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Fußball regional Beim SSV Südwinsen wird im Tandem gepfiffen
Sport Fußball regional Beim SSV Südwinsen wird im Tandem gepfiffen
18:39 24.06.2016
Von Carsten Richter
Südwinsen

SÜDWINSEN. „Wir wollen unseren Nachwuchs nicht ins kalte Wasser schmeißen“, sagt SSV-Pressewart Rene Vandieken. „Wir haben Verantwortung für die Jungschiedsrichter und möchten sie nicht allein lassen.“ Seit der Rückrunde stehen zwei Jugendliche aus dem Verein auf dem Platz, begleitet von einem erwachsenen Schiri in ein paar Metern Entfernung – mit der Zeit soll der Abstand wachsen. Sarah Vandieken und Nico Bein haben im März ihre Schiedsrichterprüfung bestanden, nun beginnt für sie die Praxis. Und da aller Anfang schwer ist, hören manche jungen Schiris schon nach wenigen Spielen wieder auf. Auch beim SSV Südwinsen hat es so einen Fall gegeben – eine Wiederholung möchte der Verein vermeiden. Eine Jungschiedsrichterin hatte Anfang 2015 ihre Prüfung bestanden, hielt aber den permanenten Beschimpfungen seitens der Trainer und Eltern nicht mehr stand.

„Kinder sollen Spaß am Fußball haben, das wird häufig verkannt“, meint Rene Vandieken. Immer wieder müssten sich Schiedsrichter mit wenig Erfahrung Beleidigungen gefallen lassen. Wenn ein Erwachsener dabei ist, sei die Hemmschwelle höher. Das bestätigt Michael Frede, Vorsitzender der Celler Schiedsrichter-Vereinigung. Schiris würden oft für „Halbgötter in Schwarz“ gehalten. Dabei seien auch sie nicht frei von Fehlern. „Wo sollen sie ihre Aufgaben lernen, wenn nicht auf dem Platz?“, sagt Frede und wünscht sich mehr Verständnis und Geduld.

Gleichzeitig macht das Nachwuchsproblem vielen Regionen zu schaffen. Der Kreis Celle ist hier noch gut aufgestellt – das Interesse an einer Schiri-Ausbildung ist vorhanden, allerdings müssten die Jungschiedsrichter auch gehalten werden, sagt Frede. Landesweit bemühen sich Fußballvereine daher, ihnen den Einstieg so angenehm wie möglich zu machen. Ein Schiri-Tandem wie in Südwinsen ist nur eines von vielen Modellen.

Aber eines, das gut ankommt. „Es ist völlig okay, wenn ein erwachsener Schiri dabei ist“, sagt der 14-jährige Nico Bein. Viermal stand er in der Rückrunde auf dem Platz. „Ich habe aber auch schon ein Spiel allein gepfiffen.“ Schlechte Erfahrungen hat er noch nicht gemacht, allerdings weiß er, dass Pöbeleien keine Ausnahme sind.

Ist der Pfiff laut genug? Worauf muss man achten beim Stellen einer Mauer? „Ich sammle noch viele Erfahrungen“, sagt die 13-jährige Sarah Vandieken. In der Halbzeit bespricht sie mit einem Kollegen, was sie noch verbessern kann. „Manche Trainer meinen, man macht alles falsch“, bestätigt sie.

Viele Jugendliche seien schon sehr selbstbewusst, sagt Frede. Trotzdem sei das „Tandem-Modell“ des SSV Südwinsen sehr lobenswert. „Als Schiri ist der Mut zur Entscheidung am wichtigsten.“