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Fußball regional Celler Fußballtrainer begrüßen Coming-out von Thomas Hitzlsperger
Sport Fußball regional Celler Fußballtrainer begrüßen Coming-out von Thomas Hitzlsperger
18:17 08.01.2014
Thomas Hitzlsperger, hier im Trikot des VfL Wolfsburg, sorgt mit seinem Bekenntnis für viel Gesprächs-stoff. Quelle: Patrick Seeger
Celle Stadt

Es ist ein historischer Moment im deutschen Profi-Fußball: Als erster prominenter deutscher Fußballer hat Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger gestern Nachmittag seine Homosexualität öffentlich gemacht. „Ich äußere mich zu meiner Homosexualität, weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte“, sagte Hitzlsperger der Wochenzeitung „Die Zeit“. Er habe das Gefühl, dass nach dem Ende seiner Karriere ein guter Moment dafür gekommen sei. Seit ein paar Jahren spüre er, dass er lieber mit einem Mann zusammenleben würde. Zugleich beklagte der Spieler, der mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister wurde, dass Homosexualität im Fußball „schlicht ignoriert“ werde.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußerte „höchsten Respekt“ und sicherte volle Unterstützung zu. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen: „Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, sich zu seiner Sexualität zu bekennen.“

Sehr positiv aufgenommen wird das überraschende Outing des Mittelfeldspielers auch in der Celler Fußball-Szene. Eike Mach, Interimstrainer beim Oberligisten TuS Celle FC, lobte den „großen Mut“ Hitzlspergers. „Jeder muss selbst wissen, welche sexuelle Neigung er hat. Rein fußballerisch gesehen, macht es auf jeden Fall keinen Unterschied“, sagte Mach. Sollte sich einer seiner Spieler zum Schwulsein bekennen, würde es die Mannschaft aber sicher vor eine Herausforderung stellen. „Der Umgang mit dem Spieler würde sich ändern. Aber nicht zwangsläufig im negativen Sinne“, so der Coach. Vielmehr würde sich in einer solchen Situation zeigen, ob die Mannschaft wirklich zusammenstehe, wenn es darauf ankommt.

Dass sich Hitzlsperger erst nach seiner aktiven Karriere geoutet hat, ist für Frank Weber, Trainer des Bezirksligisten MTV Eintracht Celle, wenig überraschend: „Die Hemmschwelle wird auch weiter da sein. Ich denke, dass nur wenige aktive Profis diesem Outing folgen werden. Die Gefahr von den Fans als ‚Schwuchtel‘ bezeichnet zu werden, ist einfach zu groß“, sagt Weber. Dies habe vor allem mit männlichen Klischeevorstellungen zu tun, die tief im Bewusstsein vieler Fans verankert seien. Beim MTVE wäre ein Outing jedoch kein Problem: „Mir wäre das völlig egal. Ich bin mir auch sicher, dass meine Mannschaft damit gut umgehen würde“, so der MTVE-Coach.

Celal Carut, Trainer des Kreisligisten FC Firat Bergen, würde vor allem das Gespräch mit dem betroffenen Spieler suchen. „Dieses Thema muss man sensibel angehen, um dem Spieler die Angst vor einem Outing und den Reaktionen zu nehmen. Nach einem Einzelgespräch würde ich dann auch die Mannschaft einbinden“, so Carut. Überzeugt ist er davon, dass weder die Mannschaft noch die Firat-Fans ein Problem mit Homosexualität hätten: „Wir sind eine starke Gemeinschaft, die einen Menschen nicht nach seiner sexuellen Ausrichtung beurteilt.“

Uwe Ronge trainiert den TSV Wietze in der Kreisliga und hofft, dass durch das Outing Hitzlspergers eine neue Offenheit entsteht: „Wir sollten schleunigst dafür sorgen, dass sich jeder Spieler offen zu diesem Thema äußern kann. Nach Hitzlsperger müsste ein weiterer Spieler einen Schritt machen, dann kann was aufbrechen. Im Endeffekt: Was ist daran so schlimm?“, so Ronge. Das sieht Ulrich Busse, Trainer des Kreisligisten SV Dicle, ähnlich: „Wenn ich das Thema nicht verheimliche, verliert es auch an Spannung. Dann geht es wieder nur um Fußball“, sagt er. Und der sollte schließlich im Vordergrund stehen.

David Sarkar

Von David Sarkar