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Fußball regional Celler Obdachlose holen Vizetitel
Sport Fußball regional Celler Obdachlose holen Vizetitel
14:07 06.08.2010
Celle Stadt

An der Rezeption des Kalandhofs reiht sich Pokal an Pokal. „Rund 15 Schätze stehen hier“, erklärt Ulrich Räbiger, nicht ohne Stolz. Sie gehören einer Mannschaft, die bereits bei vielen Turnieren überzeugen konnte – und für die der Fußball-Erfolg gleichzeitig eine große Bestätigung der eigenen Leistung ist.

Räbiger ist Trainer und Betreuer jener Celler Fußball-Mannschaft, die jetzt bei der Deutschen Meisterschaft im Straßenfußball der Obdachlosen den Vizetitel geholt hat. In Hamburg hatte das achtköpfige Kalandhof-Team auf der Reeperbahn sein Können auf dem Kleinfeld unter Beweis gestellt. „Das war ein klasse Turnier mit toller Stimmung und vielen Zuschauern“, sagt Räbiger. „In den Endrunden wurde Fußball auf sehr hohem Niveau gespielt.“

Und dabei hielt das Team aus Celle, das eine Spielgemeinschaft mit den Asphalt-Verkäufern aus Hannover bildet, gut mit. Bis zum Einzug ins Finale. „Das Spiel war spannend, da war richtig was los“, erklärt Räbiger. „Wir konnten lange Zeit mithalten, aber nach dem 5:3 war die Luft raus.“ Mit 7:3 wurde der Kalandhof von „Hannibals Erben“ des Drogenhilfevereins Odyssee aus Kiel geschlagen.

Der Vizetitel kam überraschend – und liefert deshalb umso mehr Grund zur Freude. „Wir haben mit dem zweiten Platz gar nicht gerechnet“, sagt Helge Möller. Der 47-Jährige, der seit 2008 für den Kalandhof spielt, erklärt: „Der Wille war natürlich da, aber es gehört immer auch eine Menge Glück dazu.“

Fußball ist für Möller seit vielen Jahren eine Freizeitbeschäftigung, doch seit der Zeit im Celler Kalandhof hat der Sport für den gelernten Zimmermann eine wesentliche Rolle eingenommen: „Beim Fußball bekomme ich den Kopf klar, da kann ich Ballast abwerfen.“ Ähnlich geht es seinem Mannschafts-Kollegen Sebastian Schellhase. „Ich mag Fußball. Außerdem fühlt es sich gut an, wenn man einen der vorderen Plätze belegt.“ Beide wollen im kommenden Jahr wieder bei der DM antreten. Und sie teilen auch ein privates Ziel: Arbeit finden.

Dass der Sport gleichzeitig eine große Motivation für seine Schützlinge ist, weiß auch Trainer Räbiger. „Fußball hat hier einen hohen Stellenwert. Er gibt den Jungs das Gefühl, Erfolg zu haben.“ Wichtig sei bei den Turnieren zudem die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. „Es ist gut, wenn die Menschen sehen, was diese Leute zu leisten in der Lage sind“, sagt Räbiger.

Trainiert wird im Kalandhof zurzeit nur unregelmäßig. „Uns fehlen unter anderem feste Hallenzeiten“, erklärt Räbiger. Dennoch reichte es in der Vergangenheit bereits zu einem Deutschen Meistertitel im Jahr 2008. Diesen Erfolg zu wiederholen bleibt ein Ziel des Kalandhofs – vielleicht sogar auf heimischem Boden. „So ein Turnier in Celle auszurichten wäre natürlich ein Traum“, sagt Räbiger.

Von Birte March