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Fußball regional Abstiegsregeln sorgen für Unmut bei Berger Handballern
Sport Fußball regional Abstiegsregeln sorgen für Unmut bei Berger Handballern
16:28 20.05.2014
Die Berger Niklas Pechmann (Zweiter von links) und Dominik Blancbois (Zweiter von rechts)hadern mit den Abstiegsregeln. Quelle: Alex Sorokin
Bergen Stadt

Klar, dass die Berger frustriert sind. Denn sie wurden Viertletzter und eigentlich steigen nur die drei Letztplatzierten ab – so steht es im Regelwerk. Weil aber in der „Dritten Liga Ost“ Vorsfelde und Hannoversch-Münden in die Oberliga Niedersachsen abgestiegen sind, es aber nur einen Aufsteiger gibt (Northeimer HC), erhöht sich die Anzahl der Oberligisten auf 17. Das soll aber nicht sein, deswegen gibt es drei Absteiger aus der Oberliga (Barsinghausen, Hohnhorst-Haste und Warberg). Diese drei Absteiger werden erneut nur mit zwei Aufsteigern ausgeglichen, so dass die Verbandsliga dann aus 15 Mannschaften bestünde. Da der Verband aber die Höchstanzahl der Teams mit 14 festgelegt hat, muss Bergen als Viertletzter zusätzlich absteigen. „Beinahe alle Mannschaften wollen die Regelung abgeschafft sehen, aber dem Handballverband Niedersachsen scheint das so ziemlich egal zu sein“, ärgert sich TuS-Außen Dominik Blancbois als einer der betroffenen Spieler. Er schlägt vor: „Man könnte die Regelung aus dem Fußball übernehmen, wo in so einem Fall die Liga aufgestockt wird und es in der Folgesaison einfach mehr Absteiger gibt.“ So wüssten die Teams vorher, was sie erwartet. „Wir finden, dass die jetzige Regelung den Sinn des Fairplays nicht widerspiegelt. Wir steigen ab, obwohl wir eigentlich ,über dem Strich‘ stehen“, so Blancbois.

In anderen Vereinen sieht man das ähnlich: „Es ist schon ärgerlich, wenn man sportlich gerade so den Abstieg verhindert. Aber dann kommt der Verband mit Regelungen, die man manchmal gar nicht mehr versteht. In keiner anderen Sportart gibt es so ein Wirrwarr. Es sollte wirklich eindeutig klar sein, wer auf- und absteigt“, sagt Rouven Kibellus, Keeper des ehemaligen Staffelkonkurrenten SV Altencelle.

Markus Haydl, Trainer des Verbandsliga-Aufsteigers MTV Müden, bewertet die „gleitende Skala“ als „sehr umstritten“: Zum einen gebe es jedes Jahr nach Abschluss aller Spiele diesen „ungewollten Erdrutsch“ aus den oberen in die unteren Ligen. Andererseits sei es schwierig, die Ligen für eine Spielzeit aufzustocken, da die Terminierung bereits Anfang des Jahres gemacht werde.

Und auch der Betreuer der HSG Adelheidsdorf-Wathlingen, Guido Zobiack, versteht den Ärger der Berger – wenngleich deren Abstieg ein interessantes Derby an die Kantallee bringt. „Sportlich ist das einfach nicht okay“, findet er und äußert Mitgefühl: „Bergen kämpft wie blöd, um unten raus zu kommen, schafft es eigentlich und steigt trotzdem ab. Das muss deprimierend sein.“

Helmuth Wöbke aus Faßberg, der ehrenamtliche Spielleiter der Landesligen und Vizepräsident Spieltechnik im HVN, verteidigt indes die bestehende Regelung. Wöbke gibt ein Beispiel: Wenn Burgdorf III auch noch aus der „Dritten Liga Nord“ abgestiegen wäre und zudem Northeim (wie mit der Frauenmannschaft) auf den Aufstieg verzichtet hätte, müssten in der kommenden Saison 20 Teams in der Oberliga Niedersachsen spielen: „Und dann möchte ich mal den Aufschrei aller Beteiligten hören“, so Wöbke. So eine Liga funktioniere nun mal nicht. Erstens gebe es zu wenig Schulsporthallen, die die Vereine jederzeit bespielen können. Zweitens müsste bei einer Staffel dieser Größe auch unter der Woche gespielt werden.

Natürlich kann auch Wöbke mit Bergen mitfühlen. Der TuS bekommt übrigens nach eingehender Prüfung der Abschlusstabellen ein offizielles Schreiben über das Endergebnis und die Konsequenzen. „Und letztlich ziehe ich mir lieber den verständlichen Ärger eines Teams aus dem Umkreis zu, als wenn gleich 20 Vereine sauer sind wegen einer Mammutsaison“, betont der Faßberger. Denn er weiß: „Man kann es nun mal nicht allen Recht machen.“

Von Stefan Mehmke