Auf dem Neuenhäuser Friedhof beigesetzt: Hugh von Halkett starb vor 150 Jahren (Teil 2)

Auf dem Neuenhäuser Friedhof in Celle liegt General Hugh von Halkett begraben. Vor 150 Jahren, am 26. Juli 1863, starb er in Hannover. Hervorgetan hat er sich insbesondere während der Befreiungskriege gegen Napoleon – so bei der Schlacht an der Göhrde am 16. September 1813. Es folgt die Fortsetzung der Schilderung der Schlacht.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie
.

Beim Zerstreuen und Niedermachen der Franzosen leisten besonders Großes die Italiener, die mit 80 Mann unter der Führung eines Leutnants Bazoldo dem Bataillon Bennigsen angehörten. Außer ihnen auch die hannoverschen Husaren, die hier neue Arbeit finden, von jenem anderen Bataillon ablassen und, verstärkt durch Kosaken, die Fliehenden niederreiten. – Auch dieses Bataillon des Pécheux ist zerstreut. Als sich die Brigade Halkett auf der Höhe sammelt, wo eben noch waffenstarrend das französische Karree gestanden hat, kommt Wallmoden selbst mit den Generalen Lyon und Dörnberg herangaloppiert, und der tapfere Major von Bennigsen empfängt gleich auf dem Schlachtfelde das wohlverdiente Lob für seinen schneidigen Angriff.“5

In seiner Bedeutung
überschätzt

Dieses Treffen an der Göhrde – an der Heerstraße von Lüneburg nach Dannenberg – war im Zuge der Befreiungskriege das einzige große Gefecht auf niedersächsischem Boden. Es wird nicht selten von Lokalpatrioten in seiner Bedeutung überhöht dargestellt. Ein Mitglied der Gesellschaft für Heereskunde rückte vor einem halben Jahrhundert, im Jahre 1963, allerdings die Perspektiven in einem Leserbrief in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“6 zurecht. Er schreibt dort:

„Für den Sieg war nicht der Mut und die Tapferkeit der verbündeten Truppen entscheidend, sondern deren erdrückende Übermacht. Es standen sich gegenüber Verbündete: 12000 Mann Infanterie, 3200 Reiter, 38 Geschütze; Franzosen: 3000 Mann Infanterie, 80 Reiter, sechs Geschütze. Aufgrund des vorzüglich gelungenen Aufmarsches der Verbündeten, der in der Hauptsache das Verdienst des Grafen Wallmoden und seines Stabschefs von Clausewitz (der große Theoretiker des Krieges) war, hätte man eine völlige Vernichtung des schwachen Gegners erwarten können.

Improvisierte und
ungediente Truppen

Dass dies nicht geschah, ist in der Tatsache zu suchen, dass die verbündeten Truppen hauptsächlich aus improvisierten und ungedienten Truppen bestanden und den jungen aktiven französischen Truppen in der militärischen Ausbildung unterlegen waren. Beide Seiten kämpften mit großer Tapferkeit. Ich zitiere hier den Militärhistoriker Friedrich wörtlich: ,Aber was fehlte, war bezüglich der Verbündeten die Schulung im großen Verband, das Eingelebtsein von Offizieren und Mannschaften in den größeren Rahmen, die Fähigkeiten der Offiziere, eine taktische Lage richtig zu erfassen und dementsprechend zu handeln, und die Disziplin, sich dem Allgemeinen unterzuordnen.’ Die gesamte Artillerie des rechten Flügels hatte während des stundenlangen Kampfes nachweislich kaum einen Treffer, ein Zeichen der mangelhaften Ausbildung.

Grosse Verdienste
des Gegners

General Pécheux und seinen Truppen gebührt der Ruhm, die Waffenehre gerettet zu haben und die Hälfte der Truppen zu retten. Das muss zur Ehre unseres ehemaligen Gegners auch heute noch festgehalten werden. Graf Wallmoden selbst stellte in einem Tagesbefehl am 13. Dezember 1813 das Benehmen der französischen Infanterie im Gefecht an der Göhrde den verbündeten Truppen als Muster hin.“6

Ein knappes Vierteljahr später war Halkett mit seiner Brigade in Schleswig-Holstein aktiv, um die mit den Franzosen verbündeten Dänen zu verfolgen. Bei Sehestedt stieß er am 10. Dezember 1813 auf ein dänisches Reiterregiment. Über Halketts tollkühnen Angriff berichtet Rothert2: „Halkett reitet allein dem Standartenträger einer Schwadron entgegen, schlägt ihm mit seinem Türkensäbel das Haupt vom Rumpfe, nimmt die Standarte, wird von der ganzen Schwadron verfolgt, setzt über einen Schlagbaum, der auf einen rings von einem Knick mit Doppelgraben umschlossenen Kamp führt. Die ganze Schwadron ihm nach – die Maus ist in der Falle – und hetzt den kühnen Reiter. Aber mit einem furchtbaren Sprunge seiner englischen Stute setzt Halkett über Knick und Doppelgraben und ist gerettet. Der schwedische Schwertorden aus Wallmodens Hand lohnte seine wiederholt in dieser Zeit bewiesene Tapferkeit.“

Nach Waterloo
50 Friedensjahre

Den größten Ruhm sollte Halkett jedoch für seinen Einsatz in der Schlacht von Waterloo ernten, wo er die 3. hannoversche Brigade im Zentrum der Schlachtordnung kommandierte. Zuvor hatte er diese Brigade, die aus den Landwehrbataillonen Osnabrück, Quakenbrück, Salzgitter und Bremervörde bestand, in Delmenhorst neu organisiert und einexerziert.

Am Nachmittag des 18. Juni 1815 kam es zwischen Halketts Einheit und der alten kaiserlichen Garde zu einem heftigen Bajonettkampf. Dabei konnten auch mehrere französische Batterien erobert werden. Bei der Verfolgung der Garde nahm er den französischen General Cambronne gefangen. Als Halkett ihn davonführen wollte, stürzte sein Pferd, von einer Kugel getroffen, sodass der am Kopf blutende General wieder entweichen konnte. Halkett gelang es aber, ihn erneut zu fassen und ihn durch einen Sergeanten zu Wellington führen zu lassen. Lakonisch schrieb Halkett einige Tage danach in einem Bericht: „I lost three horses and took General Cambron prisoner.“ Halkett war zu diesem Zeitpunkt noch keine 32 Jahre alt.

Es folgten für den Offizier nun rund 50 ehrenvolle Friedensjahre:

1816: Zweiter Kommandeur des hannoverschen Kontingents der alliierten Besatzungsarmee in Frankreich;

1818: Generalmajor und Chef des Regiments Hoya in Nienburg;

1819: Chef des Regiments Celle in Celle;

1834: Generalleutnant der 2. Division zu Nienburg, seit 1837 zu Hannover;

1837: Von König Ernst August nach Berlin, Dresden und Petersburg geschickt, um den Regierungswechsel in Hannover anzuzeigen;

1838/39: Begleiter des Königs bei den preußischen Manövern bei Berlin, Magdeburg und am Rhein;

1843: Teilnahme an der Übung des 10. deutschen Bundesarmeekorps bei Lüneburg;

1846: Bundesinspektor bei dem österreichischen Bundeskontingent, Chef der 1. Division, Generalinspektor der Infanterie, Präsident des Kriegsgerichts;

1848: Im Krieg gegen Dänemark Divisionschef im 10. deutschen Bundesarmeekorps unter General Wrangel. Die Truppen unter General Halkett schlugen sich dabei tapfer am 24. April bei Oeversee.

Abschließend ein Blick auf die Beziehungen Halketts zu Celle: Mit der Übernahme der Führung eines hier stationierten Regiments kam er 1819 in diese Stadt. Seit 1825 bewohnte er einige Räume im Schloss, in denen früher Königin Karoline Mathilde gelebt hatte. Dort wurden auch die drei jüngsten seiner acht Kinder geboren. Dort auch führte er ein gastfreies Haus als „echter Gentleman“.

Mit 64 Jahren
teilweise erblindet

Mit 64 Jahren erblindete er auf einem Auge. Daraufhin nahm er 1858 seinen Abschied aus dem Militärdienst. Aufgrund seiner Verdienste gewährten ihm die hannoverschen Stände sein volles Gehalt auf Lebenszeit.

Eine besondere Ehrung erfuhr er noch 1862 durch die Verleihung des Freiherrentitels. Ein Jahr später, am 26. Juli 1863, starb er in Hannover. Seine Leiche wurde nach Celle überführt, wo er an der Seite seiner schon früher gestorbenen Gattin auf dem Neuenhäuser Friedhof beigesetzt wurde. Adolf Meyer

Quellen:

1. Einige Helden der Schlacht bei der Göhrde, in Zeitschrift „Heimatland“ 1913, Seite 85

2. Wilhelm Rothert, General Halkett, in: „Im alten Königreich Hannover“, Hannover 1914, Seite 198 ff.

3. M. Ballauf, Des Königs Deutsche Legion, Hannover 1909, Seite 80 ff.

4. Benno Bode, Die Schlacht bei der Göhrde, 16. September 1813, Hannover 1913

5. Benno Bode, a. a. O., Seite 78 f.

6. Wolfgang-E. Maillard, Auf beiden Seiten große Tapferkeit, in „Hannoversche Allgemeine Zeitung,“ 28. September 1963

Adolf Meyer Autor: Adolf Meyer, am 25.07.2013 um 11:20 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Amy Schumer witzelt über Baby-Gerüchte

Los Angeles (dpa) - «Babys?», «Schwanger», «Glückwunsch»: So reagierten Instagram-Follower von Amy Schumer am Donnerstag auf ein frisch veröffentlichten Foto, das die US-Schauspielerin und Comedian («Dating Queen») in einem roten Sommerkleid zeigt. ...mehr

WM-Krise als DFB-Krise: Bierhoff und Grindel unter Zugzwang

Berlin (dpa) - Aus der Krise der Fußball-Nationalmannschaft ist eine Krise für den DFB geworden. Mit ihren Aussagen zum emotionalen Sommer-Thema Mesut Özil haben Verbandsboss Reinhard Grindel und Teammanager Oliver Bierhoff heftige Reaktionen ausgelöst und ihre eigenen Positionen geschwächt. ...mehr

New Yorker Philharmoniker suchen Gleichberechtigung

New York (dpa) - Julie Ann Giacobassi spielte mit ihrem Englischhorn gerade im Ensemble der San Francisco Symphony die zweite Sinfonie von Gustav Mahler, als sich eine der Tasten ihres Instruments in den Falten ihres Rocks verfing. «Ich dachte: "Oh nein, das war es jetzt"», sagte die Musikerin der… ...mehr

Kommers: Hauptmann Holger Thiel bestraft unanständige Berger Schützen

Axel Stahlmann hat das Gründungsdatum des Schützencorps Bergen leicht nach hinten verschoben. „Es steht schon in der Bibel: Sie trugen merkwürdige Gewänder und irrten planlos umher“, sagte der Pastor in seiner Gastrede beim Kommers im Festzelt am Sonntag mit einem Lächeln. Gleichzeitig nahm… ...mehr

Träume, Trolle, Trump: «Peer Gynt» in Bad Hersfeld

Bad Hersfeld (dpa) - «Peer Gynt» ist nicht gerade der Inbegriff von leichter Unterhaltung für einen entspannten Sommerabend - doch die Premieren-Gäste zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele bekamen es am Freitag mit einer unkonventionellen Inszenierung zu tun. ...mehr

Bad Hersfelder Festspiele: «Peer Gynt» zum Auftakt

Bad Hersfeld (dpa) - Nach der Ära mit Intendant Dieter Wedel (75) blicken die Bad Hersfelder Festspiele mit dem neuen Theater-Chef Joern Hinkel (47) ihrer Saisoneröffnung entgegen. ...mehr

Müdener Triathleten holen Titel

Drei Triathleten vom MTV Müden/Örtze machten sich auf den Weg, um sich bei den Landesmeisterschaften über die Mitteldistanz mit einer insgesamt 185-köpfigen Konkurrenz zu messen. Mit zwei Titeln und einem dritten Platz kehrten Friederike Koch, Torsten Münchow und Bernd Fredelake vom Oldenstädter… ...mehr

Löw bleibt Bundestrainer - Neustart mit schwerem WM-Rucksack

München (dpa) - Joachim Löw darf seinen Traumjob weiter ausüben, auch wenn er den Neubeginn nach dem historischen Vorrunden-Aus in Russland mit einem schweren WM-Rucksack angehen muss. ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
14.07.2018

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

WM-Helden in Paris und Zagreb erwartet

Paris (dpa) - Frankreich in Feierlaune: Die frisch gekürten Fußball-Weltmeister werden heute zurück…   ...mehr

Frankreichs WM-Triumph nach furiosem Finale

Moskau (dpa) - Mit dem glückseligen Staatschef Emmanuel Macron im Arm schmetterte Paul Pogba ein «Vive…   ...mehr

Nach Italiens Appell: Deutschland nimmt 50 Flüchtlinge auf

Rom (dpa) - Auf Druck Italiens nimmt Deutschland 50 Bootsflüchtlinge auf, die im Mittelmeer gerettet…   ...mehr

Comeback gelungen: Djokovic kürt sich zum Wimbledon-Champion

London (dpa) - Dank eines klar überlegenen Auftritts hat sich Rückkehrer Novak Djokovic zum vierten…   ...mehr

105. Tour: Degenkolb erster deutscher Etappensieger

Roubaix (dpa) - Nach seinem grandiosen Sieg in Roubaix war John Degenkolb zu Tränen gerührt. Von den…   ...mehr

Hamas feuert 220 Geschosse auf Israel

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Ein heftiger Schlagabtausch zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden…   ...mehr

Mandzukic und Perisic: Kroatiens große Unglücksraben

Moskau (dpa) - Mario Mandzukic schaute nach seinem Fauxpas entsetzt gen Himmel. Ivan Perisic blickte…   ...mehr

Neue Anklagen gegen Russland trüben Trumps Gipfel-Show

Helsinki (dpa) - Der mit Spannung erwartete Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen…   ...mehr

Russland beschließt WM mit bunter Bühnenshow

Moskau (dpa) - Mit einer bunten Bühnenshow und US-Superstar Will Smith hat Russland das Finale der…   ...mehr

Gekündigte Pina-Bausch-Intendantin weist Vorwürfe zurück

Wuppertal (dpa) - Die fristlos gekündigte Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch, Adolphe…   ...mehr
SPOT(T) »

Gardofflsubbe

Nanu, was ist denn hier passiert? Keine Sorge, mit meiner Tastatur ist alles… ...mehr

Schlau

Sie kriegen einfach alles raus: Forscher. Zum Beispiel, dass am Herzen operierte… ...mehr

Ab in den Garten

In der Mittagspause nehme ich mir mal Zeit, um mir die Stadt anzusehen. "Bei… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG