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Fußball regional Ewiger Kampf gegen Maulwürfe
Sport Fußball regional Ewiger Kampf gegen Maulwürfe
19:28 04.09.2013
Vor jedem Heimspiel des MTV Beedenbostel kreidet - Platzwart Rudolf Franke die Linien neu. Besonders die Maulwürfe - machen dem 75-Jährigen auf dem Platz zu schaffen. Quelle: Alex Sorokin
Beedenbostel

An die leuchtenden Kinderaugen erinnert sich Rudolf Franke noch ganz genau. Sie waren Motivation und Antrieb für ihn, ganze 34 Jahre lang. So lange war Franke Kassenwart und Vorstandsmitglied beim MTV Beedenbostel. Immer wenn Kinder als Kreis- oder Bezirksmeister geehrt wurden, ob beim Fußball, Judo oder auch in der Inliner-Sparte, freute sich der 75-Jährige. „Die Kinder waren so stolz, weil sie was tolles erreicht hatten. In diesen Momenten hat man den ganzen Frust vergessen“, sagt Franke.

Mit Frust meint Franke die immer wiederkehrenden Diskussionen um Beitragserhöhungen. „Am Ende haben wir es aber jedes Mal durchgezogen“, berichtet er. Obwohl es meist nur um vier bis fünf Euro Mehrkosten pro Jahr ging, wurde auf den insgesamt 34 Hauptversammlungen, an denen Franke teilnahm, oft heiß diskutiert. „Einige Mitglieder drohten mit Vereinsaustritt, aber wir konnten sie immer wieder beruhigen“, sagt Franke. Wenn alles teurer werde, führe eben auch an einer Beitragserhöhung kein Weg vorbei. Es sei manchmal ein schwieriger Posten gewesen. Aber aus Liebe zum Vereinssport habe er ihn gerne gemacht.

Die Nähe zum Verwaltungswesen kommt nicht von ungefähr. Als „Flüchtlingskind“, wie er sagt, kam er 1945 von Frankfurt an der Oder nach Beedenbostel. Nach drei Jahren Arbeit als Maurer in Hannover heuerte Franke 1960 bei der Bundeswehr an und ließ sich für vier Jahre in Lüneburg verpflichten. In seiner Truppe als Rechnungsführer tätig, absolvierte er in der Bundeswehrfachschule auch eine Verwaltungsausbildung und arbeitete anschließend mehr als 40 Jahre als Verwaltungsangestellter beim Landkreis Celle.

In Lüneburg entdeckte Franke auch die Liebe zum Sport. Um zum Feldwebel befördert zu werden, musste er das Goldene Sportabzeichen erwerben. „Da packte mich der Ehrgeiz und ich begann zu trainieren“, so Franke. Er bekam das Abzeichen und schaffte es bis zum Hauptfeldwebel. In Lüneburg fand er auch die Liebes seines Lebens, Helga Knoop, mit der er heute gemeinsam in Beedenbostel lebt. Sohn Michael ist als Pressewart im Verein tätig, Sohn Thomas arbeitet als Bühnentechniker im Celler Schlosstheater.

Als Kassenwart war Franke sehr beliebt, wurde insgesamt siebzehn Mal wiedergewählt. Doch 2008 gab er das Amt des Kassenwartes ab, den Vorsitz bereits 2005. „Ich möchte jetzt als Rentner etwas mehr Zeit haben“, sagt er. Engagiert im Verein ist Franke trotzdem. Seit 2002 arbeitet er als Platzwart beim MTV. Vor jedem Heimspiel ist Franke für die Beregnung des Fußballplatzes zuständig und kreidet die Linien neu. Wenn der Rasen in sattem Grün erstrahlt, ist der Platzwart glücklich: „Das ist unsere grüne Oase in Beedenbostel“, sagt er über den Fußballplatz, der ihn rund drei bis vier Stunden in der Woche beschäftigt.

Ärgerlich wird Franke dann, wenn der Rasen mutwillig beschädigt wird. „Vor einigen Jahren sind Leute abends mit Autos über den Platz gefahren und haben ihn ramponiert. Da haben wir sogar die Polizei gerufen“, erzählt er. Leider habe diese die Täter nicht fassen können. Beschädigt wird der Rasen auch durch zahlreiche Maulwürfe. Das sei eben die Natur, sagt Franke. Da so jedoch kein Fußballspiel stattfinden kann, müssen die Hügel jede Woche aufs Neue eingeebnet werden. Das sei ärgerlich, aber nicht zu ändern.

Große Freude hat Franke an seinen zwei Enkelkindern, die genauso sportbegeistert sind wie er. Enkelin Ida (6) macht Gymnastik und Tim (13) ist Fußball-Torwart beim TuS Lachendorf. Zusammen mit Tim lief er zweimal beim Wasa-Lauf mit. „Gemeinsam mit ihm zu laufen ist eine große Freude“, erzählt Franke. Mittlerweile scheint der Enkel sogar über den Opa hinauszuwachsen. „In diesem Jahr kam Tim vor mir ins Ziel“, erzählt der 75-Jährige. Tim habe sich zum Opa umgedreht und gesagt: „Du warst ja schnell Opa, aber ich war schneller.“

Von David Sarkar