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Fußball regional Bewegender Abschied für Eike Mach bei 2:5-Niederlage des TuS Celle FC
Sport Fußball regional Bewegender Abschied für Eike Mach bei 2:5-Niederlage des TuS Celle FC
19:23 25.05.2014
Selbst die Gegenspieler applaudierten bei Eike Machs Auswechslung im letzten Karrierespiel. Der Kapitän hielt überragend. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Was für den FC Bayern München Franz Beckenbauer und für den Hamburger SV Uwe Seeler ist, das bedeutet Eike ‚Toni‘ Mach für den TuS Celle FC.“ Norbert Stammwitz muss es wissen. Der ehemalige Vorsitzende von Celles am höchstklassig spielendsten Fußball-Club kennt Mach seit dessen Anfängen als Jugendspieler bei den Cellern. Aus diesen Zeiten stammt auch der Spitzname Toni, frei nach dem damaligen Deutschen Nationaltorwart Toni Schumacher – seitdem sind knapp 30 Jahre vergangen.Umso unglaublicher, dass der heute 45 Jahre alte „Ewig Eike“ im letzten Fußball Oberliga Spiel der Saison für den TuS FC einmal mehr Spieler des Tages war. Mit Glanzparaden bewahrte der zukünftige Torwarttrainer des Oberliga-Absteigers und der U19 seinen Verein vor einer zweistelligen Niederlage gegen die Spielvereinigung Drochtersen/Assel.Dabei begann die Partie vielversprechend: Der TuS FC ging in der 10. Minute durch Tino Schröder sogar mit 1:0 in Führung. Es sollte bis zur 72. Minute, in der Kodo Kadir den schmeichelhaften 2:5-Ehrentreffer erzielte, die letzte nennenswerte Offensivaktion des gebeutelten Celler Klubs sein. Die Gäste beherrschten die Partie. Eike Mach, der vor Anpfiff von Präsident Peter Hoop, dem sportlichen Leiter Jörg Klindworth und seinem zwölf Jahre alten Sohn Bjarne Seturski feierlich verabschiedet wurde, hatte gar keine Zeit für Wehmut.Denn er hielt, und hielt und hielt: ob einen Kopfball aus fünf Metern oder gegen den allein auf ihn zustürmenden Gegenspieler, der dies bitter bereuen sollte, da er mit einer Verletzung ausgewechselt werden musste. Jede Großtat des Goalies wurde mit Szenenapplaus oder „Eike“-Rufen honoriert. Jemand aus dem Publikum mauschelte: „Der kann sogar mit 150 noch spielen.“ Mach selbst hatte während des Spiels zu seinen Vordermännern nur „Reißt euch mal zusammen“ und „Was spielt ihr da zusammen“ zu sagen – und das waren die harmlosen Schimpftiraden.Eike bleibt eben ein Mann der klaren Worte: „Beschissen“ sei sein letztes Spiel gelaufen, sagte er nach dem Spiel. Ob der Leistung müsse man am Verstand der Mannschaft zweifeln. „Wenn ich die Dinger nicht rausgeholt hätte, hätten wir zweistellig verloren.“ Aufgrund seiner konstanten Form falle es ihm auch schwer, die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Angesprochen auf die stehenden Ovationen der knapp 200 Zuschauer bei seiner Auswechslung in der 85. Minute und dem Banner der TuS-FC-Ultras mit der Aufschrift „17 Jahre TuS – Auf Ewig unsere #1 Danke Eike“ wird er dann doch sentimental: „Das war sehr schön.“Für Trainer Lazar Djurdjevic und Routinier Sven-Oliver Purcha war es ebenfalls der letzte Auftritt in Diensten des TuS FC. „Es war eine super Zusammenarbeit“, sagte der Coach, der sich nun um die Anfragen anderer Vereine kümmert. „Besonders freue ich mich für Eike und seinen schönen Abschied.“ Den sollte auch Purcha durch eine Auswechslung erhalten. Da Kai Broschinski allerdings früh den verletzten Georgios Tsakiridis ersetzten musste, gab es zu Spielende keinen Ersatzspieler mehr auf der Bank.Denn der zweite Wechselspieler war Jung-Torhüter Tjark Klindworth. Der „kalte“ Klindworth hielt in den letzten fünf Minuten ebenso überragend und bot sich als Thronfolger an. Ob „Toni“ Mach ihm seine Tricks verraten hat? Woher bekommt er mit 45 Jahren eigentlich noch die Kraft, um solche Leistungen abzurufen? Mythen ranken sich um diese Frage – bis heute. Mach klärt auf: „Ich trainiere immer mit, bin voll dabei“, so sein Erklärungsversuch. An der Ernährung liege es mit Sicherheit nicht, scherzt er: „Ich trinke mein Bier und ich esse meine Currywurst.“ Deshalb gab es auf der anschließenden Feier mit Fans und Mannschaft natürlich reichlich Bier und Wurst – das Mahl einer echten Celler Legende.

Von Andre Batistic