Wie Deschamps Frankreich geformt hat

Frankreichs Chefcoach Didier Deschamps feiert mit seinem Trainerteam den Einzug ins WM-Finale. Foto: Liu Dawei/xinhua Foto: Liu Dawei

Istra (dpa) - Didier Deschamps hat das, wonach sich seine Spieler mehr als nach allem anderem sehnen. «Der Trainer hat schon einen Stern», sagt Paul Pogba im WM-Camp der französischen Fußball-Nationalmannschaft.

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Der Stern, das ist der WM-Titel, den Deschamps vor 20 Jahren gewann. Als Kapitän der Équipe tricolore. Deschamps nahm die Trophäe am 12. Juli 1998 im Stade de France als Erster entgegen. «Er war ein großer Spieler, ein Anführer», betont Pogba. 20 Jahre und drei Tage später kann sich Deschamps am Sonntag auch zum Weltmeister-Trainer küren und damit zu Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mario Zagallo aufschließen.

Der 49 Jahre alte ehemalige Profi zählt zur bisher erfolgreichsten Fußball-Generation der Grande Nation, zwei Jahre nach der WM- gewann er auch noch den EM-Titel. Und auch als Trainer hat er schon jetzt einiges mehr erreicht als jeder seiner Vorgänger. Deschamps ist der Rekordcoach, das 83. Spiel am Sonntag im Moskauer Luschniki-Stadion gegen Dalics Kroaten wird sein wichtigstes.

Zwei Endspiele in zwei Jahren - keinem Frankreich-Trainer vor ihm gelang das. Und doch bliebe es nur ein statistischer Vermerk, wenn auch dieses Finale wie bei der Heim-Europameisterschaft 2016 gegen Portugal mit einer Niederlage endet. «Ich habe Fußball nie des Spiels wegen gespielt. Immer des Gewinnens wegen», lautet ein Credo des gebürtigen Basken. Schönspielen ist nicht das oberste Gebot.

Deschamps, der Pragmatiker. Keiner, der Sperenzien macht, keiner der Sperenzien seiner Spieler gern sieht. Über allem stehen die Gruppe und deren Erfolg. «Wir haben einen Leitgedanken, jeder in der Gruppe weiß, was er zu tun hat», sagte Innenverteidiger Raphaël Varane.

Seit 2012 ist Deschamps im Amt. Er übernahm die Mannschaft von seinem WM- und EM-Kompagnon Laurent Blanc. Der hatte nur zwei Jahre geschafft, nachdem er wiederum Raymond Domemech auf dem Tiefpunkt der Équipe tricolore mit der skandalösen Spielerrevolte bei der WM 2010 in Südafrika abgelöst hatte.

Unter Deschamps sind Undiszipliniertheiten erst recht unerwünscht. Zuwiderhandlungen sind Deschamps zuwider. Dass der hoch talenierte Ousmane Dembelé sich vor einem Jahr aus Dortmund weg streikte - inakzeptabel. «Das ist ein Benehmen, das sich nicht gehört. Punkt», sagte Deschamps jüngst in einem Interview der «Sport Bild».

Auch im Fall von Karim Benzema blieb der «General» konsequent. Der Stürmer von Real Madrid wurde nach einem Skandal um die Verwicklung in die Erpressungsaffäre gegen denen früheren Auswahlkollegen Mathieu Valbuena schon nicht für die EM daheim nominiert. Auch bei der WM ist der einst als Nachfolger von Zinédine Zidane gehandelte Benzema nicht dabei. Warum? «Ich wusste, dass man mir diese Frage stellen wird: Für mich steht die Gruppe über allem. Ich treffe die Entscheidungen zum besten Wohl der Mannschaft», betonte Deschamps vor dem Start der WM, für die das Halbfinale als Ziel ausgegeben wurde.

Jetzt steht die Mannschaft im Endspiel. Deschamps hat seine Kritiker erstmal ruhig gestellt und die Spekulationen um eine Ablösung im Misserfolgsfall durch den derzeit arbeitslose Zidane vorerst beendet. Sein Vertrag gilt bis zur EM 2020. Verbandschef Noël Le Graët hatte ihm ohnehin eine Jobgarantie ausgetellt.

Die Spieler loben seinen Umgang mit ihnen, es wird viel geredet. Er lässt seinen Profis auch mehr Freiraum als 2016. Damals durfte Exzentriker Pogba nicht auf eine einzige Pressekonferenz. In Russland unterhielt der Spaßvogel der Truppe die Berichterstatter bereits zweimal im WM-Quartier.

Aber nicht nur, wenn Pogba redet, schwingt Respekt mit. Denn wo Deschamps ist, ist meist auch Erfolg. Als Spieler gehörte Deschamps zur Mannschaft von Olympique Marseille, die 1993 die europäische Meisterklasse gewann - bis heute der einzige Erfolg eines französischen Vereins auf der höchsten kontinentalen Vereinsebene.

Mit Juventus Turin gewann Deschamps drei Jahre später erneut die Champions League. Mit dem italienischen Rekordmeister stieg er 2007 in die Serie A nach dem Zwangsabstieg der Turiner auf. «Ein großartiger Trainer», lobte ihn der ehemalige Mitspieler und Weltmeister Gianluigi Buffon jüngst.

Jens Marx, dpa Autor: Jens Marx, dpa, am 12.07.2018 um 14:29 Uhr
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