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Fußball regional Kritik an ersatzlosem Wegfall der Nordwall-Halle
Sport Fußball regional Kritik an ersatzlosem Wegfall der Nordwall-Halle
14:25 10.07.2017
Von Heiko Hartung
Celle

„Wir suchen ganz dringend Hallenzeiten. Wir können unseren Trainingsbetrieb kaum noch aufrecht erhalten. Wir teilen uns teilweise mit drei Mannschaften eine Trainingszeit“, posteten die Handballer des SV Altencelle bei Facebook. Deren Präsident Horst-Walter Rumey meint: „Eine waghalsige Behauptung, da zum Beispiel der SVA sogar Hallenzeiten bei der Lebenshilfe anmieten muss.“ Und ein Nutzer des sozialen Mediums, der sich Lukas Poknirb nennt, sagt: „Ich finde es dreist und frech von der Stadtverwaltung nur auf freie Zeiten zu schauen ohne darüber nachzudenken, ob eine Nutzung zu diesen Zeiten überhaupt möglich ist. Fakt ist, dass alle Vereine – vor allem im Winter, wenn für die Fußballer die Hallensaison ansteht – massive Probleme haben. Wenn dann auch noch Hallen gesperrt werden müssen (wegen Sanierungen, wie jetzt z.B. die Nadelberghalle), gibt es weitere Probleme“, so Poknirb und ergänzt: „In ein paar Jahren soll auch die Altstädter Turnhalle zurückgebaut werden. Dann fallen wieder Hallenzeiten weg.“

In der Diskussion auf Facebook verweist die Stadt Celle darauf, dass die Nordwall-Halle „keine vollwertige Sporthalle“ sei: „Ballsportarten finden hier gar nicht statt.“ Um Zweifler zu überzeugen, lädt die Stadt vereinzelt Bürger ins Neue Rathaus ein, um sich selbst ein Bild über die Belegung aller städtischen Hallen zu machen. „Sie werden feststellen, dass freie Kapazitäten vorhanden sind“, heißt es auf Facebook. Termine könnten mit der Pressestelle abgesprochen werden.

Unterstützung bekommt die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) von Heiko Gevers, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat: „Nach meinem Kenntnisstand wurden die in Celle vorhandenen Hallenkapazitäten und der Hallenbedarf von der Verwaltung sehr genau analysiert. Ergebnis dieser Analyse war, dass der Bedarf gegenwärtig auch ohne einen Hallenneubau gedeckt werden kann.“ Diese Aussagen würden wesentliche Punkte bei der Behandlung des Sportentwicklungsplanes sein, der nach der Sommerpause in den politischen Gremien beraten werde, so Gevers. Fragen nach möglichen Nachteilen für Sporttreibende im Innenstadtbereich sowie den MTV Eintracht Celle, der mit dem Abriss, welcher sich mit dem Ausbau des Nordwalls für gegenläufigen Straßenverkehr begründet, seine zentrale Heimstatt verliert, könnten erst danach detailliert beantwortet werden.

Im Übrigen sei es zu begrüßen, dass der Oberbürgermeister als Aufgabe der laufenden Verwaltung die Fakten für politische Entscheidungen vorbereitet und mit den Sportvereinen redet. „Darauf wartet die Politik bereits seit über einem Jahr“, so CDU-Chef Gevers.

Nicht so gut kommt das Vorgehen Nigges bei der Celler SPD an. Deren Fraktionsvorsitzender Jörg Rodenwaldt sagt: „Wir kennen das aus der Vergangenheit, als er zum Beispiel die einmalige Chance zu einer kostengünstigen, zukunftsorientierten Lösung für eine Dreifeld-Halle in einer einsamen Entscheidung verworfen hat, ohne die Gremien zu involvieren. Das ist auch jetzt wieder geschehen, indem der ersatzlose Abriss der Nordwall-Halle extern kommuniziert worden ist, statt den Sachverhalt im Sport- und Finanzausschuss aufzuarbeiten. Es wurde eine Entscheidung getroffen, die der Oberbürgermeister nicht zu treffen hat“, so Rodenwaldt. Es bleibe Nigge unbenommen mit Sportvereinen zu reden, aber es sei nicht seine Aufgabe, bislang nicht getroffene Ratsentscheidungen im Vorfeld zu kommunizieren. „Es ist eine wiederholte Missachtung der Ratsmitglieder und ihrer Entscheidungskompetenz“, meint der SPD-Vorsitzende.

Nach seiner Erkenntnis sind die Hallenkapazitäten in Celle eng bemessen. Im aktuellen Sportentwicklungsplan komme das klar zum Ausdruck. Der bisherige Mangel an Hallenkapazitäten und Übungsräumen würde sich durch den ersatzlosen Wegfall der Nordwall-Halle nur vergrößern. Seniorengerechte Angebote zur Erhaltung der Lebensqualität, integrative und inklusive Maßnahmen, besonders auch für junge Menschen, würden darunter leiden. „Celle ist Sportstadt und soll es nach unserer Auffassung auch bleiben. Die SPD-Fraktion sagt klar nein zu einer Sportplanung mit der Abrissbirne“, unterstreicht Rodenwaldt.