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Fußball regional 96-Boss ist kein Sankt Martin
Sport Fußball regional 96-Boss ist kein Sankt Martin
19:57 15.04.2013
Gunter A. Pilz, Martin Kind und Ralf Leineweber waren sich nicht ganz einig, ob taktische Fouls nun zum Sport gehören, oder nicht. Quelle: Gert Neumann
Nienhagen

Zunächst berichteten Konfirmanden aus Nienhagen, wo ihnen unfaires Verhalten im Sport begegnet ist. Fanforscher Pilz zeigte dann auf, warum Fußball „ein starkes Stück Leben“ ist: „In zweimal 45 Minuten lässt sich mehr an Glück und Angst, an Hoffnung und Enttäuschung, an Freude und Scheitern erleben, als sonst in Wochen.“

Zur Schule des Lebens werde der Sport, wenn er Demokratie und Integration lehre, so Pilz. „Hier gestalten Menschen ihre Freizeit sinnvoll und lernen den Umgang mit Enttäuschungen und inneren Spannungen.“ Und sie lernten, Regeln zu akzeptieren: „Der Sport kann ein starkes Stück Leben sein, wenn wir nicht nur wie Besessene hinter dem Erfolg herjagen. Wir dürfen uns anstrengen, aber nicht um jeden Preis.“

Und dieser Rolle solle der Sport auch gerecht werden, forderte Pilz: „Sport muss verbinden, erziehen, integrieren und präventiv wirken.“ Selbstverständlich sei dies jedoch nicht. „Sport sei per sé gut“, sei ein blauäugiger Schluss. Stattdessen: „Im Sport sollen nicht nur die Muskeln trainiert werden, sondern auch die innere Haltung.“ Und dafür brauche es Vorbilder, vor allem in den Trainern, aber jeder sollte nach Pilz‘ Worten seinen Beitrag leisten: „Maß, Balance, Fairplay und Respekt sind gefragt. In allen Bereichen des Sports, bei den Funktionären, bei den Verbänden, den Vereinen, den Medien.“

Wo Sport als Schule des Lebens gilt, da muss es auch um faires Verhalten gehen: „Denkt nicht über andere nach“, riet 96-Präsident Martin Kind den jungen Sportlern im anschließenden Gespräch mit Ralf Leineweber. „Denkt über euch nach.“ Dies sei auch stets seine Philosophie als Unternehmer gewesen.

Überrascht reagierte Kind, als ihn der CZ-Chefredakteur mit der aktuellen Fairness-Tabelle der Bundesligisten konfrontierte. Hier liegt sein Verein abgeschlagen auf Rang 15 – von einem „Abstiegsplatz“ trennen den Verein nur zwei Gelbe Karten. „Ich bin kein Freund von Fouls“, sagte Kind dazu. Aber taktische Fouls, wie sie auch im Regelwerk des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) benannt sind, gehörten hier und da doch irgendwie dazu, „um ein Tor zu verhindern“. Ein „Heiliger“ in Sachen Fairplay auf dem Fußballplatz ist Kind also nicht.

Aber auch er griff das Argument der Vorbildfunktion auf: „Die Spieler haben eine Verantwortung, weil ihr Handeln auf andere wirkt. Vor allem auf Jüngere.“ Dabei seien die Fußballer meist selbst jung: „Die Entscheidung für den Profi-Sport fällt im Alter von 13, 14 Jahren. Mit 19, 20 sind sie dann Stars.“ Und Vorbilder.

Von Isabell Prophet