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Fußball regional Kais Manai spielt jetzt „Feuerwehr“
Sport Fußball regional Kais Manai spielt jetzt „Feuerwehr“
16:14 10.11.2010
Von Jürgen Poestges
Celle Stadt

Dienstag, 17.45 Uhr. Es wird still in der Kabine vor dem Training des Fußball-Bezirksligisten TuS Celle FC. Trainer Peter Gronau hat der Mannschaft gerade mitgeteilt, dass er zurück tritt. „Da herrschte schon trübe Stimmung“, erzählt Mannschaftskapitän Marvin Stieler. „Er hatte ja schon mal die ein oder andere Andeutung gemacht, aber wir hatten nicht unbedingt damit gerechnet.“ Und er ergänzt: „Ich glaube, wenn es nicht so eine wichtige Saison für uns wäre, dann hätte er es zu diesem Zeitpunkt nicht gemacht.“

Auf jeden Fall sei es aber ein Weckruf für die Mannschaft gewesen. „Das hätte eigentlich schon das Remis zu Hause gegen Walsrode sein müssen, aber da ist es bei einigen wohl noch nicht angekommen“, so Stieler. Jetzt wisse aber jeder, dass es nun in der Hand der Mannschaft liege, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. „Wenn wir nicht aufsteigen wäre das wohl das Aus für den Verein.“

Es gilt, in die Erfolgsspur zurück zu kommen. Stieler: „Die individuellen Blackouts, die immer zu den Gegentoren geführt haben, müssen aufhören. Und wir müssen lernen, auch mal mit einem 1:0-Erfolg zufrieden zu sein.“ Als zu Beginn der Saison regelmäßig jeder Gegner fünf Treffer eingeschenkt bekam, sei auch aus dem Umfeld der Druck gewachsen. „Da hieße es dann nach einem 1:0, das war ein schlechtes Spiel. Und da haben wir uns selber zu sehr unter Druck gesetzt.“

Nun soll Kais Manai als Zwischenlösung herhalten. Und er will auf jeden Fall auf der Bank sitzen. „Es hat keinen Sinn, selber zu spielen, wenn man auch Trainer ist. Man sieht einfach zu wenig vom Spiel, wenn man selber dabei ist.“ Er sieht es auch nicht als Manko an, dass er im Team fehlt. „Wir haben genug erfahrene Spieler, die die Lücke füllen können“, glaubt er. Marco Kirsch zum Beispiel sei einer, der auch die „Zehner-Position“ ausfüllen könne.

„Das dies alles ausgerechnet vor dem Derby beim SV Nienhagen passiert, ist etwas unglücklich“, gesteht Manai. „Aber wir werden nun in der Woche daran arbeiten, dass wir vor allen Dingen die Fehler in Abwehr und Mittelfeld minimieren.“ Es seien zuletzt immer nur kleine Sachen gewesen, die zu Gegentoren geführt hätten. „Wir haben fast immer mindestens zwei Tore erzielt, das hat aber zuletzt nie für einen Sieg gereicht.“ Man müssen den Spielern vor allen Dingen die Angst vor Fehlern nehmen. „Sonst verkrampfen sie nur. Und das hilft uns nicht weiter. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, und dann kommen wir wieder auf die Erfolgsspur zurück.“

Der TuS-Vorsitzende Peter Hoop wurde ebenfalls überrascht. „Es gab von Seiten des Vorstandes überhaupt keinen Druck in diese Richtung. Im Gegenteil, wir haben uns überlegt, wie wir helfend eingreifen können.“ Er habe aber Respekt vor der Entscheidung. „Das ist aller Ehren wert. Wenn Peter Gronau der Meinung ist, er kann die Mannschaft nicht mehr reichen, dann muss er die Konsequenzen ziehen.“ Allerdings hätte er sich gewünscht, dass Gronau vielleicht zumindest bis zur Winterpause weiter gemacht hätte. „Ich finde, er hat da die Situation des Vereines zu wenig in seine Entscheidung mit einbezogen. Wo sollen wir mitten in der Saison einen neuen Trainer herbekommen?“

Die Suche nach einem Nachfolger läuft indes auf vollen Touren. „Wir wollen natürlich in einer, höchstens zwei Wochen den neuen Mann auf der Bank haben“, sagt der 3. TuS-Vorsitzende Gert Stieler, der für die sportlichen Belange zuständig ist. „Uns ist klar, dass ein Kais Manai im Team fehlt. Aber wir wollen jetzt auch nichts übers Knie brechen.“ So könne und wolle er auch noch keine Namen nennen. „Letztlich war es für uns alle ja schon überraschend. Wirklich vorbereiten konnten wir uns auf diese Situation nicht.“

Kommentar

Trainer-Suche, die nächste Runde! Auch in der Bezirksliga ist es das alte Spiel beim TuS Celle FC. Nur die Gründe sind nun andere: Man ist am eignene Anspruch gescheitert.

Dabei wäre es falsch, die Schuld nur bei Peter Gronau zu suchen. Auch die Mannschaft muss erkennen, dass es nicht ausreicht, sich vor der Saison selber auf den Favoriten-Thron zu setzten und sich dann von Woche zu Woche als Tabellenführer feiern zu lassen. Zum Abheben besteht kein Grund: Man ist abgestiegen – und wir reden hier über die Bezirksliga. Viel tiefer geht es nicht mehr.

Nun wartet auf den neuen Trainer die schwere Aufgabe, das Team wieder in die Spur zu bringen. Der TuS Celle FC ist nach wie vor der große Favorit in der Liga. Und mit diesem Kader wäre alles andere als der Aufstieg nicht vertretbar. Nur: Es muss aus den Köpfen der Aktiven heraus, dass sie die Allergrößten sind. Denn das sind sie mitnichten. Jetzt müssen sie Taten sprechen lassen.

In Sachen Gronau-Nachfolge darf jetzt erst einmal munter spekuliert werden: Kommt Uwe Hicksch zurück? Ohne Trainer-Job ist derzeit auch Rolf Klindtworth.... Jürgen Poestges

Nachgefragt bei: Peter Gronau

Nach zwei Niederlagen in Folge und dem Abrutschen auf den dritten Tabellenplatz hat Peter Gronau, der Trainer des Fußball-Bezirksligisten TuS Celle FC, seinen Rücktritt erklärt.

Herr Gronau, wann ich bei Ihnen die Entscheidung gereift, zurück zu treten?

Ehrlich gesagt habe ich vor zwei oder drei Wochen schon einmal darüber nachgedacht. Aber dann gab es Aussprachen mit der Mannschaft, ich dachte, die haben uns weiter gebracht. Nach der 4:5-Niederlage gegen den MTV Soltau stand die Entscheidung aber eigentlich fest. Auch, wenn ich zunächst noch mal eine Nacht darüber schlafen wollte. Aber ich habe einfach gemerkt: Ich bin mit meinem Latein am Ende, habe kein Ass mehr im Ärmel.

Wie hat die Mannschaft auf ihren Rückzug reagiert?

Ich hatte den Eindruck, die Spieler waren geschockt. So richtig hatte da wohl niemand mit gerechnet.

Was ist denn letztlich der Hintergrund für Ihren Rückzug?

Es ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Ich habe von den Jungs immer 100-prozentigen Einsatz gefordert, sowohl in den Spielen als auch beim Training. Das hat eine Weile gut geklappt, aber zuletzt hatte ich den Eindruck, ich könnte viel erzählen, würde aber nicht mehr an jeden Spieler herankommen. Und dann muss man als Trainer eben die Konsequenzen ziehen.

Anspruch und Wirklichkeit: War es vielleicht ein Fehler, sich selber zum Favoriten zu machen und die Spieler unter diesen Druck zu setzen?

Wir waren uns alle einig, dass wir den Abstieg als Betriebsunfall angesehen haben, den es möglichst schnell zu beheben gilt. Ich wollte diesen Klub wieder nach oben bringen, mein Herz hängt schon am TuS FC. Ich hatte sechs bis zehn Punkte in meiner Rechnung , die wir bis zur Winterpause abgeben, da lagen wir noch im Soll. Es hat auch überhaupt nichts mit der Tabellensituation zu tun. Aber wenn ich merke, dass nicht umgesetzt wird, was ich als Trainer vorgebe, dann höre ich auf. Das hätte ich auch als Tabellenführer gemacht.