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Fußball regional Gekommen um zu bleiben
Sport Fußball regional Gekommen um zu bleiben
19:32 17.06.2012
Von Christoph Zimmer
nils rogge Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Auf einmal hatte es Jianni Evagelopoulos eilig. Nur wenige Sekunden nach dem gelungenen Oberligaaufstieg schlich sich der Physiotherapeut des TuS Celle FC von hinten an Trainer Uwe Hicksch heran und ließ ihn ausgiebig im Eiswasser aus seiner Kühlbox duschen. „Das ist ein großartiger Erfolg“, sagte Hicksch und fuhr sich mit der Hand durch seinen grauen Oberlippenbart, aus dem das Wasser heraustropfte, „aber ein paar Zweifel habe ich schon, ob wir bereits in der nächsten Saison in der Oberliga spielen können.“

Es war der Moment, in dem er einen Blick in seine aufgewühlte Gefühlswelt erlaubte. Da waren die große Erleichterung und die Vorfreude, auf die bevorstehenden Aufstiegsfeierlichkeiten und die Oberliga. Einerseits. Andererseits hatte genau in diesem Augenblick die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. „Wir müssen die ganze Sache seriös angehen und gucken, was wir machen müssen.“

Dennoch wollte der Trainer „erst einmal durchatmen“. Was nach einer ohnehin schon harten und langen Saison in den vergangenen Wochen alles geschehen sei, „ist schon an die Substanz gegangen. Da ist auch eine gewisse Leere.“ Nach der ausgiebigen Feier im Stadion, die bis Mitternacht andauerte, wollte er von Fußball nichts mehr wissen und ließ den Abend mit Freunden bei einem Glas Rotwein ausklingen.

Dass er dabei abschalten und einigermaßen entspannen konnte, lag auch daran, dass die Personalplanungen für die neue Saison bereits vor dem entscheidenden Relegationsendspiel „weitgehend abgeschlossen“ waren, wie der dritte Vorsitzende Gert Stieler erklärte. Anfang der Woche sollen Manuel Brunne (von Landesligist Ramlingen) und Hakan Toku (von Oberligist Langenhagen) ihre Verträge bei ihrem alten, neuen Arbeitgeber unterscheiben und die Mannschaft in der Spitze verstärken. „Durch ihre große Erfahrung werden sie uns sportlich sicherlich sofort weiterhelfen“, ist sich Hicksch sicher.

Erfahrung, genau die hat ihnen im Spiel gegen Braunschweig gefehlt, als sie nach der Führung durch Kais Manai häufig naiv und nervös agierten. Im Spielaufbau wurden immer wieder leichtsinnig die Bälle verloren. Dadurch brachte sich die Mannschaft immer wieder selbst in Bedrängnis, weshalb sich die Celler am Ende auch ein bisschen in die Oberliga duselten. „Da müssen wir abgeklärter werden und gucken, dass wir als Mannschaft sauberer stehen“, sagt Hicksch. In der vergangenen Saison kassierte TuS im Schnitt lediglich ein Gegentor pro Spiel. Aber in der Oberliga warten ganz andere Gegner auf den Aufsteiger. „Das ist schon ein anderes Pflaster“, ahnt Hicksch. Da werde man nicht in jedem Spiel drei Tore schießen. Aber die Mannschaft sei „selbstkritisch genug. Die Spieler wissen, dass sie nicht alles richtig gemacht haben.“ Außerdem müsse man mehrere Systeme beherrschen. Auf jeden Fall stehe ihnen eine schwere Saison bevor. „Da brauchen wir gar nicht groß durchdrehen, für uns kann es nur um den Klassenerhalt gehen.“ Langfristig wolle man sich aber in der Oberliga festsetzen.

Fragezeichen stehen lediglich noch hinter Angreifer Marco Kirsch und Mittelfeldspieler Kais Manai. Beide haben nach dem Spiel erklärt, dass sie „gerne bleiben“ würden. Dass sie für die Mannschaft mit ihrer Ausstrahlung und Erfahrung auf dem Platz, aber auch mit ihren fußballerischen Qualität auch in der neuen Saison wichtige Schlüsselspieler sein können, haben sie bewiesen. Er wäre „froh, wenn ich sie behalten würde“, sagt Hicksch. Er sagt aber auch: „Es muss für uns auch finanziell machbar sein.“ Das heißt nicht, dass die beiden Spieler aberwitzige Forderungen hätten. In dieser Woche sollen Gespräche geführt werden.

Dann wird Hicksch in der Sonne liegen. Gestern ging der Flieger nach Mallorca, nach dem aufregenden Saisonfinale will er eine Woche abschalten. Anfang Juli beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison – in der Oberliga.

CELLE. Die gute Nachricht zuerst: Nils Rogge ist gestern wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. „Ein bisschen brummt der Schädel noch, aber mir geht es wieder gut“, sagte der rechte Mittelfeldspieler des TuS Celle FC. Er war die tragische Figur im entscheidenden Relegationsspiel am vergangenen Freitag.

Nach einem schweren Zusammenprall verlor er das Bewusstsein, musste fünf Minuten auf dem Platz behandelt und in der 35. Spielminute ausgewechselt werden. Diagnose: schwere Gehirnerschütterung. Außerdem erlitt er mehrere Prellungen im Gesicht, musste im Mund genäht werden. „Dass es beim einsnull geblieben ist und wir aufgestiegen sind, habe ich von meiner Freundin erfahren.“ In der Notaufnahme.

Aus der Kabine haben ihn seine Mitspieler angerufen, ihm gute Besserung gewünscht und vom Oberligaaufstieg berichtet. Auf einem Plakat, das die Celler Ultras vor dem Spiel hochgehalten haben und das seinen Namen trägt, haben alle Spieler und Verantwortliche unterschrieben – gegen Mitternacht hängten es Betreuer Jianni Evagelopoulos und ein Fan am Fußende seines Krankenbettes auf. Sie waren die ersten von vielen Besuchern. „Eigentlich war die ganze Mannschaft da“, sagt Rogge.

Ein bisschen enttäuscht ist er natürlich schon, „dass ich den Aufstieg nicht im Stadion feiern konnte“. Aber auf das Aufstiegsshirt musste er nicht lange warten. Marianne Stieler brachte es ihm am Sonnabendmorgen mit einer Ehrenmedaille des Vereins vorbei.