Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Fußball regional Gerhard Pengel vom TuS Eschede: Vollgas auf dem roten Trecker
Sport Fußball regional Gerhard Pengel vom TuS Eschede: Vollgas auf dem roten Trecker
16:51 19.12.2013
Gerhard Pengel in seinem Element: Mit seinem „roten Flitzer“ hält „Emil“, wie - sie ihn beim TuS Eschede nennen, die Rasenplätze des Vereins in Schuss. Quelle: Alex Sorokin
Eschede

Wer sich in Eschede nach Gerhard Pengel erkundigt, muss sich auf fragende Gesichter einstellen. Obwohl Pengel seit seiner Geburt 1946 in dem 3799 Einwohner zählenden Dorf lebt, kennen ihn viele nur unter dem Namen „Emil“. Seit zwölf Jahren ist „Emil“ Pengel Platzwart des TuS Eschede und kümmert sich Woche für Woche darum, dass der Rasen grün und die Grashalme kurz bleiben. Auch die stets frisch gekreideten Spielfeldlinien sind sein Verdienst. Wie er zu seinem Spitznamen kam, weiß der 67-Jährige selbst nicht so genau. „Den habe ich schon, seitdem ich zwei Jahre alt bin“, sagt er und lacht verschmitzt. Die anderen Kinder im Dorf hätten ihn so genannt. Mittlerweile tun es alle.

An seine Kindheit in Eschede erinnert sich Pengel gerne. Aufgewachsen mit zwei Brüdern und zwei Schwestern auf dem Bauernhof seiner Mutter, war er tagtäglich von Hühnern, Schweinen und Kühen umgeben. „Das war wunderbar. Ich war immer an der frischen Luft und wir haben den ganzen Tag draußen gespielt“, erzählt Pengel. Geschlachtet wurde auf dem Pengelschen Hof noch selbst. „Da hat die Wurst wenigstens noch nach Wurst geschmeckt“, sagt der Ur-Escheder. Lachfalten ziehen sich durch sein Gesicht, doch schon früh bekam Pengel auch die Schattenseiten des Lebens zu spüren.

Es war 1961, die Volksschule hatte Pengel gerade beendet, da kippte er bei einem Spaziergang um. Ihm wurde schwindelig und er schlug sich den Kopf auf dem Asphalt auf. „Ich war erschrocken, weil ich nicht wusste was los ist. Das kam ja aus heiterem Himmel“, erzählt Pengel. Mittlerweile weiß er was los ist. Epilepsie brachte ihn zum Sturz, eine Krankheit, die sich durch spontan auftretende Krampfanfälle äußert. „Ich habe gelernt damit umzugehen, es gehört zu meinem Leben dazu“, sagt er heute.

Neben der Arbeit auf dem Bauernhof entwickelte Pengel früh eine Leidenschaft für den Sport. Direkt nach der Schulzeit trat er in die Fußballsparte des TuS Eschede ein. In der A-Jugend angefangen, stand er 30 Jahre lang als „knallharter Verteidiger“ auf dem Platz. Heute befährt Pengel den Platz nur noch – mit seinem roten Rasenmäher. „Den habe ich vor einigen Jahren bekommen. Mit meinem roten Flitzer macht die Arbeit noch mehr Spaß“, schwärmt Pengel.

Der rote Trecker ist zu seinem Markenzeichen geworden. „Wenn wir den roten Trecker sehen, wissen wir: Emil kniet sich wieder mächtig rein für den Klub“, erzählt Sportwart Sascha Kasimir. Kasimir weiß, was der Verein an Pengel hat: „Unser Emil ist so viel mehr als ein Platzwart. Er ist jeden Tag im Einsatz und hat neben der vielen handwerklichen Arbeit auch immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Spieler.“ Mit Geld könne man die Arbeit gar nicht aufwiegen, die Pengel im Verein leistet, ergänzt Fußball-Spartenleiter Peter Schmoll.

Nach dem Tod seiner Frau, die vor zwölf Jahren an Nierenversagen starb, hat „Emil“ als Platzwart eine neue Aufgabe gefunden. „Ich fühle mich gut. Der Verein ist für mich wie eine zweite Familie“, sagt er und steigt wieder auf seinen Trecker. Der Rasen wartet.

Von David Sarkar