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Fußball regional Celler Politik sieht Notwendigkeit eines Kunstrasenplatzes
Sport Fußball regional Celler Politik sieht Notwendigkeit eines Kunstrasenplatzes
19:28 23.03.2018
Von Oliver Schreiber
Kunstrasen Quelle: Smileus
Celle

Celle. Das Problem ist also erkannt. Angesichts der prekären Haushaltslage wird der Ball bei einigen Parteien aber auch noch flachgehalten und erst einmal nur ein Kunstrasenplatz ins Spiel gebracht. Frei nach dem Motto: Wer soll das bezahlen? Differenzen gibt es bei der Frage, wer beim Bau den Hut auf hat: Stadt oder die Vereine selbst?

CDU-Ratsherr Joachim Ehlers, zugleich auch Vorsitzender des Sportausschusses, regt angesichts der hohen Anschaffungskosten von rund einer halben Million Euro den Bau eines Kunstrasenplatzes als Pilotprojekt an. „Wir können die Forderung nach Kunstrasenplätzen aus Sicht der Vereine nachvollziehen. Angesichts der desolaten Haushaltssituation ist der Bau eines solchen Platzes für die Stadt Celle derzeitig jedoch nicht umsetzbar, könnte aber in ein bis zwei Jahren konkret werden“, sagt Ehlers. Priorität als Standort habe Westercelle, vor allen wegen der hohen Anzahl an Jugendmannschaften. Dies sieht auch der Sportentwicklungsplan vor. Ob die Vereine mit Unterstützung oder in Kooperation mit der Stadt den Bau initiieren, werde in den politischen Gremien zu diskutieren sein.

Die SPD unterstützt laut ihrem Fraktionsvorsitzenden Patrick Brammer „die Kernaussagen des aktuellen Sportentwicklungsplanes in Sachen Kunstrasenplätzen. Das Problem ist nur, dass die Fraktionen Vorschläge machen und der Oberbürgermeister eine ganz andere sportpolitische Richtung vertritt. Die Irritationen und Missverständnisse der letzten Wochen sind uns da noch in nicht guter Erinnerung“, kritisiert Brammer. Ute Rodenwaldt-Blank, sportpolitische Sprecherin der SPD, hat Bedenken angesichts der finanziellen Not: „Auf Grund der schwierigen Haushaltslage stehen alle Forderungen unter Finanzierungsvorbehalt. Aus diesem Grund muss auch über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht werden.“ Sollte es zur Umsetzung des Kunstrasenplatz-Projektes kommen, „müssen die Vereine federführend agieren, allein um die verschiedenen überregionalen und regionalen Förderkulissen in Anspruch nehmen zu können“, betont Brammer. Die Standorte Westercelle und Nienburger Straße seien „eine gute Auswahl“.

Harald Range, sportpolitischer Sprecher der FDP, setzt auf die Eigeninitiative des Sports. „Die FDP hat nichts gegen zwei oder mehr Kunstrasenplätze. Die Spielpläne der Ligen müssen den geänderten Klimabedingungen und daraus resultierenden Platzbedingungen angepasst werden. Ist darüber hinaus Kunstrasen gewünscht, sind der DFB, der NFV und die Profivereine finanziell gefordert, denn sie profitieren von den Spielerinnen und Spielern der Amateurklubs. Die Stadt kann flankierend helfen, indem sie beispielsweise vorhandene Plätze zur Verfügung stellt“, meint Range.

Bündnis 90/Die Grünen erweitern die Debatte um Kunstrasenplätze um den Umweltaspekt. „Wir sehen die Not der Celler Vereine, da sie einen Nachteil gegenüber einigen anderen Vereinen in der Bezirksliga oder Landesliga haben. Ein Kunstrasenplatz, natürlich mit einem gesundheitlich unbedenklichem und umweltverträglichen Belag, wäre durchaus angemessen“, erklärt Ratsfrau Juliane Schrader. Sinnvoll sei es, „einen möglichst zentralen Platz für die Vereine zu schaffen, die sich sozusagen „einkaufen“ und zusammen mit Zuschüssen der Stadt und Fördermitteln von Land, Bund und DFB den Kunstrasenplatz entstehen zu lassen“. Es müsse dann einen Belegungsplan geben, der allen gerecht werde.

Udo Hörstmann, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Der Sportentwicklungsplan von SPD und CDU sah ja generell vor, den Vereinen in die Tasche zu greifen. In dem Plan war ja auch verankert, dass Kunstrasenplätze notwendig sind. Jetzt hat uns die Realität eingeholt. Wir sind dafür, dass das jetzt auch umgesetzt wird. Stadt und Vereine müssen das zusammen bewerkstelligen. Über welches Konstrukt das erfolgen soll, müsste man dann sehen.“

Auch die Linke/BSG plädiert für den Bau vorerst eines Kunstrasenplatzes. „Die Verwaltung muss auf Basis einer Kostenkalkulation Vorschläge machen und auch Modelle und Erfahrungen aus anderen Städten heranziehen“, meint Ratsfrau Behiye Uca, die bei der Errichtung der Plätze die Stadt in der Verantwortung sieht. „Auch die Kriterien für den günstigsten Standort sollte die Verwaltung ausfindig machen“, so Uca weiter.

Auf Input von außen setzt auch Torsten Schoeps, Vorsitzender der Wählergemeinschaft Celle und stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses. „Die beiden Kunstrasenplätze werden dringend benötigt. Das Sportgutachten steht Pate für dieses wichtige Anliegen. Da die Stadt mehr Eigenverantwortlichkeit der Vereine für die Platzanlagen anstrebt, wäre der Bau und Betrieb durch die Stadt sicherlich nicht in diesem Sinne. Nichtsdestotrotz sollte die Stadt Experten zur nächsten Sportausschusssitzung einladen, um Kosten und Nutzen auszuloten“, sagt Schoeps.

Kosten und Nutzen ist auch das Stichwort der AfD-Fraktion, die zu bedenken gibt, dass die schlechten Witterungsverhältnisse in dieser Saison nicht zwingend auf einen Bedarf an Kunstrasenplätze in der Zukunft schließen lassen. „Ob, in welchem Umfang und wo Bedarf an Kunstrasenplätzen in Celle besteht, müssen die Fußballvereine beurteilen. Sofern sie diesen sehen, müssen sie mit ihrem Anliegen an Politik und Verwaltung herantreten. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage in Celle müsste dann geprüft werden, ob es eine praktikable Lösung gibt. Dabei mag eine Mietlösung denkbar sein, falls eine Nachfrage besteht, die das Ganze wirtschaftlich nachhaltig für die Stadt macht“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Daniel Biermann.

Wenn es nach den Fraktionen im Stadtrat geht, dürfen sich die Celler Kicker berechtigte Hoffnungen machen, in naher Zukunft zumindest einen Kunstrasenplatz als Ausweichmöglichkeit zu haben. Und dann müssen die Blicke in den Himmel auch nicht mehr ganz so sorgenvoll sein.

An das Hinspiel gegen den FC Eintracht Northeim denkt Hilger Wirtz nur höchst ungern zurück. „Da sind wir nach einer Stunde total eingebrochen und haben uns fast wehrlos abschießen lassen“, erinnert sich der Cheftrainer des Fußball-Oberligisten MTV Eintracht Celle an die schmerzhafte 2:8-Pleite. Um daraus vor der Auswärtspartie am morgigen Sonntag um 14 Uhr auf Kunstrasen gleich einen unmissverständlichen Auftrag abzuleiten: „Wir wollen uns dafür natürlich rehabilitieren.“ Aus dem erfahrenen Leid wollen die Celler also Kraft schöpfen für die sportliche Revanche – und die Scharte auswetzen.

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