23 Betriebe in Winsen bieten belästigten Kindern Hilfe an

Die Dritt- und Viertklässler zeigen ihreHerzpunkt-T-Shirts. Foto: cz

Es sei doch logisch, dass Kindern, die sich auf der Straße bedroht oder belästigt fühlten, geholfen werde, findet Kerstin Wennde. Deshalb hat die Geschäftsführerin von Schuh-Sport-Wennde sofort zugestimmt, als sie Detlef von Assel, Chef der Winser Sicherheitsfirma Secure-Check, fragte, ob sie sich an der Aktion Herzpunkt der Grundschule Winsen beteiligen würde: „Wir sind dabei! Man muss auch selber handeln – sei es mit tröstenden Worten, sei es mit einem Pflaster oder mit dem Auffüllen der Wasserflasche.“

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Und: „Natürlich können die Kinder hier reinkommen, wenn sie sich bedroht fühlen“, und Verkäuferin Carola Hellmann ergänzt: „Wir sehen ja, wenn ein Kind kommt und um Hilfe bittet. Ich finde das Projekt gut!“

So begeistert wie Kerstin Wennde und Carola Hellmann stehen in Winsen bisher insgesamt 23 Betriebe hinter der Aktion Herzpunkt. Hinzu kommen noch öffentliche Einrichtungen, wie Rathaus und Kindergärten, so dass über 30 Anlaufstellen, sogenannte Herzpunkte, geschaffen wurden. „Die Bereitschaft mitzumachen, ist sehr groß“, freut sich von Assel über die Haltung der Betriebe und Verwaltungen. „Viele ansässige Geschäftsleute unterstützen uns gerne in unserem Vorhaben, den Kindern mehr Sicherheit zu bieten. Das auffällige Herzpunkt-Logo leuchtet einem in grün und rot aus Schaufenstern entgegen.“

Das Sicherheitstraining „Sicher in jeder Lage“ ist seit vier Jahren fester Teil des Stundenplans der Grundschule Winsen. So könne die Präventionsarbeit der Schule gestärkt werden, sagt Schulleiter Frank Werner. Das Projekt wurde zunächst als Testreihe für die Schüler der dritten und vierten Klassen angeboten. Jetzt ist das Angebot verbindlich für alle Dritt- und Viertklässler. Gerade haben 240 Kinder ihr Training beendet.

Detlef von Assel ist mit seinem vierköpfigen Team als Kooperationspartner der Schule für die Realisierung verantwortlich: „Wir wollen den Jungen und Mädchen Handlungssicherheit geben. Und das in jeder Lage.“ Jetzt hat von Assel das Sicherheitstraining um die Aktion Herzpunkt erweitert: „Das Herzpunkt-Logo zeigt Kindern an Geschäften und öffentlichen Gebäuden, wo sie sicher Hilfe bekommen.“ Nicht immer seien es Übergriffe durch Erwachsene, die Gefahr für ein Kind bedeuten. Verlorene Fahrradschlüssel, ein Sturz, ein verletztes Knie oder eine schiefgelaufene Verabredung mit Freunden sind Situationen, die Kinder verängstigen können. „Durch die Herzpunkt-Anlaufstellen kann schnell geholfen werden – sei es der Anruf bei Mama oder ein Pflaster“, sagt von Assel. „Jedes Grundschulkind kennt nun das Herzpunkt Symbol und weiß was es bedeutet: Hier bekommt ihr Hilfe!“ Es geht um Alltagssituationen. Es geht darum, dass hier geholfen wird. „Hier darf ich guten Gewissens hingehen und um Hilfe bitten“, beschreibt von Assel den Ansatz.

Dabei sei das Personal in den Einzelhandelsbetrieben im Vorfeld auf die Situationen mit Kindern sensibilisiert und trainiert worden. Von Assel: „Das gehört selbstverständlich immer mit dazu, dass auch das Personal geschult wird. Das ist eine Voraussetzung, um Herzpunkt zu werden.“

Schon bisher war die Grundschule Winsen mit dem Projekt „Sicher in jeder Lage“ landesweit Vorreiterin. Mit dieser Weiterentwicklung gewinnt es noch mehr Profil: „Eigentliche Selbstverständlichkeiten werden so in die Realität zurückgeholt“, sagt Schulleiter Werner und erinnert an Klagen, dass die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung permanent abnimmt.

In seinem Buch „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ stellt der Schriftsteller und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung Axel Hacke fest, dass anständig zu sein bedeutet, Rücksicht auf andere zu nehmen und zwar auch dann, wenn einem gerade nicht unbedingt danach zumute ist. „Sich nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern zu bedenken, dass andere Menschen nicht weniger Rechte im Alltag und im Leben haben als ich. Nicht zu vergessen, dass vieles, was ich tue, Rückwirkungen auf andere hat“, beschreibt Hacke Alltagssituationen. „Und eben dieses Verhalten wird oft immer weniger in unserer Gesellschaft“, beklagt Frank Werner. Deshalb sei es toll, dass die Aktion Herzpunkt in Winsen so positiv aufgenommen werde. „Das ist ein gemeinsames Thema, wir sind so noch mehr füreinander da.“

Greta Seega und Thias Wenzel gehen in die Klasse 3a. Sie berichten von dem Sicherheitstraining, das sie in diesem Schuljahr absolviert haben und sie freuen sich schon auf die Fortsetzung nach den Ferien. „Überall wo in der Tür das Herzpunkt-Plakat hängt, kann ich reingehen“, sagt Greta und Thias weiß, dass ihm in der Sparkasse, bei Wennde und im Eisladen geholfen werden würde. Draußen auf dem Schulhof erläutert Detlef von Assel den beiden noch einmal, worauf es beim Sicherheitstraining ankommen kann.

Randy Bartels, Pressesprecherin des Winser Gewerbevereins, findet es gut, dass von Assel die 150 Mitglieder über die Weiterentwicklung des Projektes informiert hat. Selbstverständlich beteilige sie sich an der Herzpunkt-Aktion. Das Plakat hängt draußen an der Scheibe. „Wir helfen doch nicht nur im Notfall, sondern auch, wenn jemand über den Zebrastreifen gehen möchte und kein Autofahrer anhält. Wir dürfen unseren Ort nicht mit Kindheitstagen von vor 30 Jahren vergleichen: Auch Winsen hat sich weiterentwickelt.“

Auch im Rathaus Winsen fand die Idee sofort Gehör: „Bürgermeister Dirk Oelmann hat sich dafür stark gemacht, dass bald jeder Herzpunkt mit einer kleinen Box mit Pflastern ausgestattet werden soll“, freut sich Detlef von Assel über weitere positiven Reaktionen auf die Initiative. „Wir bedanken uns für die Mithilfe und Umsetzung des Projekts bei der Grundschule, beim Autohaus Speckhahn, Paulara und beim Gewerbeverein Winsen Aller für das Sponsoring der 240 Shirts für die dritten und vierten Klassen des jetzigen Jahrgangs der Grundschule. Und natürlich: Weitere Herzpunkt-Mitmacher und Sponsoren können immer dazu kommen.“

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 12.07.2018 um 16:51 Uhr
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