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Fußball regional Keine Probleme durch Mindestlohn im Celler Sport
Sport Fußball regional Keine Probleme durch Mindestlohn im Celler Sport
19:18 11.02.2015
Von Oliver Schreiber
Bernd - Bühmann Quelle: Herbert Utermöhlen
Celle Stadt

Das Mindestlohngesetz hat in Deutschland hohe Wellen geschlagen – im Celler Sport herrscht eher stille See. „Die Auswirkungen sind gering. Wir haben nur einen etwas höheren Verwaltungsaufwand, finanziell hat sich für uns nichts verändert“, sagt Rolf Peter Nieber, Geschäftsführer des MTV Eintracht Celle, dem zusammen mit dem VfL Westercelle größten Sportverein in Stadt und Landkreis (aktuell 2153 Mitglieder).

Beim MTVE sind sechs Personen vom Mindestlohngesetz betroffen. Der Klub musste lediglich leichte Anpassungen in den Arbeitsverträgen vornehmen, zudem ist die Dokumentation der geleisteten Arbeitsstunden etwas aufwendiger als zuvor. „Grundsätzlich haben wir durch das Mindestlohngesetz keine Probleme“, so Nieber.

Auch die kleinen Klubs gehen gelassen mit dem Thema Mindestlohn um. „Wir haben natürlich alles genau überprüft. Für uns ändert sich nichts. Bei uns betrifft das den Platzwart sowie die Reinigungskraft. Aber die lagen ohnehin schon über dem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, daher hat das Gesetz für uns keine Relevanz“, erklärt Andreas Ziegner, Vorsitzender des Tennis-Clubs Wathlingen (142 Mitglieder).

Der Celler Kreissportbund hat die Vereine in Seminaren über die Auswirkungen des Mindestlohngesetzes informiert. „Für die Vereine ist es in erster Linie wichtig, dass ihre ehrenamtlich tätigen Übungsleiter sowie ehrenamtlich tätige Mitarbeiter vom Mindestlohngesetz nicht betroffen sind. Aufpassen müssen die Vereine nur bei den von ihnen eingestellten 450-Euro-Kräften. Aber auch da werden in der Regel keine größeren Probleme auf die Celler Sportvereine zukommen“, erläutert KSB-Geschäftsführerin Sigrid Müller.

Allerdings ist die genaue rechtliche Situation noch nicht abschließend geklärt. Nach der Kritik zum Mindestlohngesetz aus dem Vereinswesen hat der zuständige Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales über eine so genannte Beschlussempfehlung aber sichergestellt, dass es für den Bereich des Ehrenamtes eine Ausnahmeregelung gibt.

Der Empfehlung zufolge liegt eine ehrenamtliche Tätigkeit dann vor, wenn „sie nicht von der Erwartung einer adäquaten finanziellen Gegenleistung, sondern von dem Willen geprägt ist, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Liegt diese Voraussetzung vor, sind auch Aufwandsentschädigungen für mehrere ehrenamtliche Tätigkeiten, unabhängig von ihrer Höhe, unschädlich“.

Auch Amateur- und Vertragssportler fielen nicht unter den Arbeitnehmer-Begriff, „wenn ihre ehrenamtliche sportliche Betätigung und nicht die finanzielle Gegenleistung für ihre Tätigkeit im Vordergrund stehen“, heißt es in dem Text weiter.

Genau hier gibt es aber eine Grauzone. Die betrifft in erster Linie den Fußball – allerdings erst ab einer für Celle nicht relevanten Liga. Beim ranghöchsten Klub, Landesligist TuS Celle FC, werden laut Vorsitzendem Peter Hoop nur Aufwandsentschädigungen gezahlt. „Niemand hat einen Vertrag. Das sind ehrenamtliche Spieler“, so Hoop.

Anders sieht es allerdings zwei Klassen höher in der Regionalliga aus. Die dort angestellten Vertragsamateure dürften wohl kaum ehrenamtlich dem Ball nachjagen, denn dort beginnt schon der Profi- oder zumindest Halbprofibereich. Allerdings werden dort bereits Summen gezahlt, die weit jenseits der 450-Euro-Grenze liegen – vor allem bei den Reserveteams der Bundesligisten VfL Wolfsburg, Hamburger SV, Werder Bremen oder Hannover 96.

Unter Profibedingungen trainieren auch die Damen von Handball-Bundesligist SVG Celle. Geschäftsführer Bernd Bühmann hat einen Steuerberater eingeschaltet und sich bei der Berufsgenossenschaft erkundigt. Demnach hat auch der SVG keine Probleme mit dem Mindestlohngesetz. „Wir mussten nur ein, zwei kleine Nachbesserungen bei Verträgen vornehmen. Wenn man die Trainingsstunden sowie die Spiele aufs Jahr hochrechnet, lagen wir mit unserer Vergütung eh immer schon über 8,50 Euro pro Stunde. Ein Problem hätten wir nur, wenn die Fahrten zu den Auswärtsspielen und zum Training als Arbeitszeit gelten würden. Dies ist aber nicht der Fall“, sagt Bühmann.