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Fußball regional Handball-Bundesliga: Manager des SVG Celle stellt sich hinter Trainer Kahle
Sport Fußball regional Handball-Bundesliga: Manager des SVG Celle stellt sich hinter Trainer Kahle
20:54 17.03.2015
Von Christopher Menge
Martin - Kahle Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Die Euphorie war groß, als Handball-Bundesligist SVG Celle im November gegen die Füchse Berlin und eine Woche später in Trier gewann. Acht Punkte standen zu dem Zeitpunkt auf dem Konto, doch seitdem ist kein einziger Zähler dazugekommen. Nach der klaren 23:28-Niederlage gegen Göppingen steckt der SVG Celle in akuter Abstiegsnot. „Wir haben in den Spielen im November mit viel Leidenschaft und Teamgeist gespielt“, sagt Trainer Martin Kahle, „unsere fehlende Qualität haben wir durch eine gute Abwehr- und Torhüterleistung sowie eine starke Teamleistung kompensiert – diese Faktoren sind nicht mehr da.“

Der Trainer wird deutlich: „Die mannschaftliche Geschlossenheit ist nicht da, in unserem großen Kader bilden sich Grüppchen, jeder ist sich selbst am nächsten – das sind denkbar schlechte Voraussetzungen, denn wir können die Klasse nur als Einheit halten.“ Er habe diese Problematik bereits intern angesprochen. „In der nächsten Woche sind die Vertragssituationen klar – dann gibt es keine Ausreden mehr.“

Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Leistungsträgerinnen derzeit ihrer Form hinterherlaufen und die Niederlagenserie am Selbstbewusstsein nagt. „Nach zwei bis drei Fehlwürfen gehen bei uns die Köpfe runter“, sagt Kahle, der die Situation mit der des SC Paderborn in der Fußball-Bundesliga vergleicht, „die sind in der Hinrunde an ihre Leistungsgrenze gegangen – jetzt passiert da ähnliches wie bei uns. Alle bereiten sich extrem auf uns vor. Die Schwachpunkte werden gnadenlos ausgenutzt.“

Kahle will eine Mannschaftssitzung anberaumen, sobald Mieke Düvel und Silvia Szücs von ihren Nationalmannschaftslehrgängen zurück sind und Susanne Büttner ihre Krankheit überstanden hat – er wird an den Teamgeist appellieren.

Aber nicht nur die Mannschaft steht nach der neunten Niederlage in Folge in der Kritik – auch der Trainer wird in der Öffentlichkeit in Frage gestellt. „Ich überprüfe mich auch selbst und habe in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt“, sagt Kahle, „aber wenn ich morgens in den Spiegel gucke, weiß ich, dass ich alles dafür tue, dass der Verein in der ersten Liga bleibt.“ Das sieht auch der SVG-Geschäftsführer Bernd Bühmann so, der sich ohne wenn und aber vor seinen Trainer stellt. „Martin Kahle bleibt unser Trainer“, betont Bernd Bühmann, „und er soll auch in der nächsten Saison unser Trainer bleiben – egal in welcher Liga.“ Sobald die Gespräche mit den Spielerinnen abgeschlossen sind, soll der Vertrag mit Kahle verlängert werden. Der Trainerwechsel sei richtig gewesen. „Viele kennen den Hintergrund nicht richtig, aber ich stand vor der Wahl, vier bis fünf Leistungsträgerinnen oder den Trainer zu verlieren – deswegen habe ich die Entscheidung so getroffen.“

Druck spürt aber auch der Geschäftsführer. „Wir sind mit unseren Spielen nicht zufrieden“, sagt Bühmann, der aber noch an den Klassenerhalt glaubt, „wir standen in der ganzen Saison nicht auf einem Abstiegsplatz und tun es auch jetzt nicht. Wir müssen zwei bis drei Spiele gewinnen – das wird schwierig, aber ist nicht ausgeschlossen.“ Das Spiel gegen Trier müsse auf jeden Fall gewonnen werden, zudem seien zum Beispiel in Berlin und gegen Bad Wildungen Punkte möglich.

Aber auch ein Abstieg wäre kein Beinbruch, auch wenn Bühmann sein Ziel, irgendwann international zu spielen, nicht aus den Augen verliert. „Alle Spielerinnen haben Verträge für die erste und zweite Liga“, sagt Bühmann, „in der jetzigen Situation von Europa zu reden ist Spinnerei, aber es bleibt das Ziel.“ Dafür muss sich in finanzieller Hinsicht aber noch einiges tun. Während Göppingen im Winter nochmal über 100.000 Euro auf den Tisch legte, um sich zu verstärken, und einen Etat von 1,23 Millionen Euro hat, stehen dem SVG Celle nicht einmal 400.000 Euro pro Saison zur Verfügung. Doch das spielt in den kommenden Wochen keine Rolle. Da geht es nur darum, die erste Bundesliga in Celle zu erhalten.