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Fußball regional Fußball-Hochzeit in Celle findet nicht statt
Sport Fußball regional Fußball-Hochzeit in Celle findet nicht statt
00:15 08.05.2015
Außerordentliche Mitgliederversammlung des TuS Celle FC Quelle: Alex Sorokin
Wietzenbruch

„Wir haben keinen Sinn mehr gesehen, mit der Sitzung fortzufahren“, sagte Jörg Klindworth nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung des TuS Celle FC gestern Abend in der Wietzenbrucher Gaststätte „Zum Alten Kanal“. Der Dritte Vorsitzende und Sportliche Leiter des TuS FC selbst hatte nach gut einer Stunde den Antrag auf Abbruch gestellt, dem die Mehrheit der etwa 50 anwesenden Stimmberechtigten entsprach.

Damit findet der zur kommenden Saison geplante Anschluss des TuS Celle FC an die Fußballabteilung des MTV Eintracht Celle nicht statt. „Bis zum 15. Mai hätte der Abspaltungsvertrag von beiden Klubs unterschrieben beim Niedersächsischen Fußballverband vorliegen müssen. Diese Frist ist nicht mehr einzuhalten“, erklärte Klindworth. „Das Ding ist durch“, bestätigte auch der Vorsitzende Peter Hoop, der sich an diesem Abend bewusst im Hintergrund hielt. „Sonst wäre die Stimmung explodiert“, so Hoop, der von den Fusionsgegnern schon im Vorfeld als Hauptschuldiger der Misere ausgemacht worden war.

Die Versammlung, zu der neben der aktuellen Mannschaft mitsamt Trainer auch etliche frühere Aktive und Weggefährten wie die ehemalige Klubchefin Brigitte Friedrich gekommen waren, hatte mit 15-minütiger Verspätung begonnen: Am Eingang gab es Diskussionen über die Stimmberechtigung einiger Gäste.

Nach der Eröffnung folgte gleich der erste Paukenschlag. Fusionsgegner Benjamin Stammen verlas eine gegen den Vorstand gerichtete Rüge, weil die Einladung einen Tag zu spät veröffentlicht wurde. „Drei Anwälte haben bestätigt, dass alle Entscheidungen der Versammlung nichtig sind, weil gegen die Ladungsfrist verstoßen wurde“, so das TuS-Mitglied. Die Sitzung hätte damit nach wenigen Minuten beendet werden können.

Doch der Vorstand gab vielen der insgesamt rund 75 Anwesenden Gelegenheit, ihrer Verärgerung Luft zu machen. Ex-Spieler Florian Schenk nutzte die Gelegenheit als Erster. „Wer ein Ehrenamt übernimmt, muss ein Konzept haben und sich mit der Historie auseinandersetzen“, warf der Enkel des verstorbenen TuS-Ehrenpräsidenten Günther Volker Hoop und Co. vor. Er rief dazu auf, einen „letzten Rettungsversuch“ zu starten.

Wolfgang Lidle, der vor zweieinhalb Jahren nach Differenzen mit Hoop aus dem Vorstand ausgeschieden war, warnte davor, „die Identität des Vereins aufzugeben“. Schon die Fusion zwischen MTV und Eintracht sei misslungen. „Warum sollte es jetzt mit uns funktionieren?“ Gegenüber der CZ gab Lidle an, bei einem Neuanfang bereit zu sein, Vorstandsaufgaben zu übernehmen.

Zwischenrufe wie „So kann man mit seinen Mitgliedern nicht umgehen“ oder „Tradition verpflichtet“ waren Ausdruck der emotional geführten Aussprache. Doch auch wenn die Versammlung zwischenzeitlich unübersichtlich wirkte, drohte die Stimmung nie zu eskalieren.

Dazu trug auch Norbert Busch bei. Der Beisitzer und langjährige Gönner des Vereins stellte sich schützend vor Hoop und Klindworth, indem er die Attacken aus dem Plenum zu parieren versuchte. „Es ist ein trauriger Abend“, gab Busch zu. „Doch wir müssen uns für die Zukunft und gegen das Herz entscheiden. Wenn man für die Tradition nicht arbeitet, bleibt sie eine Worthülse.“ Der TuS Celle FC sei zu klein für eine erfolgreiche Zukunft.

Das sehen jedoch einige Mitglieder anders. Stammen will nun „zeitnah“ den Antrag auf eine weitere außerordentliche Versammlung stellen. Dafür braucht er laut Satzung die Unterschriften von 20 Prozent der Klubmitglieder. Klindworth kündigte an: „Am 30. Juni endet das Geschäftsjahr. Bis dahin machen wir weiter – es sei denn, der jetzige Vorstand wird auf der nächsten Versammlung abgewählt.“

Hoop räumte ein, dass er enttäuscht sei über das Ergebnis des Abends. „Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die meisten Spieler, Mitglieder und Sponsoren dem TuS FC den Rücken kehren und sich dem MTV Eintracht anschließen werden. Nur der Name TuS FC wird weiter existieren.“ Und genau darauf kommt es den meisten Fusionsgegnern an.

Von Heiko Hartung und Christopher Menge