Kerber vor Wimbledon-Revanche gegen Williams

Angelique Kerber hat sich in Wimbledon ins Finale gespielt. Foto: Nigel French/PA Wire Foto: Nigel French

London (dpa) - Angelique Kerber will sich mit der Wimbledon-Revanche gegen Serena Williams einen Kindheitstraum erfüllen, Julia Görges hat nach ihrem verpassten ersten Grand-Slam-Finale noch lange nicht genug.

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«Ich hätte mich über einen Sieg von Jule gefreut, weil dann auf jeden Fall eine Deutsche gewonnen hätte», sagte Kerber nach dem Aus der 29-jährigen Bad Oldesloerin im Halbfinale.

Die ehemalige Weltranglisten-Erste Kerber trifft am Samstag (15.00 Uhr/MESZ) wie vor zwei Jahren im Endspiel auf die US-Amerikanerin Serena Williams. Mit einem weiteren Meisterstück gegen die 36-Jährige würde Kerber als erste Deutsche seit Steffi Graf 1996 auf den Rasenplätzen in London triumphieren und sich mit ihrem dritten Grand-Slam-Titel in der Historie von Wimbledon verewigen.

«Ich habe Wimbledon immer als kleines Kind verfolgt, mit Boris und Steffi. Es war immer als kleines Kind mein Traum hier mal zu spielen», sagte die glückliche, aber noch nicht zufrieden wirkende deutsche Nummer eins. «Jetzt stehe ich zum zweiten Mal im Finale. Für die Historie ist das bestimmt schön.»

Die 30-jährige Kielerin setzte sich mit einem souveränen 6:3, 6:3 gegen die French-Open-Siegerin von 2017, Jelena Ostapenko, durch und zog damit 22 Jahre nach dem letzten Titel ihres Idols Steffi Graf zweiten Mal nach 2016 ins Endspiel ein. Mit ihrer überzeugenden Konstanz und Geduld spielte die Linkshänderin ihre Erfahrung gegenüber der neun Jahre jüngeren Haudrauf-Spielerin Ostapenko aus. «Hier wieder im Finale zu stehen, bedeutet mir schon sehr viel.»

Ihr Daumen drücken für Görges und für das erste deutsche Damen-Endspiel in Wimbledon seit 1931 half anschließend nicht. Die Bad Oldesloerin wollte nach der verpassten Überraschung gegen die siebenmalige Wimbledonsiegerin Serena Williams und dem 2:6, 4:6 aber nichts von Frust wissen. Motiviert ging sie aus ihrem ersten Grand-Slam-Halbfinale. «Es macht einfach Spaß. Ich bin ein kleiner Tennis-Freak. Ich will so gut werden wie ich kann», sagte die Nummer 13 der Welt, nachdem sie auch das vierte Duell mit Williams verloren hatte. «Das macht Freude auf mehr. Das sind Momente, wofür man spielt. Ich will wieder auf dieser Bühne stehen und es besser machen.» Sie verlasse Wimbledon «glücklich, stolz, motiviert».

Kerber kennt die besonders bedeutenden Momente gegen Serena Williams inzwischen, für die Neuauflage des Finals von 2016 scheint sie gerüstet. Damals hatte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin einen glänzenden Auftritt gezeigt, war aber dennoch der jahrelangen Branchen-Anführerin aus den USA unterlegen gewesen. Wiederholt sie aber ihren Coup von Melbourne 2016, als sie Serena Williams im Endspiel der Australian Open besiegte, würde sie auch eine Bestmarke verteidigen, die sich Graf und Williams noch teilen. Mit ihrem achten Wimbledon-Titel würde Williams Graf abhängen (7). «Es ist ein komplett neues Match», sagte Kerber.

Williams kann am Samstag zudem bei ihrem nur zweiten Grand-Slam-Auftritt als Mutter ihren 24. Grand-Slam-Titel holen und den Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court einstellen. «Ich liebe es, sie spielen zu sehen. Egal was für mich passiert, es ist eine unglaubliche Motivation für mich», sagte Williams über die Rivalität mit der Kielerin. «Es wird wieder ein großes Finale.» Nach ihrem Zweisatzsieg über Görges fasste sie sich mit der Faust aufs Herd, ganz so, als wollte sie demonstrieren, wie sehr sie sich ihre Leidenschaft fürs Tennis auch als Mutter bewahrt hat.

Kerber strahlte nach ihrem Halbfinal-Erfolg gegen Ostapenko, auf der Tribüne umarmten sich Mutter Beata und Manager Aljoscha Thron. Wenn Ostapenko auf den Ball hämmerte und richtig traf, konnte die Linkshänderin wenig ausrichten. Mit ihrem Tempo sorgte die Lettin für Raunen im Publikum, zahlreiche Fehler blieben allerdings nicht aus. Nach 34 Minuten war die Hälfte geschafft. In einem lange einseitigen zweiten Durchgang lag Kerber 5:1, 30:0 vorn. Sie musste ein wenig zittern, dann verwandelte sie ihren zweiten Matchball.

Görges glückte es anschließend nicht, ihr mit einem Erfolg gegen die langjährige Weltranglisten-Erste Serena Williams zu folgen. Neben Kerber, Graf und Sabine Lisicki 2013 schafften es Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel ins Endspiel, die 1931 gegeneinander spielten.

Görges wollte von ihrem ersten Grand-Slam-Halbfinale alles aufsaugen. Williams zeigte gegen sie ihre wohl beste Leistung im bisherigen Turnierverlauf. «Wenn sie so spielt, dann ist sie eine Klasse für sich», sagte die deutsche Damen-Chefin Barbara Rittner. Görges gab alles, doch gegen die kraftvollen Schläge ihrer Gegenspielerin fand sie kein Rezept. «Der Unterschied war, dass sie mit ihrer Erfahrung wusste, wie man das Match gewinnt und ich nicht die Erfahrung hatte», sagte sie.

Kristina Puck, dpa Autor: Kristina Puck, dpa, am 12.07.2018 um 19:13 Uhr
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