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Fußball regional Celler Ratsfraktionen bewerten Verlegung der Wohnmobile auf Herrenwiese unterschiedlich
Sport Fußball regional Celler Ratsfraktionen bewerten Verlegung der Wohnmobile auf Herrenwiese unterschiedlich
18:56 27.11.2017
Von Heiko Hartung
Celle

Weniger in der Sache selbst als vielmehr am formellen Ablauf: Man stehe dem geplanten Stellplatz auf der Herrenwiese positiv gegenüber, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Zobel. „Der Beschluss darf aber nicht zu Lasten der betroffenen Vereine gehen. Besser wäre es gewesen, die Vereine in den Prozess mit einzubeziehen, als sie zum Teil lediglich zu informieren. Augenblicklich ist entgegen der Aussagen der Verwaltung mitnichten für jeden Verein gesorgt. Hier wurde zu viel mit heißer Nadel gestrickt.“

SPD-Fraktion spricht von „Nacht-und-Nebel-Aktion“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jörg Rodenwaldt empfindet den in der vergangenen Woche im (nicht öffentlichen) Verwaltungsausschuss (VA) getroffenen Beschluss als „Nacht-und-Nebel-Aktion“. Ihm fehlte eine öffentliche Diskussion und die Behandlung etwa im Bau- oder Sportausschuss im Vorfeld der Entscheidung. Deswegen hatte die SPD-Fraktion die Absetzung des Punktes von der Tagesordnung des VA zwecks weiterer Beratung beschlossen. „Das gegenwärtige Ergebnis spricht Bände“, so Rodenwaldt. „In der Vergangenheit war es in Celle Usus, dass derartige Entscheidungen öffentlich diskutiert wurden, betroffenen Parteien sich äußern konnten und am Ende eines transparenten und demokratischen Entscheidungsprozesses eine nachvollziehbare und für die meisten akzeptierbare Lösung stand.“

CDU: Ratsmitgliederfortlaufend informiert

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Heiko Gevers betont, dass die gegenwärtige Situation der Wohnmobilstellplätze auf dem Schützenplatz ein „denkbar schlechtes Aushängeschild für Celle“ sei. Die jetzt vorgelegte Planung an der 77er-Straße, wo bis zu 60 Vehikel neben dem Badeland Platz finden sollen, sei hingegen geradezu ideal. „Das Beharren des SV Dicle auf der bisherigen Platzsituation ist nachvollziehbar, muss aber auch unter gesamtstädtischer Planung gesehen werden“, so Gevers, der betont, dass die Ratsmitglieder fortlaufend über die Entwicklung informiert worden seien.

Unabhängige: Dient demstädtischen Haushalt

Auch Udo Hörstmann (Die Unabhängigen) sieht die Ratsgremien während der Beratungen mit eingebunden und hält die Lösung für einen guten Kompromiss, „wenngleich die Investitionskosten (von 900.000 Euro, die Red.) zunächst sehr hoch erscheinen“. Langfristig würden die Wohnmobilstellplätze aber dem städtischen Haushalt dienen. Mit Blick auf den SV Dicle stellt Hörstmann fest: „Von einem Rauswurf oder ähnlichem kann hier nun wirklich nicht die Rede sein.“ Hörstmanns Parteifreundin Iris Fiß steht ebenfalls hinter dem Projekt und stimmte im VA zu.

Die Entwicklung auf der Herrenwiese kommt indes nicht wirklich überraschend. Tatsächlich empfiehlt der Anfang 2016 aufgelegte Sportentwicklungsplan für Celle, die beiden Rasenplätze an der Herrenwiese komplett aufzugeben, weil es im Sommer eine deutliche Überkapazität gebe. Einen Umzug nach Altenhagen lehnte der etwa 40 Mitglieder zählende kurdische Klub jedoch ab und stimmte zähneknirschend einem Kompromiss zu: Der SV Dicle behält den A-Platz, auf den die Flutlichtanlage umgesetzt wird und der Verein übernimmt die Kosten für den Unterhalt des Vereinsheimes. „Was blieb uns anderes übrig?“, fragte Dicle-Chef Emin Ekinci.

Das Problem: Mit dem 1. FC Celle und dem VfL Westercelle nutzen weitere Sportvereine die Herrenwiese mit mehreren Fußballteams – und die wissen noch nicht genau, was aus ihnen wird. Fakt ist: Der verbleibende Platz ist zu klein für alle derzeitigen Nutzer.

Stadt: Für jeden Verein Regelung finden

In einer Stellungnahme verspricht die Stadtverwaltung, für jeden der betroffenen Vereine eine Regelung zu finden. „Dem 1. FC Celle wurde in diesem Jahr für die gesamte Saison der HBG-Platz vollumfänglich zur Verfügung gestellt“, heißt es. Dort trainiert der Klub, die Punktspiele finden auf der Herrenwiese statt. Was die Stadt nicht sagt: Der HBG-Platz hat kein Flutlicht, ist also etwa seit Oktober zur üblichen Trainingszeit ab dem frühen Abend nicht zu nutzen. Zudem dürfen Fußballer nicht in die Umkleide- und Sanitärräume. Das verbietet der Landkreis als Schulträger, um erhöhte Reinigungskosten durch Verschmutzung zu vermeiden. Folge: Die zwei Herrenteams und eine Frauenmannschaft ziehen sich unter freiem Himmel um.