Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Fußball regional Lemps große Geste: Eldinger Stürmer lehnt gegen Altencelle Elfergeschenk ab
Sport Fußball regional Lemps große Geste: Eldinger Stürmer lehnt gegen Altencelle Elfergeschenk ab
17:57 21.08.2017
Von Heiko Hartung
Eldingens Christopher Lemp (rechts, hier im Spiel gegen Südwinsen) hat für einen großen Moment des Fair-Play im Celler Fußball gesorgt. Er verschoss absichtlich einen „geschenkten“ Elfer, der seiner Elf wohl den Sieg gebracht hätte. Quelle: Michael Schäfer (Archiv)
Eldingen

Sonntagnachmittag. Es läuft die Schlussphase der Kreisliga-Partie zwischen der SG Eldingen und dem SV Altencelle. Beim Stand von 3:3 zieht Christopher Lemp zieht mit dem Ball am Fuß Richtung Gästetor. Er ist bereits im Strafraum, als er von der Seite Altencelles Christian Steglich heranrauschen sieht. „Ich habe darauf spekuliert, dass er mich trifft“, erzählt Lemp. Doch der Verteidiger verfehlt den SG-Stürmer. Lemp geht zu Boden, rappelt sich aber sofort wieder auf. Da ertönt der Pfiff: Schiedsrichter Lars-Oliver Piontek entscheidet auf Strafstoß. Tumult und Proteste der Altenceller, die Situation ist unübersichtlich. Da schnappt sich Lemp den Ball und schießt ihn absichtlich fünf Meter neben das Altenceller Tor, ohne auf die Freigabe vom Unparteiischen zu warten. Er sieht die Gelbe Karte, der Elfer wird wiederholt. Und erneut vergibt der 28-Jährige mit Absicht. Es bleibt beim Remis.

„Im ersten Moment habe ich mich über den Pfiff gefreut, aber dann dachte ich, dass wäre nicht korrekt“, berichtet der Industriekaufmann, der vergangenes Jahr aus Ahnsbeck nach Eldingen kam, früher in Nienhagen und beim TuS Celle FC gekickt hat. Am Tag danach bereut er es nicht, den fast sicheren Sieg seiner Elf in den Wind geschlagen zu haben. „Lieber auf zwei Punkte verzichten, als sich das Ansehen als fairer Sportler zu versauen.“ Gerade vor dem Hintergrund des schlechten Abschneidens der Fußballer im Kreis Celle bei der jährlichen Fairness-Wertung wolle er zeigen, dass es auch anders geht. „Ich wollte ein Vorbild sein“, so Lemp, der in Ahnsbeck wohnt.

Seine Mannschaft und Trainer Volker Darkow stehen hinter ihm. „Eine starke Geste von ,Johnny‘. Beim Stand von 5:0 oder 0:5 ist das einfach, aber diese Szene war spielentscheidend“, so der 47-jährige Coach. Er habe sich nicht einen Moment über die verlorenen Punkte geärgert. „Mir ist es wichtig, dass meine Spieler mündig sind und auf dem Platz ihre eigenen Entscheidungen treffen. Das bestätigt unsere Fair-Play-Einstellung.“

Auch vom gegnerischen Trainer gab es Lob: „Das habe ich noch nie erlebt. Ich bin hinterher zu ihm gegangen und habe mich bedankt, denn Eldingen hätte die Punkte gut gebrauchen können“, sagt Altencelles Claus Netemeyer. „Ich kenne keine zehn Spieler im Landkreis, die so fair reagiert hätten.“

Aber warum sah Lemp die Gelbe Karte? Nach der offensichtlichen Fehlentscheidung sah sich Schiedsrichter Piontek umringt von Spielern. „Ich kam zunächst gar nicht an den Spieler Lemp heran“, sagte Piontek der CZ. Erst als der Torjäger das erste Mal verschossen hatte, stellte er ihn zur Rede. „Wenn er da seine Schwalbe zugegeben hätte, wäre das Spiel mit Schiedsrichterball fortgesetzt worden“, so der Referee. Doch Lemp habe nicht zur Aufklärung der Situation beigetragen. Weil er zudem beim ersten Mal nicht auf die Freigabe gewartet und so die korrekte Strafstoßausführung verhindert habe, zückte der Schiri Gelb. „Ich empfand sein Verhalten als arrogant und wenig professionell“, so Piontek.

So oder so, Lemp löste die Situation etwas unorthodox auf seine Weise, die Karte tut ihm nicht weh. „Ich würde es wieder machen“, meint der Angreifer, der sich als „umgänglichen Typen“ beschreibt. Umgänglich – und verantwortlich für einen großen Moment des Fair-Play, wie man ihn im Celler Fußball gerne öfter erleben würde.