Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Fußball regional Handball-WM in Celle - nur ein Traum
Sport Fußball regional Handball-WM in Celle - nur ein Traum
20:18 27.02.2015
Handball, Länderspiel, Frauen: Deutschland - Rumänien am 29.11.2014 in Krefeld (Nordrhein-Westfalen). Deutschlands Kerstin Wohlbold (l) kommt zum Torwurf. Foto: Roland Weihrauch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: Roland Weihrauch
Celle Stadt

Eine E-Mail vom Deutschen Handballbund (DHB) hat beim Celler Frauen-Bundesligisten SVG Euphorie ausgelöst – die allerdings nicht lange anhielt. Der nationale Verband kann sich Celle als Austragungsort der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen vorstellen, die 2017 in Deutschland ausgespielt wird. Bewerbungen müssen bis 15. Mai eingereicht werden. Der DHB will die Partien der 24 Mannschaften an Spielorte „mit Begeisterung für den Frauenhandball“ vergeben. Das ist in Celle, wo der SVG seit Jahren ein Publikumsmagnet ist, der Fall. Woran es mangelt, ist eine WM-taugliche Sporthalle.

Doch gerade an diesem Punkt sieht man beim SVG die Chance, den vorhandenen Plänen von Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) hinsichtlich des Baus einer neuen Mehrzwecksporthalle in unmittelbarer Nähe zum Celler Badeland einen Extra-Schub zu geben. „Ein WM-Standort Celle würde den Frauenhandball in der Region voranbringen. Aber auch die Stadt würde sehr viel mehr Öffentlichkeit bekommen“, sagt SVG-Geschäftsführer Bernd Bühmann. Erst WM, dann neue Heimat für die SVG-Handballerinnen – und das bereits in zwei Jahren: ein Traum für die Macher beim Bundesliga-Aufsteiger. Und das wird es wohl auch bleiben.

„Die Notwendigkeit einer Multifunktionssporthalle steht für mich außer Frage. Wir haben für die Planung vom Rat 30.000 Euro für dieses Jahr genehmigt bekommen. Am guten Willen fehlt es also nicht. Die Vorstellung, wir könnten uns als Ausrichterstadt für die Damen-Handball-WM 2017 bewerben, ist sehr verlockend“, sagt Oberbürgermeister Mende, erteilt vorschnellen Gedankenspielen aber gleichzeitig eine Absage: „Selbst wenn alle politischen Beschlüsse bereits auf dem Tisch lägen, selbst wenn wir das Gesamtkonzept bereits in trockenen Tüchern hätten, selbst wenn wir eine Bauleitplanung im gestreckten Galopp durcheilen würden: Bis zur WM wäre die Halle sicher nicht schlüsselfertig.“ Außerdem habe der DHB schon bei der Bewerbung für die Vorrunde als Anforderung eine Zuschauerkapazität von mindestens 3000 Plätzen festgelegt. Für die Hauptrunde erwarte er mindestens 5000 Plätze. „Das ist für eine Stadt unserer Größe dann doch nicht darstellbar. Ich habe immer für 1.500 Zuschauerplätze plädiert, das erscheint mir auch bei einem dauerhaften Spielbetrieb in der ersten Liga ein ausreichendes Angebot“, so Mende.

Damit befindet sich der Verwaltungschef auf einer Linie mit der Politik: „Grundsätzlich begrüßen wir eine neue Halle – schon allein als Ausgleich für den geplanten Abriss der Nordwallhalle. Aber die Stadt darf sich nicht hinreißen lassen, überstürzt Geld auszugeben, das nicht vorhanden ist“, sagt Jürgen Rentsch, SPD-Fraktionsvorsitzender im Celler Stadtrat.

Wie Rentsch sieht auch CDU-Fraktionschef Heiko Gevers schon den Zeitfaktor als K.o.-Kriterium. Zudem weist Gevers auf die Probleme bei der Nachnutzung hin: „Ein paar WM-Spiele in Celle wären eine schöne Sache, aber wer soll den Unterhalt einer überdimensionierten Halle bezahlen?“

„Nicht verführen lassen“ wollen sich auch die Bündnisgrünen: „Für ein einmaliges Sportevent die Kasse so zu belasten, wäre unverantwortlich gegenüber dem Steuerzahler“, sagt Stadtrats-Fraktionsvorsitzender Bernd Zobel.

„Wenn wir eine entsprechende Halle hätten, könnten wir hier schön was aufziehen“, meint Bühmann zwar mit einem Anflug von Wehmut, aber er ist auch Realist. „Wir als SVG Celle können uns nicht hinstellen und sagen: Wir brauchen so eine Halle bis 2017“, sagt der 62-Jährige und denkt einen Schritt weiter: „Vielleicht besteht die Möglichkeit, Celle als Trainings- und Wohnort einer für die WM qualifizierten Mannschaft ins Gespräch zu bringen.“ Dass Celle die Gastgeberrolle perfekt beherrscht, hat die Herzogstadt bereits bewiesen: 2006 bei der Fußball-WM, als die Nationalmannschaft von Angola hier wahrhaftig „zu Gast bei Freunden“ war.

Von Heiko Hartung und Uwe Meier