Naturfreunde Celle setzen sich für die Umwelt und Frieden ein

Foto: Oliver Knoblich

Die Naturfreunde Celle luden kürzlich zu einem Tag der offenen Tür mit einem bunten Fest in ihr "Haus Waldschmiede" am Rande von Wietzenbruch, wo die Wiesen noch grün sind und die Bäume in den Himmel wachsen. Wir stellen diese Organisation vor.

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Den arbeitenden Menschen den Zugang zur Natur zu erschließen, war das Ziel der Gründergeneration der NaturFreunde-Bewegung. „1895 schlossen sich die ersten Naturfreunde zusammen, um die Natur als Quelle der Erholung zu erkunden und sich anzueignen, gemeinsam zusammenzutreffen, sich fortzubilden und Aktivitäten zu organisieren.“ Diese Worte liest man in der offiziellen Chronik zur Geschichte der Naturfreunde, einem sozial-ökologischen und gesellschaftspolitisch aktiven Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Mehr als 70.000 Mitglieder in über 600 Ortsgruppen engagieren sich
ehrenamtlich für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft, darunter auch die Ortsgruppe Celle.

Biegt man in Wietzenbruch von der Fuhrberger Landstraße in die Straße Flootlock ab und folgt dem Straßenverlauf, dann vermutet man irgendwann, dass am Ende eigentlich nichts mehr kommen kann. Doch dann plötzlich steht es vor einem, das „Haus Waldschmiede“ am Fuchsberg 81. Mitten zwischen Wald und Flur fühlt man sich in einen andere Welt versetzt und ist der Stadt doch eigentlich so nah. Was beim Aussteigen aus dem Auto sofort auffällt, ist die Ruhe. Man befindet sich mitten in der Natur. Die Naturfreunde haben hier ein Kleinod geschaffen und somit gemäß der Vereinsregeln der Naturfreunde den freuen Zugang zur Natur für alle umgesetzt.

Landhotel nennt sich das Haus, welches über 18 Betten, verteilt auf drei Vier-Bett-Zimmer und drei Zwei-Bett-Zimmer, beinhaltet und damit ein Anlaufpunkt für Naturfreunde ist. Ein Aufenthaltsraum, die Möglichkeit zum Kochen und ein Kinderspielplatz gehören ebenfalls zum Haus. Der wichtigste Teil allerdings ist die Natur und die gibt es hier reichlich. 1895 in Wien von österreichischen Sozialisten gegründet, gehören heute etwa 350.000 Mitglieder zur internationalen Naturfreunde-Bewegung. Der Dachverband Naturfreunde Internationale (NFI) hat rund 45 Mitglieds- und Partnerorganisationen. „Was die Naturfreunde von anderen Naturschützern und Natursportlern unterscheidet, ist der Anspruch, politisch zu wirken, um die Verhältnisse zu verändern.“ Das wissen auch die Celler Naturfreunde, an deren Spitze Nadin Bisewski steht.

„In Eigenleistung und genossenschaftlicher Selbsthilfe haben die Naturfreunde Bildungs-, Freizeit- und Erholungshäuser gebaut. Mehr als 400 dieser Naturfreunde-Häuser liegen in Deutschland, rund 700 Naturfreunde-Häuser gibt es weltweit. Mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten und vielfach in Naturschutzgebieten gelegen, sind sie gute Beispiele für gelebten sanften Tourismus in Deutschland. Naturfreundehäuser stehen allen Menschen offen, Mitglieder erhalten Ermäßigungen.“

Kleinod fernab
des Alltagsstresses

Das Naturfreunde-Haus in Wietzenbruch ist vielen unbekannt und doch entdecken immer mehr Gruppen und Vereine die Vorteile des Hauses. Die CD-Kaserne beispielsweise veranstaltete dort jahrelang ihre Ferienbetreuung und Geschäftsführer Kai Thomsen ist noch heute beeindruckt von den Möglichkeiten, die man vor Ort hat. Gerade für die Kinder war es ein Kleinod fernab des Alltagsstresses. Fernab von Straßenverkehr und vor allem Lärm konnten die Kinder hier ungehindert spielen und toben und der Natur ganz nah sein. Hütten bauen, durch das Unterholz rennen, Schnitzen, Lagerfeuer machen – all dieses ist am Naturfreunde-Haus problemlos möglich.

Davon schwärmt auch Karlheinz Mehring, der unzählige Aufenthalte in Naturfreunde-Häusern deutschlandweit verbracht hat. Der heute 76-Jährige erinnert sich noch an 1962, als die Naturfreunde sich an den Ostermärschen der Atomwaffengegner beteiligtem. „Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich war damals wie heute entschlossen, keine Art von Krieg, weder direkt noch indirekt, zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.“

Die Naturfreunde sind ein Verband für Nachhaltigkeit und wollen den folgenden Generationen eine lebenswerte und gestaltbare Welt hinterlassen. Dabei bringen Naturfreunde Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Kultur miteinander in Einklang. Für die Naturfreunde gehören die
soziale Emanzipation und der Schutz der Natur untrennbar zusammen. „Eine gute Zukunft für alle wird es nur geben, wenn das heutige Regime der Kurzfristigkeit beendet wird und das Allgemeinwohl Vorrang vor Individualinteressen bekommt“, findet auch Mehring noch heute.

Die Häuser der Naturfreunde allerdings nutzt er heute nur noch selten. „In meinem Alter zieht man inzwischen die Vollpension in Hotels vor“, lächelt er. „Aber in den 1980er Jahren war ich mit meinen Fahrradfreunden deutschlandweit zu Touren unterwegs und oft haben wir in den Häusern der Naturfreunde übernachtet“, erinnert er sich. Das für ihn wichtigste Ereignis dabei: 1985 lernte er auf einer dieser Touren seine heutige Frau kennen. „Bis nach Bayern sind wir gefahren, um dort mit den Rädern die Natur kennenzulernen. Auf dieser Tour haben wir irgendwo bei Regensburg übernachtet und dort habe ich meine Frau kennengelernt. Wir waren uns sofort sympathisch, auch weil sie genauso wie ich hinter der Idee des sanften Tourismus stand. Wir tauschten Adressen aus, hörten aber erstmal nichts mehr voneinander. Zwei Jahre später trafen wir uns wieder, eher durch Zufall. Ab dem Zeitpunkt verloren wir uns aber nicht mehr aus den Augen und haben 1988 geheiratet“. Noch heute sind beide Mitglied der Naturfreunde und haben ihre Ideale auch an die Kinder und Enkel weitergegeben.

„Auch wenn wir inzwischen älter geworden sind, das hindert uns nicht dran, weiter für die Natur zu kämpfen“, sagt Mehring. Und so nahmen sie 2011 sogar noch an der zentralen Anti-Atom-Demo am 26. März in Berlin, angemeldet durch die Naturfreunde Deutschland, teil. 120.000 Menschen protestieren dort nach Angaben des Veranstalters nach der Atomkatastrophe von Fukushima für eine Abschaltung aller Atomkraftwerke in Deutschland. „Kurz darauf verkündet Kanzlerin Merkel den deutschen Atomausstieg“, betont er sichtlich stolz.

bundesumweltamt
würdigt Naturfreunde

Ein besonderes Jahr war für die Naturfreunde sicherlich 2014. Das Umweltbundesamt würdigte die ehrenamtliche Arbeit der Naturfreunde im Umwelt- und Naturschutz: Die Naturfreunde Deutschlands werden als „Umwelt- und Naturschutzvereinigung“ im Sinne von Paragraf 3 Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz anerkannt. Damit erhält der Bundesverband Gelegenheiten zur Stellungnahme und zur Einsicht in einschlägige Sachverständigengutachten und zudem ein sogenanntes Mitwirkungs- und Klagerecht gegen umweltrechtliche Zulassungsentscheidungen.

Auch 2018 setzen sich die Naturfreunde weiter für ihre Ideale ein. Die Lippe, ein rechter Nebenfluss des Rheins, wurde im März zur zehnten Flusslandschaft des Jahres proklamiert. Die Naturfreunde Deutschlands rufen gemeinsam mit dem Deutschen Angelfischerverband für jeweils zwei Jahre eine „Flusslandschaft des Jahres“ aus. Die „Flusslandschaft des Jahres“ wird durch das Bundesumweltministerium in die Liste der „Natur des Jahres“ aufgenommen. Diese soll auf bedrohte Natur aufmerksam machen und angestrebte Gegenmaßnahmen veranschaulichen, welche stellvertretend auf bestimmte Missstände verweisen.

Birgit Stephani Autor: Birgit Stephani, am 09.08.2018 um 20:25 Uhr
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