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Fußball regional Camper statt Kicker auf Celler Herrenwiese
Sport Fußball regional Camper statt Kicker auf Celler Herrenwiese
17:20 23.11.2017
Von Heiko Hartung
Die Sportplatzfläche auf der Herrenwiese wird im kommenden Jahr halbiert: Zwischen den A-Platz des SV Dicle und das Badeland (im Hintergrund) kommen Wohnmobilstellplätze. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Camping-Touristen statt Fußballer: Als Emin Ekinci vor einigen Wochen zu einem Gespräch ins Celler Rathaus eingeladen wurde, ahnte er nicht, dass seine Fußballer vom SV Dicle schon bald einen ihrer beiden Rasenplätze auf der Herrenwiese verlieren würden. „Herr Oberbürgermeister Nigge hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt und gesagt, dass uns unser Trainingsplatz weggenommen wird“, berichtet der Vorsitzende des kurdischen Klubs.

Hintergrund: Die Stadt will die Wohnmobilstellplätze auf der Allerinsel bereits im kommenden Jahr auf das Areal an der 77er-Straße verlagern. In direkter Nachbarschaft zum Badeland und der Minigolfanlage sollen zunächst 40, später 60 Vehikel am Fuhse-Ufer Platz finden. Der entsprechende Beschluss wurde am Dienstag im Verwaltungsausschuss von der Politik gefasst.

Als Alternative wurde dem 1984 gegründeten Verein, der seit fast drei Jahrzehnten seine Heimat auf der Herrenwiese hat, nahegelegt, das Gelände zu verlassen und zum VfL Altenhagen umzuziehen. Das deckt sich übrigens mit den Zielen des Celler Sportentwicklungsplans. Der empfiehlt, die Sportplätze an der Herrenwiese komplett aufzugeben. Doch das lehnte der Vorstand des Kreisligisten ab.

„Wir haben uns dann mit dem SV Dicle darauf geeinigt, dass der Verein den A-Platz weiter nutzen darf“, sagt Dirk Nothdurft, Fachdienstleiter Jugendarbeit und Sport. Die Stadt übernimmt weiterhin die Rasenpflege und versetzt die vorhandene Flutlichtanlage. „Die Betriebs- und Unterhaltungskosten für das Vereinsheim muss der Klub aber künftig aus eigener Tasche bezahlen“, so Nothdurft. Diese Forderung stellt die Stadt künftig übrigens an alle städtischen Sportvereine.

Das Paket soll in einem neuen Pachtvertrag festgezurrt werden, berichtet Ekinci und fügt hinzu: „Was blieb uns anderes übrig, als zuzustimmen?“ Zufrieden ist der 41-Jährige mit der Lösung nicht. „Wir haben dann für unsere beiden Mannschaften nur noch einen Platz fürs Training und die Punktspiele. Der Rasen ist jetzt schon ein Acker voller Maulwurfshügel und dauernd gesperrt. Außerdem wollen wir nächste Saison drei Jugendmannschaften anmelden.“

Bemerkenswert: „Uns wurde versprochen, dass wir der einzige Verein sind, der dann den A-Platz nutzen darf“, so Ekinci. Das wirft Fragen auf, denn derzeit trägt der neu gegründete 1. FC Celle mit zwei Herren- und einer Frauenmannschaft seine Punktspiele ebenfalls auf dem Dicle-Platz aus. Zudem nutzt der VfL Westercelle mit bis zu vier Jugendmannschaften knapp 14 Stunden pro Woche die Herrenwiese zum Training, weil die eigene Anlage aus allen Nähten platzt. Was wird aus diesen beiden Klubs?

Erdal Hurma, Vorsitzender des 1. FC Celle, war die Problematik bislang unbekannt. „Mit uns hat niemand gesprochen.“ Zumindest die Westerceller sind informiert. „Die Stadt hat uns gesagt, dass wir mit einigen Teams auch künftig auf dem A-Platz der Herrenwiese trainieren können. Dicle nutzt den Platz zum Training ja nur zwei Mal pro Woche. Zugesagt wurde von der Stadt auch, dass unsere anderen Jugendmannschaften, für die in Zukunft kein Platz mehr an der Herrenwiese ist, woanders untergebracht werden. Wo wissen wir noch nicht“, berichtet VfL-Fußballabteilungsleiter Christopher Menge. Und müssen sich die Gastvereine an den Vereinsheimkosten beteiligen?

Offenbar hat die Stadt zwei Vereinen Versprechungen gemacht, die so nicht einzuhalten sind, weil sie sich widersprechen – und den dritten Nutzer der Herrenwiese bislang komplett außen vor gelassen. Ekinci: „Da fühlt man sich gegeneinander ausgespielt.“ Fachdienstleiter Nothdurft formuliert es anders: „In der Tiefe sind diese Dinge nicht erörtert worden. Wir bemühen uns aber, die Probleme zu lösen.“

Der Oberbürgermeister sagte gegenüber der CZ: „Mit den beteiligten Vereinen ist alles geklärt, für jeden ist gesorgt“, so Nigge. Diese Position vertrat der Verwaltungschef auch am Dienstag im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss, wie ein Mitglied des Gremiums gegenüber dieser Zeitung versicherte. Die Mehrheit der Politiker stimmte daraufhin für den Umzug der Wohnmobile auf den bisherigen Fußballplatz.