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Fußball regional Familienausflug mit Spitzensport: Gut Rixförde Poloclub siegt bei Heimturnier
Sport Fußball regional Familienausflug mit Spitzensport: Gut Rixförde Poloclub siegt bei Heimturnier
11:42 06.06.2017
Von Heiko Hartung
Rixförde

GUT RIXFÖRDE. Nicht mehr als eine etwa 30 Zentimeter hohe Bande und ein paar Meter Sicherheitsabstand trennt die beiden Welten. Auf der einen jagen zwei mal vier Spieler auf ihren Pferden im vollen Galopp mit bis zu 60 Stundenkilometern hinter einem kleinen Kunststoffball her und versuchen ihn mit langen Schlägern zwischen zwei rot-weißen Pfosten hindurchzutreiben. Von den Hufen herausgerissene Grasstücke wirbeln durch die Luft, der Ball erreicht bei den satten Schlägen Geschwindigkeiten von 220 Stundenkilometer und fliegt bis zu 30 Meter hoch durch die Luft.

Auf der anderen Seite sitzen Familien und Freunde ganz relaxed auf Picknickdecken und riesigen roten Kissen, nippen am typisch britischen Aperitif Pimm‘s und naschen Erdbeeren im Sonnenschein„Das ist Polo, wie es sein soll: dynamischer Sport und entspannter Familienausflug, weit entfernt von elitärem Altherrenimage“, sagt Max Bosch. Der 26-Jährige wandelte an diesem Pfingstwochenende zwischen diesen Welten. Als Gastgeber und Präsident des Gut Rixförde Poloclubs trug er Sorge, dass sich die etwa 800 Zuschauer auf dem Anwesen seiner Familie wohlfühlten. Als Spieler in einem von zwei Teams des zwischen Ovelgönne und Fuhrberg gelegenen Gutshofs kämpfte er um den Siegerpokal.

Und es lief optimal für den deutschen Nationalspieler. Max Bosch, seine Freundin Laura Gissler-Weber, Philippa Luserke sowie Nationalteam-Kollege Heinrich Dumrath besiegten im Finale am Montagnachmittag das Hauptstadtteam „Los Berlinosos“ mit 4:3 nach Verlängerung. Zwei Tore gingen auf das Konto von Max Bosch, der entscheidenden Treffer im fünften Spielabschnitt (Chukka) gelang Dumrath. Bereits im Halbfinale am Tag zuvor hatte Bosch junior seine Schwester im club- und familieninternen Duell bezwungen. Der 27-jährigen Sabrina Bosch blieb mit dem Team Rixförde II immerhin der dritte Platz unter acht Teilnehmern aus Deutschland und den Niederlanden.

Die Ursprünge des Sports liegen in Asien. Mitte des 19. Jahrhunderts brachten die Briten den „schnellsten Mannschaftssport der Welt“ aus Indien nach Europa. Heute gilt Argentinien als stärkste Polo-Nation. Die Pferde sind spezielle Züchtungen. Die Tiere mischen die Eleganz und Schnelligkeit der englischen Vollblutpferde mit der Gelassenheit und Robustheit des Chriollos, eines argentinischen Arbeitspferdes – perfekt für den dynamischen und kampfbetonten Sport.

Die Zuschauer genossen die unbeschwerten Tage in Rixförde. Für Barbara Barclay-Stuart aus Burgdorf war es das erste Poloturnier. „Ich bin fasziniert von der Disziplin der Reiter und vor allem der Pferde. Das Flair auf diesem Platz mitten im Wald ist traumhaft. Ein echter Geheimtipp“, schwärmte die 64-Jährige, die mit einer 50-köpfigen Gruppe der Hannoversch-Britischen Gesellschaft angereist war. Dass sie die Regeln nicht genau kennt, war nicht schlimm: Über Lautsprecher erklärte Moderator Hugh Pierson das Geschehen auf dem 274 mal 146 Meter großen Spielfeld. Eine Erkenntnis: „Anders als beim Fußball gibt es beim Polo kein Abseits – eine wunderbare Errungenschaft“, so Pierson. Zwischen den „Chukkas“ bat der Experte die Zuschauer zum sogenannten „Tritt-in“, bei dem ausgerissene Rasenstücke wieder festgetreten werden. „Aber bitte das Grüne nach oben“, scherzte Pierson.

Susanne Bade aus Celle und Martin Hahn aus Boye hatten ihre Picknickdecke dabei, auf der sich Köstlichkeiten wie ein britischer Fischsalat mit Brathering und Seelachsfilet stapelten. „Schöne Atmosphäre, hier ist alles völlig entspannt“, freute sich die 55-Jährige. „Anders als bei anderen Turnieren ist es hier noch nicht so überlaufen“, pflichtete ihr Begleiter (63) bei.

Erst seit dem vergangenen Jahr werden auf dem 2014 angelegten Poloplatz, zuvor ein Maisfeld, größere Turniere veranstaltet. Doch bei den Aktiven hat sich das Gut Rixförde bereits einen hervorragenden Ruf erarbeitet. „Das ist einer der besten Plätze in Deutschland. Sehr robust und absolut eben. Da verspringt kein Ball“, urteilt Maike Hölty vom Frankfurter Polo Club. Die 31-Jährige ist gerade mit der Damen-Nationalmannschaft Dritte bei der Europameisterschaft in Frankreich geworden. Dass es für sie und ihr Team in Rixförde nur zum vorletzten Platz gereicht hat, fand Hölty nicht schlimm. „Das Niveau war hier höher als bei der Damen-EM. Ich habe viel gelernt.“

Für Max Bosch geht nach dem langen Wochenende die Arbeit gleich weiter: Der Klubchef ist nämlich gleichzeitig als „Greenkeeper“ für den Rasen verantwortlich. Und im Juli steht das nächste hochkarätig besetzte Turnier in Rixförde auf dem Programm. „Bis dahin muss das Geläuf wieder in perfektem Zustand sein“, so Bosch.