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Fußball regional Der „Beißer“ im 96-Mittelfeld
Sport Fußball regional Der „Beißer“ im 96-Mittelfeld
21:08 19.11.2010
Von Christoph Zimmer
Celle Stadt

Hinterher hat Sergio Pinto noch einen schönen Satz gesagt. „Mit meiner Leistung bin ich noch nicht ganz zufrieden, da ich auch einige Ballverluste hatte. Das möchte ich noch verbessern“, meinte der portugiesische Mittelfeldspieler von Hannover 96, nachdem er seine Mannschaft aus beinahe 30 Metern und dank der wundersamen Flugbahn des Balles zu einem 1:0 in Mainz geschossen und so der nach zwei Niederlagen und acht Gegentoren zuletzt wieder aufgekommenen Sorgen entledigt hatte.

Es ist eben diese Bescheidenheit, die sie nach den deutlichen Ergebnissen der Vorwochen nicht verzweifeln, nach einem Sieg beim aufregend in die Saison gestarteten Tabellenzweiten aber auch nicht abheben lassen. Diese Bescheidenheit ist neu im ansonsten durchaus aufgeregten Hannover – und hat mit dem Spiel von Sergio Pinto, 30, eigentlich gar nichts zu tun.

Denn er ist in Hannover so etwas wie die Erfindung des Körperkontakts, sieht sich selbst in erster Linie für die Spielverhinderung verantwortlich, geht im defensiven Mittelfeld an der Seite von Manuel Schmiedebach, 20, dahin, wo es wehtut. Was nicht nur für den Gegner schmerzhaft enden kann. Nach einem Pressschlag mit Pinto war für Michael Ballack von Bayer Leverkusen die Hinrunde und der Traum von der baldigen Rückkehr in die Nationalmannschaft erst einmal beendet, was aber nicht heißen soll, dass Pinto sich in seinem Spiel unerlaubter Mittel bedient.

Er geht aber auch mit sich selbst nicht gerade zimperlich um. In München musste er wegen eines Außenbandrisses ausgewechselt werden, was normalerweise eine Pause von mehreren Wochen bedeutet. Sergio Pinto stand nach sieben Tagen gegen Köln schon wieder auf dem Platz, nachdem er die Verletzung mit Blutegeln hatte behandeln lassen. Die Schmerzen waren auch nach der Einnahme von Schmerzmitteln noch nicht weg, aber für einen zähen Mittelfeld-„Beißer“ wie ihn gehören sie wie eine selbstverständliche Begleiterscheinung des Bundesligageschäfts einfach dazu.

Er sei ein ganz wichtiger Spieler, „der allen anderen zeigt, dass es wichtig ist, sich durchzubeißen“, lobte Mirko Slomka, der Trainer von Hannover 96, „wunderbar, dass er sich mit dem Tor selbst belohnt hat.“

Man wird ihm aber nicht gerecht, wenn man ihn nur auf die Spielverhinderung beschränkt. Denn in seinem früheren Fußballerleben war Sergio Pinto einmal Spielmacher, was nicht nur bei dem sehenswerten Tor, sondern auch bei der einen oder anderen gelungenen Spieleröffnung aufblitzte. Und es sieht so aus, als wäre es diese wunderbare Kombination aus defensiver Ordnung und offensive Freiheit, die ihn nach den vielen Verletzungen und Positionswechseln in seiner vierten Saison in Hannover endlich zu sich selbst und seinem Spiel hat finden lassen. Das kann er heute gegen den Hamburger SV erneut unter Beweis stellen.