußballwelt, wie der Verein den Transfer finanzieren will. Nach Medienberechnungen werden Juve und der Clubeigner, Fiat-Chef Andrea Agnelli, für das gesamte Ronaldo-«Paket» zwischen 340 und 400 Millionen Euro hinblättern müssen: Allein die Ablöse kostet 112 Millionen. Hinzu kommen das Netto-Salär in den nächsten vier Spielzeiten in Höhe von 120 Millionen Euro sowie Steuern und Abgaben.

So verdichten sich die Gerüchte über einen möglichen Verkauf anderer Juve-Stars. Der FC Liverpool von Trainer Jürgen Klopp wolle zum Beispiel 90 Millionen Euro für den Juve-Argentinier Paulo Dybala anbieten, schrieb die Fachzeitung «Tuttosport». Auch der argentinische Nationalspieler Gonzalo Higuaín soll auch auf der Verkaufsliste stehen.

Derweil nahmen die Madrider Medien Abschied vom großen Star. «Es wird nie wieder so einen geben. Cristiano, die Legende mit den 451 Toren, geht weg. Das Ende einer Ära», titelte die Sportzeitung «Marca». Wirklich getrauert wurde in der spanischen Hauptstadt aber nicht, sondern nach der französischen Heroldsformel «Der König ist tot, es lebe der König!» in die Zukunft geblickt: Wer nach Ronaldo der neue King im Bernabéu-Stadion sein wird, war aber noch völlig offen.

Clubboss Florentino Pérez hat nach Medienberichten zwei haushohe Favoriten im Blick: Der milliardenschwere Baulöwe wolle den Brasilianer Neymar (26) oder den französischen WM-Finalisten Kylian Mbappé (19) zum Champions-League-Seriensieger holen, heißt es unisono. Doch dass der französische Meister Paris Saint-Germain einen der beiden Stars ziehen lassen wird, darf bezweifelt werden. Schließlich wollen die katarischen Clubbosse mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel endlich die heißersehnte Champions League gewinnen.

Auf die blickt jetzt auch die «Alte Dame» Juve. Künftig werde der italienische Serie-A-Meister im internationalen Geschäft wieder blendend dastehen, hieß es allerorts. Der Traditionsclub springe mit einem Satz «auf eine Stufe mit den anderen Großen in Europa», meinte «Il Giornale». Auch Coach Massimiliano Allegri glaubt, dank des Torjägers rücke die Möglichkeit, den Königsklassen-Pokal erstmals seit 1996 wieder in den Piemont zu holen, ein ganzes Stück näher. Ausgerechnet gegen Real war Juve noch im April im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden.

In Madrid suchen die Bosse derweil nach «Alternativkandidaten», sollten Neymar und Mbappé für einen Transfer ausscheiden. Hinter den Kulissen sollen schon Kontakte zum Belgier Eden Hazard und zum englischen WM-Goalgetter Harry Kane aufgenommen worden sein. Chelsea-Profi Hazard, einer der WM-Stars, sei «verrückt danach, nach Madrid umzuziehen» und würde «nur 100 Millionen» kosten, versichert die Zeitung «El Mundo». Deutlich billiger als Neymar also, dessen Verpflichtung wohl eine Investition von mindestens 300 Millionen Euro erfordern würde.

«Florentino muss nun das Scheckheft rausholen», stellte das Fachblatt «Sport» fest. Zum Abschied von Ronaldo gab es von beiden Seiten zwar nette Worte. Diese kämen aber nicht wirklich von Herzen, sondern seien von Anwälten ausgehandelt worden, versichern spanische Medien. Ronaldo lag seit Jahren im Clinch mit Clubboss Pérez, weil er sich bei einem Jahres-Nettogehalt von zuletzt 23 Millionen Euro unterbezahlt fühlte. Der 33 Jahre alte Stürmer verlasse Real «durch die Hintertür», stimmen Kommentatoren überein. Auch gab es keine Unmutsbekundungen der Fans. «Die Madridistas lieben Modric, aber nicht Cristiano», schrieb «Marca»-Kolumnist García-Ochoa.

Carola Frentzen und Emilio Rappold, dpa Autor: Carola Frentzen und Emilio Rappold, dpa, am 11.07.2018 um 20:48 Uhr
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