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Fußball regional „Die Jugendspieler sind meine Kinder“
Sport Fußball regional „Die Jugendspieler sind meine Kinder“
11:13 22.03.2012
Heinrich Wiljes von der TS Wienhausen Quelle: Peter M¸ller
Wienhausen

Er ist das "Urgestein" Wienhausens: Heinrich Wiljes. Bis auf die Kriegsjahre verbrachte der 88-Jährige sein gesamtes Leben im Klosterort und ist der älteste männliche Ureinwohner des Dorfes. Durch eine schwere Knieverletzung, die er im Krieg erlitt, war für ihn intensive sportliche Betätigung nicht mehr möglich. Daher steckte er „jede freie Minute“ in die Organisation seines Vereins, der Turnerschaft Wienhausen.

„Es war schwer, plötzlich keinen Leistungssport mehr betreiben zu können“, blickt Wiljes zurück. Doch Aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Sein Motto lautete damals wie heute: „Wer rastet, der rostet“. 1947 war er einer der Initiatoren, die den Verein neu gründeten. Heute ist er Sozialwart und stellvertretender Jugendleiter. „Wir waren damals eine gute Gemeinschaft“, erinnert sich Wiljes, der Rudi Otto und Heinrich Brück hervorhebt. Es folgten zahlreiche Sparten-Engagements: Handball, Tischtennis und Jugendfußball waren seine Steckenpferde.

Für drei Jahre war er ab 1964 auch Vorsitzender der TSW. Wiljes‘ großer Einsatz blieb nicht unbeachtet: Für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten erhielt er 1997 das Bundesverdienstkreuz und wurde 2008 Ehrenbürger Wienhausens. Zudem ist er Ehren-Jugendwart und -Mitglied bei der TSW.

Nach Gründung des Vereins übernahm Wiljes die Funktion des Spartenleiters im Feldhandball. Aus Ermangelung einer geeigneten Halle in Wienhausen ging es drei Jahre später in der Burghalle mit dem Training weiter. Bis heute ein Ärgernis und ein Grund zum Kämpfen für ihn: „Wir brauchen eine große Halle“, fordert er. „Die Pläne dafür waren vorhanden.“

Parallel zur Handball-Tätigkeit engagierte sich Wiljes auch fürs Paddeln in Wienhausen. Doch der Paddelverein legte einen Fehlstart hin: „Leider wurden unsere Boote von britischen Besatzungskräften beschlagnahmt.“ Die Lösung: „Aus Protest haben wir uns dann unsere eigenen Boote gebaut.“ Damit nahmen die Paddelfreunde sogar an der Kreismeisterschaft teil.

Wenig später war mit dem Handball Schluss. Wiljes wandte sich Mitte der 50-er Jahre als Spartenleiter dem Tischtennis zu. „Jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr war das Training in der Gastwirtschaft Mühlengrund“, weiß der Wienhäuser noch heute.

Doch Wiljes leitete nicht nur die Geschicke, sondern packte auch mit an: Beim Bau des ersten Vereinsheims der TSW in den 50-ern half er aktiv mit. Auch den Neu-Anbau 1976 unterstütze der gelernte Installateur. Sogar am dritten Neubau vor fünf Jahren war Wiljes beteiligt – er sorgte für das Frühstück der Arbeiter.

Als 1952 die Fußballsparte der TSW gegründet wurde, dauerte es zehn Jahre, bis Wiljes dort als Jugendleiter aktiv wurde und den Tischtennis-Sport ruhen ließ. Diese Tätigkeit führt er bis heute als stellvertretender Jugendleiter weiter aus. Schon früher habe die Organisation viel Zeit in Anspruch genommen. „Meine Frau hat auch öfter mal gemurrt“, so Wiljes. In den knapp 50 Jahren erlebte er das Heranwachsen von drei Generationen an Jugendspielern, die der kinderlose Wiljes als Ersatz ansah: „Die Jugendkicker waren und sind meine Kinder“, sagt er heute.

Wiljes kann sich nicht von seinem Verein trennen. Sobald ein Spiel auf dem Sportplatz ansteht, ist Wiljes dort. Als Sozialwart kümmert er sich nun um die älteren Vereinsmitglieder, um sie bei besonderen Anlässen zu ehren. „Ich war immer für die Jugend da und bin es nun für die Alten“, sagt der Mann, dessen Herz an Wienhausen hängt.

Von Andre Batistic