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Fußball regional Die letzten Tore kassiert er von seinen Kindern
Sport Fußball regional Die letzten Tore kassiert er von seinen Kindern
18:02 01.08.2010
Von Jürgen Poestges
Abschiedsspiel Jörg Oehus in der HBG Halle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Die 50. Minute war angebrochen in diesem Abschiedsspiel zwischen den „Jörg-Oehus-Allstars“ und dem Hanbdall-Oberligisten MTV Post Eintracht Celle. Die Hauptperson dieses Nachmittags in der HBG-Halle vor rund 300 Zuschauern hatte als Torhüter der Allstars einen Siebenmeter gegen sich verursacht: Und dann kam zunächst Sophie, die einen Heber über ihren Papa setzte und den Ball ins Tor warf. Und dann schoss Till seinen Fußball durch die Beine seines Vaters – und das war’s. Jörg Oehus hatte seine letzten beiden Gegntore durch seine Kinder kassiert und verließ das Feld. Seine Mitspieler, die MPE-Akteure und die Zuschauer verabschiedeten die Ikone im Celler Handball-Tor mit stehenden Ovationen. Und nun übermannten auch den 1,93-Meter die Emotionen. Er klatschte die Spieler ab, bedankte sich bei den Fans – und tauchte erst einmal ab.

Zuvor hatte der 40-jährige Oehus zunächst im MPE-Tor, danach im Tor der Einladungsmannschaft gezeigt, was er kann. Er packte die ein oder andere Parade aus, hielt auch manch einen vermeintlich Unhaltbaren. Und er ließ sich auch von der Schlitzohrigkeit seiner ehemaligen Mitspieler nicht oft aus der Ruhe bringen. „Das war ein toller Abschied, und ich glaube, wir haben den Leute auch ein gutes Spiel gezeigt“, meinte der Torhüter. Am Ende hatten die Allstars mit 40: 38 (18:16) die Nase vorne.

Und die Fans hatten ihren Spaß. Jens Häusler, Christopher Nordmeyer, Arne Rigterink, Dirk Seidler, Kai Hudalla, Immo Kresse – die Fans schwelgten in Erinnerungen. Und sie staunten, was die „alten Hasen“ noch so alles drauf hatten. Das tat im übrigen auch Alexander Grah, der MPE-Trainer. „Ich weiß doch, wie das ist. Ich hab auch schon ein paar Abschiedsspiele mitgemacht in so einem Allstar-Team. Die Jungs sind ehrgeizig und wollen es dem Nachwuchs noch mal zeigen.“ Martin Kahle, der „Cheftrainer“ der Allstars, war mit seiner Truppe zufrieden. „Wenn wir diesen Kader halten, dann spielen wir mindestens ums Platz drei mit2, meinte er lachend. Und wurde von Torhüter Dirk Seidler unterstützt: „Ich habe jetzt seit meinem Achillessehnen-Abriss vor einem Jahr nichts mehr gemacht. Dafür hat es noch prima geklappt. Ohne Training und zum ersten mal in dieser Besetzung – das hat echt Spaß gemacht.“

Und der Spaß stand dann auch im Mittelpunkt. Oehus, der lautstark an der Trainerbank über einen Mitspieler schimpfte, der „mal wieder vorbei geworfen“ habe und der schleunigst ausgewechselt werden sollte, die buchstäblich „blinden“ Zuspiele der Allstars am Kreis, die die MPE-Abwehr oft überraschte. Grah sah es gelassen: „Wir haben zum ersten Mal so zusammen gespielt. Die Neuzugänge waren vorher noch nicht dabei. Dafür war es in Ordnung.“

Abschieds-Splitter

In Erinnerungen schwelgten Torhüter Dirk Seidler und Rückraumspieler Christopher Nordmeyer, den man in Celle unter seinem Geburtsnamen Grah kennt. „Mann, vor 14 Jahren haben wir genau in dieser Halle um den Aufstieg in die 2. Liga gekämpft“, erzählte Nordmeyer. Und Seidler konnte sich noch gut daran erinnern, dass er im entscheidenden Spiel ausfiel, weil er sich im Trainings-Fußballspiel das Nasenbein gebrochen hatte. „Dirk Pauling und ich sind da mit den Köpfen zusammen geknallt.“

Constantin Tudosie, der beim Zweitligisten Nordhorn der Trainer von Jörg Oehus war („Er hat mir schnell beigebracht, dass die meisten Schmerzen seiner Meinung nach zum Handball dazu gehören und kein Grund sind, nicht am Training teilzunehmen!“) war nach dem Abschiedsspiel noch immer voll des Lobes für seinen ehemaligen Spieler. „Jörg war immer ein Guter. Nur hat er früher nicht so viel mit den Trainern diskutiert, wie er das heute macht“, meinte er schmunzelnd. Und ergänzte: „Ich hatte mir überlegt, noch mal ein bisschen mitzuspielen. Aber ich wollte meiner Mannschaft die Blamage ersparen.“

Ein Auszug aus dem kleinen Programmhaft, das Jörg Oehus für das Abschiedsspiel zusammen gestellt hat, betreffend Jens Häusler: „Mit dem ich das erste Mal in der „Fremde“ in einer WG in Nordhorn gewohnt habe. Wir haben sehr viel über die Verhaltensweise von Lebensmitteln in Verbindung mit Wärme und Zeit gelernt.“