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Fußball regional Celler Mediziner: Vermehrtes Risiko für Herzinfarkte bei Großereignissen
Sport Fußball regional Celler Mediziner: Vermehrtes Risiko für Herzinfarkte bei Großereignissen
18:14 10.06.2016
Von Carsten Richter
ProfessorWolfram Terres
Celle Stadt

Der Mediziner bestätigt damit eine Studie der Universität München, wonach es zur WM 2006 bei spannenden deutschen Spielen deutlich mehr Herznotfälle gab. Fußballfans mit Vorerkrankungen sind beim Mitfiebern besonders gefährdet. Spannung, Euphorie, Verzweiflung – so eine Meisterschaft ist schließlich ein ständiges Wechselbad der Gefühle. „Das ist eindeutig nachgewiesen. Jede starke emotionale Belastung führt dazu, dass das Risiko für Vorhofflimmern oder sogar einen Herzinfarkt zunimmt“, erklärt Terres. Dabei komme es natürlich sehr auf den Spannungsgrad an – bei dem 7:1 gegen Brasilien bei der WM 2014 oder dem Zittern bis zum Traumtor von Mario Götze in der 113. Minute des Finales war ein Anstieg von Infarkten deutlich spürbar, so der Experte.

Im AKH Celle selbst werden jedes Jahr 300 Menschen wegen eines Herzinfarktes behandelt. „Das sind im Schnitt 0,8 Infarkte pro Tag“, rechnet Terres vor. Für das Krankenhauspersonal seien die vermehrten Notfälle daher nicht wirklich spürbar – dafür ist Celle dann doch zu klein. „Wir sind aber immer für Notfälle gerüstet“, versichert der Chefarzt.

Und wie „rüstet“ sich der echte Fußballfan, der so viel Stress aufbaut, dass er es beim Zuschauen vor dem Fernseher kaum noch aushält? Einfach ausschalten und dann hören, wie die Nachbarn beim nächsten Tor jubeln oder schimpfen, ist schließlich auch keine zufriedenstellende Lösung. „Ebenso wenig, wie vorher autogenes Training zu machen“, meint Terres scherzhaft, wird aber schnell wieder ernst, wenn es ums Thema Rauchen geht. „Echte Fans greifen in akuten Stresssituationen vermehrt zur Zigarette.“ Dadurch werde auch kurzfristig die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt.

Weniger Sorgen machen müsse sich, wer in der nächsten Zeit beim Zuschauen ein paar Bratwürste mehr verspeist oder im Chaos der Gefühle auch mal eine ganze Chipstüte leert. „Die Ernährung ist ein Langstreckenlauf“, erklärt Terres. Erst wer jahrelang sündigt, bekommt gesundheitliche Probleme. Und nach der EM kann man ja schließlich wieder auf gesünderes Essen mit mehr Vitaminen und auf Apfelschorle statt Hefeweizen umstellen.

Auch wenn es schwer fällt, ein bisschen gelassener reagieren und mal zwischendurch tief ein- und ausatmen – das gibt der Celler Mediziner aufgeregten Fußballfans abschließend mit auf den Weg. Ansonsten: einfach genießen die nächste Zeit. Es sind ja nur vier Wochen.