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Fußball regional Bergsteigen in der Nische
Sport Fußball regional Bergsteigen in der Nische
15:31 10.04.2013
Von Oliver Schreiber
Sie wollen hoch hinaus: Die Sportkletterer von „Climbing Up Wathlingen“ trainieren jeweils montags und donnerstags. Quelle: Gert Neumann
Wathlingen

Doch wer den kleinen, unscheinbaren Korridor betritt, wird überrascht. Eine imposante, rund acht Meter hohe Kletterwand füllt den ganzen Raum aus. Der Blick fällt sofort auf die vielen bunten „Beulen“, die die gelbe Wand zieren. „Das sind Klettergriffe, an denen sich die Kletterer festhalten beziehungsweise die Haken befestigen können. Die unterschiedlichen Farben markieren unterschiedliche Kletterrouten“, erklärt die Vereinsvorsitzende Annett Gross.

Die 25-jährige Verwaltungsbeamtin war die Initiatorin für die Vereinsgründung vor rund einem Jahr. Sie selbst ist im Alter von zwölf Jahren zum Sportklettern gekommen, durch eine Ferienpassaktion der Celler Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) in der CD-Kaserne. Die Faszination Sportklettern beziehungsweise Bergsteigen hat sie seitdem nicht mehr losgelassen.

Die rund 35.000 Euro teure Kletterwand musste der noch junge Klub nicht selbst finanzieren – sie war bereits vorhanden. Auf Initiative von Frank Borchert, Fachleiter Sport an der Oberschule Wathlingen, hatte der Landkreis die Geldmittel zur Verfügung gestellt, damit eine Kletter-AG ins Leben gerufen werden konnte.

Dies rief auch die in Eicklingen lebende Gross und ihre Kletterfreunde aus der Umgebung auf den Plan, die zuvor im DAV Celle aktiv waren. „Da wir hier alle in Flotwedel, Wathlingen und Umgebung wohnen, ist der Standort dieser Kletterwand natürlich ideal. Da war der Weg bis zur Vereinsgründung auch nicht mehr weit“, erläutert Gross, die momentan selbst nicht klettert: Sie ist für fünf Wochen Mutter geworden. Aus acht Gründungsmitgliedern sind mittlerweile 25 Vereinszugehörige aus allen Altersstufen geworden.

Das bekannteste und zugleich älteste Mitglied ist Karl Hustedt aus Garßen, zugleich auch Ehrenmitglied und langjähriger Funktionär beim DAV Celle. Durch seine Initiative ist dort die Sportgruppe überhaupt erst entstanden. Der 77-Jährige ist so etwas wie der Grandseigneur des Celler Klettersports. Seit seinem 30. Lebensjahr ist der ehemalige Fußballer des SV Garßen passionierter Kletterer und Bergsteiger. „Auslöser war ein mehrwöchiger Urlaub in den Bergen. Da habe ich es mit dem Klettern probiert – und es hat mich sofort fasziniert. Bis heute“, schildert Hustedt mit leuchtenden Augen.

Zusammen mit Gross ist der gelernte Maler lizenzierter Ausbilder bei „Climbing Up Wathlingen“. Einer seiner Schützlinge ist Steffen Jürgens. Der 51-jährige Maschinenbau-Ingenieur ist zufällig auf die Sportkletterer gestoßen, weil er zeitgleich mit seinen Tischtennis-Kameraden vom VfL Wathlingen in der Halle trainiert. „Ich bin während einer Reha mal geklettert und habe gemerkt, dass das gut für meinen Rücken ist. Mir ist das auch von ärztlicher Seite empfohlen worden. Und als ich die Kletterer hier in der Halle sah, bin ich sofort eingestiegen“, so Jürgens.

Unter Anleitung von Hustedt legt er seine Ausrüstung an. Zunächst machen sich Jürgens und seine Trainingskollegen mit „Bouldern“ – dem Seitwärtsklettern in Bodennähe – warm. Für den umtriebigen Jürgens, der auch noch Tennis spielt, geht es mit „Toprope-Klettern“ weiter. Dabei wird das Seil oben an der Kletterwand befestigt. Fortgeschrittene wählen den Vorstieg, bei dem das Seil nach unten verläuft und vom Kletterer praktisch „hochgetragen“ wird. Bei beiden Varianten sichert ein Partner den Aufstieg ab, die Verständigung erfolgt über kurze Kommandos.

Am kommenden Sonntag, 14. April, veranstaltet Climbing Up Wathlingen von 14 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür. Und hofft auf viele Gäste beim „Bergsteigen“ in der Nische.