Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Fußball regional Die Renaissance des „Regengottes“
Sport Fußball regional Die Renaissance des „Regengottes“
19:27 09.02.2010
Die Mühlensparer-Ferraristi: Karsten Aßmann, Ralf Hartmann, Bernd Michels, Andreas Rösch und Jörg Wilde (v.l.) schmeißen ihre roten Fan-Kombis in den Altkleiderdsack. Quelle: Peter Müller
Wathlingen

Ein echter Fan kann verzeihen, ist nicht nachtragend – obwohl: Was sich „der Michael“ im vergangenen Jahres erlaubt hat, war „unprofessionell“ und letztlich „sehr enttäuschend“, sagt Andreas Rösch mit ernstem Gesichtsausdruck, während er die rote Ferrari-Kappe auf seinem Kopf ein wenig hoch schiebt.

Die kleine Beziehungskrise zum Motorsport-Idol datiert vom September 2009. Formel-1-Legende Michael Schumacher sprach öffentlich von seinem Comeback im Ferrari-Cockpit beim Großen Preis von Monza – und sagte seinen Start kurzfristig wegen Nackenproblemen ab. Zu spät für Rösch und seine Freunde aus der Wathlinger Männerrunde „Die Mühlensparer.“ Die eingefleischten Schumacher-Anhänger hatten sich seinerzeit umgehend Karten für die Rückkehr des siebenfachen Weltmeisters organisiert und mussten anschließend mit ansehen, wie Rubens Barrichello und Jenson Button den Brawn-Doppelsieg auf der Hausstrecke der Scuderia feierten, ohne dass „der Michael“ auch nur eine Runde auf dem Kurs gedreht hatte.

Im März nun wird das Schumacher-Comeback Wirklichkeit, im Silberpfeil von Mercedes GP. „Einfach geil“ findet „Mühlensparer“ Bernd Michels die deutsch-deutsche Renngemeinschaft. Schließlich seien die gemeinsamen Formel-1-Aktivitäten seit 2006, dem Rücktrittsjahr Schumachers, bei den „Mühlensparern“ etwas „eingeschlafen“, wie Jörg Wilde gesteht. Bis dato hatte sich die aus Wathlingens Altherren-Fußballmannschaft entstandene elfköpfige Kneipen-Runde regelmäßig zu gemeinsamen Motorsport-Sonntagen getroffen. „Mit Frauen und Kindern etwa 30 Leute“, wie Wilde sagt, die dem rasenden Rheinländer – und vor allem ihm – die Daumen drückten. Eine alte Liebe, erklärt Karsten Aßmann: „Damon Hill gegen Michael Schumacher, da ging es eigentlich los, da wurde Schumacher ein Sympathieträger.“ 

Es waren aber nicht nur die harten Duelle des Kerpeners mit dem britischen Williams-Piloten Mitte der 90er-Jahre, die die „Mühlensparer“ zu Schumacher-Fans werden ließen. „Er ist ein sympathischer Typ“, findet Wilde. „Sein Kampfgeist, sein Siegeswille – er verkörpert deutsche Tugenden“, sagt Rösch. Wie seine zehn Mitstreiter hielt auch er an bei zahlreichen Schumacher-Festspielen strenge Kleiderordnung: Ferrari-Mütze, Ferrari-T-Shirt mit eingesticktem Namen am Kragen und eine rote Fleece-Jacke mit dem „Mühlensparer“-Schriftzug auf dem Rücken.

In dieser Uniform reisten die Wathlinger 2004 an den Hockenheim-Ring, um Schumi live zu sehen. Ein Höhepunkt in der „Mühlensparer“-Historie: Mit zwei Wohnmobilen fuhr die Truppe nach Hockenheim und machte im Fanlager ordentlich Stimmung. Sogar RTL wurde damals auf die Rotkappen aus Wathlingen aufmerksam und widmete ihnen ein paar Sekunden Sendezeit in seinem Formel-1-Bericht. Nicht erwähnt wurde dabei, dass es „Mühlensparer“ Aßmann beinahe gelang, Schumacher in die Augen zu sehen. „Ich bin über eine Bande im Fahrerlager geklettert und in die Box gegangen“, sagt Aßmann. Erst zehn Meter vor der Sekt trinkenden Renn-Ikone hätte das Sicherheitspersonal ihn freundlich an die Luft gesetzt.

Die Männer in Rot lachen und klopfen sich bei der Anekdote auf die Schenkel. – Mit der Renaissance des „Regengottes“, so scheint es, wird die Zeit ein Stück weit zurück gedreht. In seiner ersten Saison im Silberpfeil, so die Einschätzung der meisten, werde Schumacher schon einige Podestplätze einheimsen können. Und im nächsten Jahr, prophezeit Wilde, „kann er Weltmeister werden.“

Spätestens dann wollen die Schumi-Fans wieder an eine Rennstrecke fahren und ihren Fahrer anfeuern. Damit bleibt ihnen auch genügend Zeit, um die rote Ferraristi-Gaderobe gegen silberfarbene Kleidung einzutauschen.

Von Eike Frenzel