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Fußball regional Ersatzspieler Litti macht gute Figur in Celle
Sport Fußball regional Ersatzspieler Litti macht gute Figur in Celle
18:44 09.06.2017
Von Heiko Hartung
Celle Stadt

Celle. Große Unterhaltung mit kleinem Kicker: Etwa 450 Kunden der Sparkasse Celle haben am Donnerstag den Anekdoten des früheren Fußball-Profis Pierre Littbarski gelauscht. Eigentlich war der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, Lothar Matthäus, als Stargast vorgesehen, doch sein Flieger aus Sardinien hatte Verspätung. Kurzerhand sprang „Litti“ als „Ersatzspieler“ ein. Als Chefscout des Bundesligisten VfL Wolfsburg hatte der 57-Jährige eine kurze Anreise in die Alte Exerzierhalle – und Fußball-Weltmeister sind sie schließlich beide. Matthäus war Spielführer, Littbarski Außenstürmer der WM-Helden von 1990. Immerhin: Matthäus sendete eine Sprachnachricht als Grußbotschaft nach Celle.

„Wenn mein Kapitän ruft, bin ich zur Stelle“, scherzte der nur 1,68 Meter große Ausnahmespieler (406 Bundesligaspiele, 116 Tore für 1. FC Köln). Im Gespräch mit Moderator Peter-Michael Zernechel gab der Weltenbummler (unter anderem Japan und Australien) etliche Geschichten aus seiner langen Karriere preis.

Littbarski über ...

... seine Arbeit als Spielerbeobachter: „Ich habe in Wolfsburg die drei Alphatiere Klaus Allofs, Dieter Hoeneß und Felix Magath als Chefs überlebt. Und es gibt Freikarten für die Champions League – ein schöner Job.“

... die Kunst des Verlierens: „Kann ich gar nicht. Als Kind habe ich meiner Oma die Würfel an den Kopf geworfen und mich auf dem Boden gewälzt. Als uns Diego Maradona (Argentiniens Fußball-Legende, die Red.) im WM-Finale 1986 den Weltpokal weggeschnappt hat, hätte ich ihn am liebsten umgebracht.“

... seine zweite Heimat Japan: „Anfangs war es schwer, die Kultur zu verstehen. Aber meine extreme Ungeduld von früher ist dort einer Gelassenheit gewichen. Außerdem sind die Japaner so klein wie ich und ich habe dort meine zweite Frau kennen gelernt – ein tolles Land.“

... seine schlimmste Niederlage: „Ich habe zwei WM-Finals verloren (1982 und 1986, die Red.) – das tut schon weh. Aber einmal habe ich eine Stunde lang im Hotelzimmer mit einem Tennisball gegen Toni Schumacher gekickt – und verloren. Im Fußball gegen einen Torwart zu verlieren ist wirklich hart.“

... seinen Spitznamen: „Als Junge in Berlin-Wilmersdorf hieß ich ,Pike‘, weil keiner Pierre aussprechen konnte. In Köln hat der Trainer gesagt: Du heißt jetzt ,Litti‘. Das steht wohl auch auf meinem Grabstein: ,Hier liegt Litti‘.“

... den VfL Wolfsburg: „Seit 2010 bin ich da – und eigentlich immer glücklich. Dann kam die vergangene Saison (der VfL wurde Drittletzter, musste in die Relegation, die Red.). Glücklicherweise sind wir nicht an Braunschweig gescheitert (Raunen im Saal).

... den FC Bayern: „Es wäre gut, wenn mal jemand anders Meister werden würde. Meinetwegen Hoffenheim oder Leipzig (wieder ein Raunen). Vielleicht bewerbe ich mich auf den Sportdirektorposten in München. Dann würde ich wenigstens mal wieder Spiele gewinnen (lacht).“

... seinen schlimmsten Gegenspieler: „Mein erstes Bundesligaspiel, ich bin 18 Jahre. Wir spielen gegen Kaiserslautern. Auf einmal steht ein Verteidiger vor mir. 1,90 Meter hoch, 1,90 Meter breit. Es war Hans-Peter Briegel. Ich kam mit dem Ball an allen vorbei – nur nicht an der ,Walz aus der Pfalz‘.“

... das WM-Finale 1990 gegen Argentinien (1:0): „Kurz vor Ende, es gibt Foulelfmeter für uns. Matthäus sollte schießen, aber seine Schuhsohle war kurz zuvor durchgebrochen. Er hatte ganz neue Schuhe an, fühlte sich unsicher und schob Andreas Brehme nach vorne. Es gibt aber noch einen Grund: Brehme ist nicht mit Nervosität ausgestattet. Den weckst du nachts um drei und der haut das Ding mit Badelatschen rein. Lothar wusste das. Wir anderen haben überrascht getan, aber uns war allen klar, dass er ihn reinmacht.“ Brehme machte ihn rein – „Litti“ & Co. waren Weltmeister.