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Fußball regional Eine fussballverrückte Familie
Sport Fußball regional Eine fussballverrückte Familie
22:28 11.09.2013
Verrückt nach dem runden Leder: (von links) Vater Michael Jakobson, Sohn Sören, Mutter Nicole und Tochter Svenja spielen, unterrichten und leben Fußball beim TuS Lachendorf. Sie schätzen den Spaß und die Gemeinschaft im Verein. Quelle: Foto:
Lachendorf

Am Ball und an der Pfeife, am Linienrand und auf dem Spielfeld – Familie Jakobson kennt den Fußball aus jeder Perspektive, die Leidenschaft für den Fußball zieht sich durch die gesamte Familie. Vater Michael (43) trainiert seit zwölf Jahren die Juniorinnen und pfeift für den TuS Lachendorf, sein Sohn Sören (17) ist seit Anfang Juli Haupttrainer der neuen C-Mädchenmannschaft und steht bei der 1. Herren im Tor und Tochter Svenja (16) ist Torhüterin der B-Juniorinnen. Zudem steht sie als Schiedsrichterin für die Damen-Oberliga und als Linienrichterin bei den 1. Herren auf dem Feld. Die Fäden im Hintergrund hält Mutter Nicole (43) zusammen. „Unsere Familie ist wirklich fußballverrückt“, sagt sie. Das sei neben dem normalen Beruf manchmal ganz schön anstrengend, aber vor allem mache es Spaß.

Wer glaubt, dass es bei den Frauen weniger hart zur Sache geht, als bei den Männern, wird von Trainer Michael eines Besseren belehrt. „Das ist hier kein Blumenpflücken“, sagt er. Da werde auch mal geschimpft und um jeden Spielzug gekämpft. „Die Mädels sind noch verbissener als die Jungs“, berichtet der 43-Jährige. Insgesamt sei es intensiver und emotionaler als im Jungstraining. „Es macht Spaß mit meinen Lachendorfer Mädels, irgendwie sind das alles meine Töchter. Wir sind eine wirklich starke Gemeinschaft“, so Jakobson.

Schwerpunkte im Training der Juniorinnen sind Taktik, Kondition, Koordination und individuelle Trainingseinheiten, um neue Spielerinnen schnell an die Stammmannschaften heranzuführen. Zur Weiterbildung gehören dann auch schon mal Besuche bei Frauen-Bundesligist VfL Wolfsburg, um deren Training und Spielweise zu studieren. Einen besonders großen Wert legt Trainer Michael auf Regelkunde, um diese auch zum Vorteil in Spielen nutzen zu können. „Da ist es sehr hilfreich, dass wir fünf ausgebildete Schiedsrichter im B-Team haben, die ihr Wissen immer wieder an die anderen weitergeben können“, so der Trainer.

Tochter Svenja ist eine davon. Später möchte sie als Leistungs-Schiedsrichterin eingesetzt werden. Dass man sich mit diesem Job nicht zum Liebling der Fans macht, hat sie bereits erfahren. „Bei den Herrenspielen kommen Sprüche wie ‚Ey, bist du echt so blond und blind?‘, aber da muss man drüberstehen“, sagt die 16-Jährige selbstbewusst. Sie fände es sogar witzig. „Ich ignoriere das meistens, zurückmaulen darf ich ja nicht.“ Um den Einstieg zu erleichtern, bekommen die jungen Schiedsrichter bis zum 18. Lebensjahr einen Paten zur Seite gestellt. Svenjas Pate ist schon 72 Jahre alt. „Der hat viel Erfahrung und hilft mir sehr“, sagt sie.

Ihr Bruder Sören ist davon überzeugt, dass es Frauen nicht leicht haben, Autorität auf dem Platz auszustrahlen. „Die müssen einfach mehr kämpfen, um wahrgenommen zu werden“, sagt der 18-Jährige. Svenja hat vor dieser Herausforderung keine Scheu. Sie hat ihre Schiedsrichterprüfung gemeinsam mit fünf weiteren Mädchen aus dem Verein mit null Fehlern bestanden.

Von David Sarkar