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Fußball regional "Frauenfußball ist im Kommen"
Sport Fußball regional "Frauenfußball ist im Kommen"
15:57 24.06.2011
Celler Volunteers: Bei der Frauen-Fußball-WM im eigenen Lande sind Wilhelm Lilje und Brigitte Friedrich als freiwillige Helfer im Einsatz. Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Brigitte Friedrich und Wilhelm Lilje aus Celle fiebern förmlich dem Sonntag entgegnen. Dann sind beide bei der Eröffnung der Fanmeile in Wolfsburg dabei - sie arbeiten als freiwillige Helfer, sogenannte Volunteers, bei der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft.

Für die fußballbegeisterten Helfer ist es die erste Frauen-WM. Beide sind erfahrene Volunteers: Sie waren bei der Herren-WM im eigenen Lande 2006 dabei und auch bei EM in Österreich und der Schweiz - Friedrich in Wien und Lilje in Innsbruck. Friedrich war zusätzlich noch bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin im Einsatz. „2006 war toll. Das war wirklich ein Sommermärchen“, sagt Lilje. Die 54-Jährige Friedrich stimmt ihm zu. Die Leichtathletik-WM sei dafür ganz anders und „auch ein Erlebnis gewesen“.

Beide arbeiten in Wolfsburg als Teamleiter im Gästeservice und haben jeweils einen Bereich im Stadion, für den sie verantwortlich sind. Dazu haben sie ein Team von zwölf Leuten, das sie dirigieren. Ihre Aufgaben: Sie arbeiten dem Ordnungsdienst zu - etwa beim Sicherstellen von gefälschten Tickets, weisen Zuschauern ihre Plätze zu und beobachten die Fanblöcke. „Wir gehen auf die Fans zu und helfen ihnen“, verdeutlicht Lilje, der extra Urlaub genommen hat. 90 Personen sind diesmal bei der WM im Gästeservice im Einsatz. „Bei der WM 2006 waren es 360“, so der 48-Jährige. Insgesamt seien in Wolfsburg 300 Volunteers aktiv, an allen Spielorten sind es laut FIFA-Angaben rund 3000. „Diese sind unter 15.000 Bewerbern ausgewählt worden“, so Lilje.

Das erste Spiel, bei dem Friedrich und Lilje zum Einsatz kommen, ist am kommenden Montag: Mexiko gegen England. Die Volunteers werden am Stadion zwei Ringe bilden. Am ersten verteilen sie Infohefte und am zweiten weisen sie den Fans dann die Plätze an. Die weiteren Spiele für die beiden Celler sind am 3. Juli bei Brasilien gegen Norwegen, am 6. Juli bei Schweden gegen USA und am 9. Juli beim Viertelfinale. Zu den Spielen pendeln sie zwischen Celle und Wolfsburg: Lohn oder eine Unterkunft bekommen die Volunteers nicht. Dafür erhalten sie die Ausrüstung mit T-Shirt, Anzug und Schirmmütze, ein Zugticket, Verpflegung und können ein von Sponsoren zusammengestelltes Kulturprogramm mitmachen - etwa eine Besichtigung des VW-Werkes oder einen Ausflug auf den Brocken. In Wolfsburg haben die Helfer sogar ein eigenes Volunteer Center, das ihnen als Anlaufstelle dient.

„Die Volunteers sind wie eine Familie. Auch nach den Einsätzen werden die Kontakte aufrechterhalten“, so Friedrich. „Es herrscht ein großer Zusammenhalt“, bestätigt Lilje. Er freue sich immer mit den Leuten, wenn sie ins Stadion kämen. Friedrich genießt besonders die „Hintergrundatmosphäre“ und die Möglichkeit, ständig neue Leute kennenzulernen.

Beide erhoffen sich eine Wiederholung des Sommermärchens aus 2006. „Die Euphorie wird kommen“, ist sich Lilje sicher. „Viel hängt von den ersten Ergebnissen der deutschen Mannschaft ab“, so Friedrich. „Frauenfußball ist im Kommen“ - auch wenn es momentan noch weniger Fanmeilen und mediales Interesse als bei den Männern gebe.

Friedrich und Lilje tippen beide auf eine Finale Deutschland gegen USA. „Vielleicht redet auch Brasilien noch ein Wörtchen mit“, so Lilje. Dann sind die Celler Volunteers aber nicht mehr live dabei. In Wolfsburg ist für sie die Arbeit nach der Viertelfinal-Partie getan.

Von Paul Gerlach